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Oberleitungsbus
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Ein Oberleitungsbus â auch Oberleitungsomnibus, Obus, O-Bus, Trolleybus, Trolley oder veraltet gleislose Bahncite-ref-1[1] genannt â ist ein elektrisches Verkehrsmittel beziehungsweise Verkehrssystem im Ăśffentlichen Personennahverkehr. Er ist wie ein im Stadtbusverkehr eingesetzter Stadtlinienbus aufgebaut und wird von einem oder mehreren Elektromotoren angetrieben. Seinen Fahrstrom bezieht er â ähnlich der StraĂenbahn und anders als Batteriebusse â mittels Stromabnehmern aus einer Ăźber der Fahrbahn gespannten Oberleitung, die jedoch stets zweipolig ausgefĂźhrt ist. Oberleitungsbusse sind somit weder spurgefĂźhrt wie eine Bahn noch spurfrei wie ein Omnibus, sondern unterliegen einer geringen Spurbindung.cite-ref-2[2] Die Bezeichnung Oberleitungsbus beziehungsweise ihre Synonyme werden dabei sowohl fĂźr das Fahrzeug selbst als auch fĂźr die dazugehĂśrige Infrastruktur verwendet.
Die ersten Anlagen wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts erĂśffnet, weltweit existierten Ende 2024 insgesamt 257 Oberleitungsbus-Betriebe,cite-ref-3[3] verteilt auf 45 Staaten. Sie sind Ăźberwiegend in Mittel- und osteuropäischen Ländern, den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, der Volksrepublik China, Nordkorea, Italien und der Schweiz anzutreffen und werden in der Liste der Oberleitungsbussysteme aufgefĂźhrt. Ăber 500 Netze wurden wieder stillgelegt, eine Ăbersicht hierzu gibt die Liste der ehemaligen Oberleitungsbussysteme. Die meisten frĂźheren Betriebe existierten in der westlichen Welt, wo der Oberleitungsbus in den 1950er und 1960er Jahren seine BlĂźtezeit erlebte. In 32 Ländern, die frĂźher Obusverkehr aufwiesen, ist das Verkehrsmittel mittlerweile gar nicht mehr anzutreffen.
Eine ausfĂźhrliche Darstellung der historischen Entwicklung findet sich im Hauptartikel Geschichte des Oberleitungsbusses.
Contents
⢠Fahrerlaubnis
⢠Betreiber
⢠Etymologie
⢠Sprachgebrauch
⢠Schweiz
⢠Weltweit
⢠Fahrzeug
⢠Aufbau
⢠Gelenkwagen
⢠Stromabnehmer
⢠Aufhängung
⢠FahrdrahthÜhe
⢠Polarität
⢠Wendeanlagen
⢠Luftweichen
⢠Kreuzungen
⢠Kreuzungsweichen
⢠Fahrspannung
⢠Signalisierung
⢠Depots
⢠Unfallstatistik
⢠Hilfsantrieb
⢠Duo-Bus
⢠Sonderformen
⢠Ersatzverkehr
⢠Anhängerbetrieb
⢠Doppeltraktionen
⢠Tunnelstrecken
⢠Radnabenmotoren
⢠Stadtrundfahrten
⢠Besonderheiten
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Definition und Rechtslage
Der Oberleitungsbus ist eine Mischung aus StraĂenbahn und Bus.cite-ref-4[4] Der Obus kombiniert somit Elemente einer Bahn mit denjenigen eines Kraftfahrzeugs. Dies macht sich auch juristisch bemerkbar â in den nationalen Rechtsgebungen werden Obusse zumeist als Eisenbahn behandelt,cite-ref-positionspapier-salzburg-5-0[5] nicht zuletzt deshalb, weil nur in wenigen Staaten spezielle Verordnungen fĂźr StraĂenbahnen bestehen. Während bei Omnibussen zwischen Linienbussen und solchen fĂźr den Gelegenheitsverkehr unterschieden wird, dienen Oberleitungsbusse ausschlieĂlich dem Linienverkehr. Auch in EU-konformen Ausschreibungen werden bezĂźglich der âTätigkeit des Auftraggebersâ standardmäĂig Städtische Eisenbahn-, StraĂenbahn-, Oberleitungsbus- oder Busdienste unterschieden.cite-ref-6[6]
Deutschland
Wie alle deutschen StraĂenfahrzeuge unterliegen auch Oberleitungsbusse dem StraĂenverkehrsgesetz (StVG), der Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) â frĂźher StraĂenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) â sowie der StraĂenverkehrs-Ordnung (StVO). Zusätzlich gelten die Verordnung Ăźber den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr (BOKraft), das PersonenbefĂśrderungsgesetz (PBefG) sowie die Verordnung Ăźber die Allgemeinen BefĂśrderungsbedingungen fĂźr den StraĂenbahn- und Obusverkehr sowie den Linienverkehr mit Kraftfahrzeugen.cite-ref-7[7] In diesen drei Regelungen werden Obusse als eigenständiges Verkehrsmittel jeweils gesondert erwähnt. Sie werden in Deutschland im PersonenbefĂśrderungsgesetz wie folgt definiert:
Das Kraftfahrt-Bundesamt ordnet die Oberleitungsbusse den Kraftomnibussen zu, mit der eigenen SchlĂźsselnummer 22 0000.cite-ref-8[8] Das PersonenbefĂśrderungsgesetz hingegen definiert sie aufgrund ihrer Fahrleitungsbindung nicht als Kraftfahrzeuge.cite-ref-9[9] FĂźr den Verkehr mit Obussen wird von den VerkehrsbehĂśrden eine entsprechende Genehmigungsurkunde gemäà PersonenbefĂśrderungsgesetz ausgestellt. BezĂźglich der Infrastruktur gilt fĂźr Obusanlagen zusätzlich die Verordnung Ăźber den Bau und Betrieb der StraĂenbahnen (BOStrab). Da es in Deutschland keine spezielle Verordnung fĂźr Obusse gibt, kommt die BOStrab auch bei der Neuinbetriebnahme von Obussen zur Anwendung. Das heiĂt, Obusse werden sowohl als StraĂenbahnwagen als auch als Kraftfahrzeug zugelassen,cite-ref-10[10] wobei fĂźr die straĂenrechtliche Zulassung der TĂV zuständig ist.cite-ref-dietrich-11-0[11] Die BOStrab ist dabei vergleichsweise streng, so muss beispielsweise auch der Brandschutz von StraĂenbahnwagen in Tunneln berĂźcksichtigt werden.cite-ref-12[12]
Als Technische AufsichtsbehĂśrde (TAB) fungiert eine von der jeweiligen Landesregierung bestimmte BehĂśrde,cite-ref-13[13] der sogenannte Landesbevollmächtigte fĂźr Bahnaufsicht (LfB). Im Falle des Solinger Betriebs in Nordrhein-Westfalen ist dies beispielsweise die DĂźsseldorfer Bezirksregierung.cite-ref-14[14] FĂźr die regelmäĂige PrĂźfung der Oberleitungsinfrastruktur ist ebenfalls der TĂV verantwortlich, in Esslingen am Neckar beispielsweise erfolgt die Kontrolle der elektrischen Anlagen vierteljährlich.cite-ref-esslinger-zeitung-vom-15-august-2012-15-0[15]
Noch 1957 wurde in Westdeutschland âim Hinblick auf die technische und betriebliche Eigenart dieses schienenlosen Verkehrsmittelsâ der bevorstehende Erlass einer besonderen Verordnung Ăźber den Bau- und Betrieb von Obusanlagen (BOObus) erwartet,cite-ref-16[16] hierzu kam es letztlich nicht mehr.
In PreuĂen war das Genehmigungsverfahren hingegen noch relativ unkompliziert. Dort unterstanden gleislose Bahnen â anders als StraĂenbahnen â nicht dem PreuĂischen Kleinbahngesetz, stattdessen bedurfte es nur der landespolizeilichen Genehmigung und des Einverständnisses der WegeeigentĂźmer. Dies änderte sich erst mit der EinfĂźhrung der Verordnung Ăźber den Ăberlandverkehr mit Kraftfahrzeugen vom 6. Oktober 1931. Ihr zufolge galten zumindest fĂźr die Starkstromanlagen der Fahrzeuge und die Fahrleitungsanlagen die Vorschriften nebst AusfĂźhrungsregeln fĂźr elektrische Bahnen.cite-ref-uhlig-17-0[17] Im KĂśnigreich Sachsen wiederum war der âKĂśnigliche Komissär fĂźr elektrische Bahnenâ als BahnaufsichtsbehĂśrde auch fĂźr gleislose Bahnen zuständig.cite-ref-18[18]
Ăsterreich
In Ăsterreich sind Oberleitungsbusbetriebe dem Eisenbahngesetz 1957 (EisbG) unterstellt:
Es war dabei bei Verabschiedung des Gesetzes im Jahr 1956 naheliegend, auch auf die Obuslinien hinsichtlich ihrer ortsfesten eisenbahntechnischen Einrichtungen das Eisenbahnrecht anzuwenden, wodurch ihnen das zur Zeit der Geltung des Ăśsterreichischen Eisenbahnrechtes gewährte Enteignungsrecht wieder zukam. Insbesondere fĂźr die Obuslinien war dies von grĂśĂter Bedeutung, weil zuvor durch das Fehlen eines solchen Rechtes Schwierigkeiten besonders hinsichtlich der Verankerung ihrer Fahrleitung an fremden Gebäuden aufgetreten sind.cite-ref-19[19]
Die aufgrund des Eisenbahngesetzes erlassene StraĂenbahnverordnung (StrabVO) enthält jedoch erst seit dem Inkrafttreten der Verordnung BGBl. II Nr. 127/2018 auch Bestimmungen fĂźr Oberleitungsbusse.cite-ref-20[20]
Neben dem Eisenbahngesetz gelten aber auch die Vorschriften des StraĂenverkehrsrechts: Die StraĂenverkehrsordnung 1960 und das Kraftfahrgesetz 1967 definieren Oberleitungskraftfahrzeuge jeweils nicht als Schienenfahrzeuge:
Schweiz
In der Schweiz gilt fĂźr Trolleybusse ein eigenes Gesetz, das Bundesgesetz Ăźber die Trolleybusunternehmen, kurz Trolleybus-Gesetz, abgekĂźrzt TrG. Es definiert das Verkehrsmittel wie folgt:cite-ref-trolleybus-gesetz-21-0[21]
Ergänzt wird das Trolleybusgesetz durch die ebenfalls aus dem Jahr 1951 stammende Vollziehungsverordnung zum Bundesgesetz Ăźber die Trolleybusunternehmungen, kurz Trolleybus-Verordnung.cite-ref-22[22] Ferner unterliegen die Lenk- und Ruhezeiten des Personals sowie die Unfallmeldung dem Eisenbahnrecht, fĂźr die technische AusrĂźstung der Fahrzeuge und den Verkehr auf der StraĂe gelten wiederum die Vorschriften der Bundesgesetzgebung Ăźber den Motorfahrzeugverkehr.cite-ref-trolleybus-gesetz-21-1[21] Das Schweizer PersonenbefĂśrderungsgesetz (PBG) gilt hingegen nicht fĂźr Trolleybusse, sie werden darin auch nicht erwähnt.cite-ref-arbeitsgruppe-trolleybus-23-0[23] Ferner verkehren Trolleybusse in der Schweiz auf der Basis einer Bundes-Konzession des Unternehmens â die vom EidgenĂśssischen Departement fĂźr Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation erteilt wird â und nicht wie Autobusse mit kantonalen Bewilligungen je Fahrzeug. Daraus ergeben sich auch Abweichungen bei der Haftpflichtversicherung.cite-ref-24[24] DarĂźber hinaus benĂśtigen sie keinen Fahrzeugausweis. Hinsichtlich der Fahrleitungsanlagen ist das Plangenehmigungsverfahren nach dem Schweizer Eisenbahngesetz anzuwenden, das auch fĂźr StraĂenbahnen gilt. Des Weiteren waren die Fahrpläne der Schweizer Ăberlandtrolleybuslinien bis zum Winterfahrplan 1981/82 im Amtlichen Kursbuch der Schweiz â anders als die Ăberlandautobusse â unter den Bahnen aufgefĂźhrt. Ebenso waren die Trolleybusse in den 1950er und 1960er Jahren im Verzeichnis des Rollmaterials der schweizerischen Privatbahnen aufgefĂźhrt.cite-ref-bav-trolleybusverzeichnis-1966-25-0[25] Das Bundesamt fĂźr Strassen fĂźhrt Trolleybusse gleichfalls nicht als Strassenmotorfahrzeuge.cite-ref-26[26]
Weiter findet sich die rechtliche Einordnung als Eisenbahn zum Teil auch im Arbeitsrecht und im Arbeitnehmerschutz wieder. So sind beispielsweise die Mitarbeiter eines Ăśsterreichischen Obus-Betriebs automatisch Mitglied im Eisenbahner-Kollektivvertrag.cite-ref-positionspapier-salzburg-5-1[5] Ebenso erfolgt die technische Abnahme beziehungsweise Zulassung neuer Oberleitungsbusse häufig â analog zur Zulassung von Eisenbahnfahrzeugen â durch die entsprechende Eisenbahn-FachaufsichtsbehĂśrde, auch Eisenbahnamt genannt. So zum Beispiel in Tschechien durch die Eisenbahninspektion DrĂĄĹžnĂ inspekce sowie die EisenbahnbehĂśrde DrĂĄĹžnĂ ĂşĹadcite-ref-27[27] oder in Italien durch die ANSFISA. Generell ist die Zulassung eines Oberleitungsbusses aufwändiger und dauert deutlich länger als bei einem Omnibus. FĂźr Osteuropa typisch waren frĂźher auĂerdem gesonderte Tarife im Oberleitungsbusverkehr. Bis heute werden dort vielerorts â trotz gleichen Fahrpreises und gemeinsamer Betreibergesellschaft â getrennte Fahrscheine ausgegeben, die nicht wechselseitig verwendet werden kĂśnnen.
Kraftfahrzeugkennzeichen
Die fehlende Spurfreiheit analog zu einer Bahn macht sich mitunter auch äuĂerlich bemerkbar. So ist fĂźr Trolleybusse in 24 von 45 Staaten kein Kraftfahrzeugkennzeichen vorgeschrieben. Dies ist unter anderem in der Schweiz, wenn auch erst seit 1940,cite-ref-28[28] und den meisten ehemals sozialistisch regierten Ländern der Fall â nicht jedoch in Deutschland und Ăsterreich. Ersatzweise muss die jeweilige Betriebsnummer deutlich erkennbar auĂen am Fahrzeug angeschrieben sein. Dies ist bei den meisten Verkehrsgesellschaften ohnehin Standard, unabhängig von der gesetzlichen Regelung bezĂźglich der Nummernschilder. Teilweise wird dabei die ungenutzte Kennzeichenhalterung zur Angabe der Fahrzeugnummer verwendet. In Ăsterreich fĂźhren nach dem 1. April 2017 neu zugelassene Oberleitungsbusse ebenfalls das â an diesem Tag neu eingefĂźhrte â Kennzeichen fĂźr reine Elektrofahrzeuge, das heiĂt mit grĂźner statt schwarzer Schrift.
ohne Kennzeichen in Europa
ohne Kennzeichen auĂerhalb Europas
mit Kennzeichen in Europa
mit Kennzeichen auĂerhalb Europas
ausgenommen Duo-Busse, im Gegensatz dazu benĂśtigen Trolleybusse mit Hilfsantrieb ebenfalls kein Kontrollschild
nur Fahrzeuge mit Hilfsantrieb
teilweise kommunale Kennzeichen, hierbei handelt es sich um
Inventarnummern
der jeweiligen Stadt, darßber hinaus benÜtigen in Rumänien auch Duo-Busse keine Kennzeichen
bis in die 1950er Jahre reguläre Kennzeichen, anschlieĂend keine Kennzeichen, seit 1984 â bzw. beim
Oberleitungsbus Cagliari
erst seit 2012 â Kennzeichen der jeweiligen
Provinz
Kennzeichen seit 2006
Kennzeichen seit 2015
Kennzeichen seit 2016
Auch in den nicht mehr existierenden Staaten Sowjetunion, Tschechoslowakei und Jugoslawien waren keine Kennzeichen vorgeschrieben, während sie beispielsweise in der Deutschen Demokratischen Republik verpflichtend waren. In der Mongolei hatten ursprßnglich nur Fahrzeuge mit Hilfsantrieb Kennzeichen, später dann alle Fahrzeuge.
Fahrerlaubnis
FĂźr das FĂźhren eines Oberleitungsbusses muss zusätzlich zum regulären OmnibusfĂźhrerschein und dem PersonenbefĂśrderungsschein eine innerbetriebliche Zusatzausbildung absolviert werden. Darin werden die betreffenden Berufskraftfahrer Ăźber die technische Beschaffenheit der Fahrzeuge und der elektrischen Anlagen sowie Ăźber die technischen Besonderheiten des Betriebes unterrichtet.cite-ref-29[29] Auch Sicherheitsbestimmungen, Signalkunde, StĂśrungsbehebung und zusätzliche Fahrstunden sind Bestandteil der Fortbildung.cite-ref-sonst-schl-gt-s-funken-30-0[30] Beim Betrieb im schwedischen Landskrona wird fĂźr die Extraschulung ein Zeitaufwand von mindestens acht Stunden veranschlagt, beim Trolleybus Schaffhausen waren es etwa zwanzig Stunden und in Esslingen am Neckar rund zwei Wochen.cite-ref-sonst-schl-gt-s-funken-30-1[30]cite-ref-vbsh-studie-31-0[31]cite-ref-32[32] GrĂśĂere Betriebe unterhalten eigens zu diesem Zweck spezielle Fahrschulwagen, auch Lehrwagen genannt. In Deutschland mĂźssen Obusfahrer auĂerdem, wie StraĂenbahnfahrer, nach erfolgter Schulung eine besondere EignungsprĂźfung gemäà BOStrab ablegen.cite-ref-sonst-schl-gt-s-funken-30-2[30] In Italien muss sowohl eine mĂźndliche als auch eine praktische PrĂźfung absolviert werden.cite-ref-33[33]
Die Zusatzqualifikation wird beispielsweise in der Schweiz auch im FĂźhrerausweis eingetragen. Dort bescheinigt der Code 110 dem Inhaber, zum FĂźhren von Trolleybussen berechtigt zu sein.cite-ref-34[34] Zuvor war sie als eigene Kategorie im FĂźhrerausweis eingetragen. In manchen Staaten gibt es diese eigene Kategorie bis heute. In Bulgarien lautet sie TŃĐą, in Estland D-troll fĂźr Solowagen bzw. D-trollE fĂźr Gelenkwagen, in Lettland TROL, in Litauen T, in Polen 105, in Rumänien Tb bzw. frĂźher H, in Ungarn TR und in China N.cite-ref-35[35] In Westdeutschland existierte frĂźher zusätzlich zur regulären FĂźhrerscheinklasse 2 fĂźr Fahrzeuge Ăźber 7,5 Tonnen die Kategorie 2e bzw. 2E fĂźr Elektrofahrzeuge, darunter auch Obusse.cite-ref-36[36]cite-ref-bitteeinsteigen-37-0[37]
Der Erwerb des FĂźhrerscheins war dabei frĂźher oft vereinfacht, um die Umschulung von WagenfĂźhrern des Schienenverkehrs zu erleichtern. In manchen Staaten ist bis heute kein Omnibus-FĂźhrerschein erforderlich, um einen Obus fahren zu dĂźrfen. Als Basis fĂźr die innerbetriebliche Zusatzausbildung genĂźgt ein Pkw-FĂźhrerschein. In der Deutschen Demokratischen Republik reichte sogar eine Fahrberechtigung fĂźr Elektrokarren aus. In der Volksrepublik China gibt es Fahrer, die nur eine Erlaubnis fĂźr Trolleybusse besitzen, sie dĂźrfen keine Omnibusse lenken.cite-ref-38[38] Eine ähnliche Situation bestand frĂźher auch in Westdeutschland. Dort durften Fahrer, die nur die oben genannte FĂźhrerscheinklasse 2E, aber nicht den sogenannten groĂen FĂźhrerschein der Klasse 2 zuzĂźglich Fahrerlaubnis fĂźr Kraftomnibusse hatten, zwar Obusse, aber weder Kraftomnibusse noch Lastkraftwagen oder Personenkraftwagen fĂźhren.cite-ref-bitteeinsteigen-37-1[37]
Abgrenzung zum Oberleitungslastkraftwagen
Eng mit Oberleitungsbussen verwandt sind Oberleitungslastkraftwagen, die ausschlieĂlich dem GĂźterverkehr dienen. Diese werden deshalb häufig auch GĂźter-Obus genannt, obwohl Obusse Personenverkehrsmittel sind. Die Bezeichnung Obus basiert in diesem Fall auf der Gleichartigkeit ihres Antriebssystems. Unabhängig davon gab es in den Anfangsjahren des Systems auch einige wenige Obusanlagen, auf denen mit jeweils eigenen Fahrzeugen sowohl GĂźter- als auch Personenverkehr stattfand. Eine weitere diesbezĂźgliche Besonderheit war der Oberleitungsbus Sankt Lambrecht in Ăsterreich. Dort dienten â ähnlich einem Kombinationsbus â spezielle Fahrzeuge sowohl dem GĂźtertransport als auch der PersonenbefĂśrderung. Die veraltete Bezeichnung gleislose Bahn wurde dabei synonym sowohl fĂźr Oberleitungsbusse als auch fĂźr Oberleitungslastkraftwagen verwendet. In Russland und der Ukraine nutzen einige Betriebe Oberleitungslastkraftwagen als Arbeitswagen fĂźr Reparatur- und Wartungsarbeiten städtischer Obusnetze. In manchen Oberleitungsbusnetzen wurden auch Postsendungen befĂśrdert, meist wenn sie zuvor Postkutschen-Verbindungen ablĂśsten.
Kennzeichnung von Haltestellen
Typisch fĂźr Obuslinien ist die besondere Kennzeichnung der Haltestellen. Während dies in Mittel- und Osteuropa bis heute Standard ist, setzen die Verkehrsbetriebe in Westeuropa mittlerweile auf einheitliche Stationsbeschilderungen unabhängig vom Verkehrsmittel. Jedoch war dies nicht immer der Fall. So existierten in Deutschland und Ăsterreich ab 1939cite-ref-39[39] auch fĂźr Obusse einheitliche gelb-grĂźne Haltestellenzeichen. Hierbei verwendete man aber nicht die kreisrunden StraĂenbahnschilder, sondern die eigentlich fĂźr Kraftfahrlinien vorgesehenen Haltestellenfahnen respektive HaltestellenlĂśffel in Form eines SignalflĂźgels. Statt wie Ăźblich mit dem Namen des Omnibusunternehmens war der Signalarm jedoch mit der Aufschrift Obus bzw. OBUS gekennzeichnet und etwas kĂźrzer.cite-ref-40[40]cite-ref-41[41] In Hamburg und Hannover waren abweichend davon rechteckige, zweizeilige Tafeln mit der Aufschrift Obus Haltestelle bzw. Obus-Haltestelle in schwarzer Schrift auf weiĂem Grund anzutreffen. Ebenso in der Schweiz, dort jedoch mit der Aufschrift Trolleybus Haltestelle.cite-ref-42[42] In Italien kennzeichnete man reine Obus-Haltestellen mit FERMATA FILOBUS, gemischte Obus- und Autobus-Haltestellen hingegen neutral mit FERMATA.cite-ref-43[43] Noch in den 1980er Jahren beschilderten ferner die Stadtwerke Solingen die Abfahrtsstellen ihrer Oberleitungsbusse auf dem zentralen Graf-Wilhelm-Platz als Bahnsteig. Eine weitere Obus-typische Besonderheit gegenĂźber dem Omnibus ist es, die Haltestellenschilder direkt an den Querdrähten der Oberleitung anzubringen.
Kennzeichnung von Linien
Mitunter werden bzw. wurden Obuslinien auch durch ein der Liniennummer vorangestelltes âOâ (Graz, Hamburg, Hannover, Linz, Minden, MĂźnchen und Berlin) oder ein vorangestelltes âTâ (Burgas, MediaČ, Nancy, Piatra NeamČ, Satu Mare, Sibiu und Ulaanbaatar) differenziert. In Berlin waren die in den 1930er Jahren in Betrieb genommenen ersten drei Obuslinien â die nach der Teilung der Stadt alle im Westteil lagen â dabei noch mit dem 1929 eingefĂźhrten Präfix âAâ fĂźr Autobus gekennzeichnet, was sich bis zur Betriebseinstellung im Jahr 1965 auch nicht mehr änderte. Erst Ost-Berlin fĂźhrte fĂźr sein 1951 erĂśffnetes Teilnetz die Kennung âOâ ein. Alternativ verwendet das rumänische Unternehmen Transurb GalaČi fĂźr seine beiden Trolleybuslinien 102T und 104T das Suffix âTâ, während die dortigen Autobuslinien ganz ohne Buchstaben auskommen.cite-ref-44[44]
In Jihlava und Tychy wiederum gilt das Prinzip, Obuslinien mit Buchstaben und Autobuslinien mit Nummern zu bezeichnen. In Bern zwischen 1947 und 1974, in Koblenz zwischen 1942 und 1970 sowie in Salzburg zwischen 1966 und 2003 war es hingegen genau umgekehrt, in den drei genannten Städten hatten jeweils Obuslinien Nummern und Autobuslinien Buchstaben. In Salzburg werden den Obuslinien heute individuelle Kennfarben zugeordnet, während die Autobuslinien einheitlich violett markiert sind.
In Augsburg, Erfurt, Kassel und Regensburg hatten die Obuslinien in den ersten Betriebsjahren jeweils gar keine Liniennummern und unterschieden sich dadurch von den regulär bezeichneten Ăśrtlichen Omnibuslinien. Anders beim Oberleitungsbus Budapest, wo die â in den Anfangsjahren einzige Linie â zeitweise die Linienbezeichnung âTâ fĂźr âTrolibuszâ trug, während sämtliche StraĂenbahn- und Autobuslinien numerische Bezeichnungen hatten.cite-ref-45[45] Ebenso trug die letzte verbliebene Moskauer Trolleybuslinie den Buchstaben âTâ. Auch im rumänischen Vaslui sind die Wagen der einzigen Trolleybuslinie mit âTâ fĂźr âTroleibuzâ beschildert, während die Autobusse der zuständigen Gesellschaft Transurb ganz ohne Linienbezeichnung verkehren. Eine weitere Besonderheit bestand in Bremerhaven. Dort waren StraĂenbahnlinien ab 1908 mit arabischen Ziffern, Omnibuslinien ab 1940 mit Buchstaben und Obuslinien ab 1949 mit rĂśmischen Ziffern bezeichnet.cite-ref-46[46]
In den Nachfolgestaaten der Sowjetunion ist es weithin Ăźblich, die gleichen Liniennummern â ohne jeden Zusatz â sowohl fĂźr Obus- als auch fĂźr Omnibus- und StraĂenbahnlinien zu vergeben. Hierbei kann es dann beispielsweise eine StraĂenbahnlinie 1, eine Obuslinie 1 und eine Omnibuslinie 1 parallel zueinander geben, die teilweise sogar dieselben Haltestellen bedienen. AuĂerhalb der ehemaligen UdSSR war dieses System frĂźher auch in Budapest, in TimiČoara und in Ulaanbaatar anzutreffen.
Alternativ werden den Obuslinien in vielen Städten niedrigere Liniennummern zugeteilt als den Omnibus-, aber hĂśhere Liniennummern als den StraĂenbahnlinien â das heiĂt, es besteht ein hierarchisches System. Dies kann dazu fĂźhren, dass eine Omnibuslinie im Zuge ihrer Umstellung auf Obusse respektive eine Obuslinie im Zuge einer De-Elektrifizierung eine neue Liniennummer zugeteilt bekommt, obwohl sich an der StreckenfĂźhrung nichts ändert. Ein Beispiel hierfĂźr ist die ehemalige Prager Autobuslinie 140, die ab 2023 durch die Trolleybuslinie 58 ersetzt wurde.cite-ref-47[47]
Gestaltung von Stadt- und Liniennetzplänen
Weiterhin ist es Ăźblich, Trolleybuslinien auf Stadt- bzw. Liniennetzplänen eine eigenständige Kennung zuzuweisen. In den sozialistischen Staaten setzte sich dabei die Kennfarbe GrĂźn durch, während StraĂenbahnlinien rot und Omnibuslinien blau eingezeichnet waren und bis heute sind. Diese Farbordnung war oft auch Grundlage fĂźr die Gestaltung der jeweiligen Fahrkarten. Die Stadtwerke Solingen wiederum kennzeichnen ihre Obuslinien â analog zu den Bahnlinien â mit doppelter Strichstärke, während Omnibuslinien in einfacher Strichstärke dargestellt sind.cite-ref-48[48] Eine Alternative fĂźr schwarz-weiĂe Pläne ist es, die verschiedenen Verkehrsmittel mit durchgehenden, gestrichelten oder gepunkteten Linien zu unterscheiden. In Deutschland wiederum waren zeitweise StraĂenbahnlinien mit einer durchgehenden roten, Obuslinien mit einer durchgehenden blauen und Omnibuslinien mit einer gestrichelten blauen Linie markiert. Die Boston Elevated Railway verwendete hingegen in ihren Liniennetzplänen Kreise fĂźr StraĂenbahnliniennummern, Quadrate fĂźr Omnibusliniennummern und Dreiecke fĂźr Trolleybusliniennummern.
Werden Obuslinien hingegen nicht gesondert gekennzeichnet, ist fßr den Fahrgast anhand der Fahrplanunterlagen nicht ersichtlich, mit welchem Verkehrsmittel die BefÜrderung erfolgt. Ferner existieren Stadtpläne, auf denen nur die Oberleitungs-, nicht aber die Omnibuslinien verzeichnet sind.cite-ref-49[49]
Kennzeichnung von Fahrzeugen
⢠Lackierung: Besonders in osteuropäischen Ländern ist ein eigenständiges Lackierungsschema fĂźr Oberleitungsbusse Ăźblich, obwohl sie von derselben Gesellschaft betrieben werden wie die Ăźbrigen städtischen Verkehrsmittel. Beispiele hierfĂźr sind Budapest (Trolleybusse rot-grau, Autobusse blau-grau und StraĂenbahnwagen gelb-weiĂ), PlzeĹ (Trolleybusse grĂźn-weiĂ, Autobusse rot-weiĂ und StraĂenbahnwagen gelb-grau), Minsk (Trolleybusse blaugrĂźn, Autobusse hellgrĂźn und StraĂenbahnwagen tĂźrkis) sowie bis 2010 auch Belgrad (Trolleybusse orange, Autobusse gelb und StraĂenbahnwagen rot). DarĂźber hinaus setzt auch die rĂśmische Azienda per i Trasporti Autoferrotranviari del Comune di Roma auf dieses Prinzip (Trolleybusse silber, Autobusse rot und StraĂenbahnwagen grĂźn).
⢠Nummerierung: Teilweise werden auch gleiche Betriebsnummern vergeben, so dass es beim selben Verkehrsunternehmen unter Umständen einen Oberleitungsbus Nummer 1, einen Omnibus Nummer 1 und eine StraĂenbahn Nummer 1 geben kann. In Idar-Oberstein verwendete man frĂźher zu diesem Zweck zusätzliche KĂźrzel, so existierte gleichzeitig ein Oberleitungsbus âO1â und ein Kraftomnibus âK1â. Auch die Aachener StraĂenbahn und Energieversorgungs-AG benutzte den Zusatzbuchstaben âOâ fĂźr ihre Oberleitungsbusse, beim Oberleitungsbus Greiz lautete der Zusatz âObâ. Analog dazu existierte in Budapest, Glasgow und Warschau der vorangestellte Kennbuchstabe âTâ, in Szeged ist dies bis heute der Fall. Beim Oberleitungsbus Neapel, beim Oberleitungsbus Pescara sowie beim Ăberlandbetrieb von Turin nach Rivoli lautet(e) der Zusatzbuchstabe âFâ fĂźr filobus, im rumänischen TimiČoara stand das âFâ analog dazu fĂźr firobuz. In Cuneo stellte man ein âEâ fĂźr âelettrobusâ vor oder hinter die eigentliche Wagennummer, Woronesch wiederum verwendete zeitweise den Buchstaben âTâ als Suffix. Zudem ist es weithin Ăźblich, Oberleitungsbussen eigenständige Nummerngruppen zuzuweisen. So besitzen beispielsweise in Esslingen am Neckar die Gelenkobusse 200er Nummern, während die Gelenkomnibusse mit 100er Nummern gekennzeichnet sind.
⢠Typisierung: Auch viele Herstellerbezeichnungen basieren auf diesem System, so heiĂt etwa der vom Omnibusmodell Ikarus 280 abgeleitete Obustyp Ikarus 280T.
Betreiber
In aller Regel werden Oberleitungsbusse von kommunalen oder privaten Verkehrsunternehmen betrieben. Diese sind meist auch fĂźr den Ăśrtlichen Omnibus- und â soweit vorhanden â StraĂenbahnverkehr zuständig. Jedoch erfolgt in bestimmten Städten eine organisatorische Trennung zwischen Obus- und Omnibusverkehr. In der Europäischen Union, Norwegen und der Schweiz ist bzw. war dies in Bergen (seit 2020), Chaskowo, Gdynia (seit 1998), Pasardschik, Plewen, Salzburg (seit 2005), Sofia, Stara Sagora, Szeged, Tychy und Wraza der Fall. Ebenso â jeweils ab ErĂśffnung des Betriebs â in Bern bis 1947, in Bonn bis 1964,cite-ref-marquordt-50-0[50] in Budapest bis 1967, in Schaffhausen bis 1984, in Debrecen bis 2009, in Athen/Piräus und Vilnius bis 2011, in Tallinn bis 2012 und in Kaunas bis 2014, auĂerdem bei den vier stillgelegten bulgarischen Betrieben in Dobritsch, Kasanlak, Pernik und Weliko Tarnowo. AuĂerhalb Europas sind beispielsweise in Guadalajara, Guangzhou, Quito, Mexiko-Stadt, ValparaĂso und Wuhan Obus und Omnibus administrativ getrennt, ferner war dies frĂźher in Mendoza und MĂŠrida der Fall. DarĂźber hinaus kommt dieses Modell auch in vielen Städten der ehemaligen Sowjetunion zur Anwendung. Zudem werden dort, wie auch in Nordkorea oder frĂźher in China, einige Oberleitungsbussysteme von Industriebetrieben gefĂźhrt. Hierbei handelt es sich um nicht-Ăśffentliche Werkspersonenverkehre, die in der Regel nur zu den Schichtwechseln bedient werden. Reine Trolleybusgesellschaften waren auĂerdem die spanische CompaĂąĂa de Trolebuses SantanderâAstillero, abgekĂźrzt CTSA, und die uruguayische COOPTROL, ein Akronym fĂźr COOPerativa de TROLebuses, aus Montevideo.
Teilweise sind Obusse dem StraĂenbahnbetrieb angegliedert, so etwa in Sofia und in Szeged. Dadurch ergeben sich unter anderem Synergieeffekte bei der Fahrleitungsinstandhaltung und beim Stromeinkauf. In Chile existierte frĂźher ein Staatsunternehmen, das â zuletzt unter der Bezeichnung Empresa de Transportes Colectivos del Estado â beide Obusnetze des Landes gemeinsam betrieb. In der Schweiz gab es mit dem 2012 infolge einer Fusion entstandenen Unternehmen Transports Publics Neuchâtelois (transN) wiederum eine Gesellschaft die fĂźr zwei räumlich getrennte Trolleybusnetze zuständig war, in diesem Fall fĂźr den Trolleybus Neuenburg und den â mittlerweile eingestellten â Trolleybus La Chaux-de-Fonds.
Zahlreiche Verkehrsunternehmen änderten im Zuge der EinfĂźhrung von Oberleitungsbussen ihren Namen um den Begriff StraĂenbahn zu eliminieren. So nannte sich beispielsweise die Trambahn der Stadt St. Gallen ab 1950 neutral Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen. Das franzĂśsische Verkehrsunternehmen SociĂŠtĂŠ des Trolleybus Urbains de Belfort (STUB) wiederum trug seine Bezeichnung von 1952 bis 1972, obwohl es ab 1958 auch Autobusse betrieb.cite-ref-51[51] Die Verkehrsgesellschaft der kroatischen Stadt Rijeka heiĂt bis heute KD Autotrolej d.o.o., obwohl dort schon seit 1971 keine Trolleybusse mehr verkehren. Ebenso nennt sich das Autobusunternehmen der rumänischen Stadt Piatra NeamČ bis heute S.C. Troleibuzul S.A., wenngleich der Trolleybusbetrieb dort erst im März 2017 endete.
Etymologie
Oberleitungsbus ist eine Kurzform des Begriffs Oberleitungsomnibus, das sich aus Oberleitung und Omnibus zusammensetzt.
Oberleitungsomnibus tauchte schon vor dem Ersten Weltkrieg auf, so zum Beispiel 1901 in einer Werbeanzeige von Siemens & Halske. Die Kurzform Oberleitungsbus wurde im September 1937 durch den Bahnausschuss des Verbands deutscher Verkehrsverwaltungen (VDV) offiziell eingefßhrt. Das Wort selbst ist jedoch älter, es taucht beispielsweise schon 1930 in der Zeitschrift Der Waggon- und Lokomotivbau auf.cite-ref-ken2-52-0[52]
Die Abkßrzung fßr Oberleitungsomnibus respektive Oberleitungsbus lautete zunächst Obbus und wurde später zu den heute gängigen Schreibweisen Obus bzw. O-Bus vereinfacht.
Der auĂerhalb von Deutschland und Ăsterreich verwendete Begriff Trolleybus ist ein Internationalismus. Während im britischen Englisch beziehungsweise im Ăźbrigen Europa manchmal auch dessen Kurzform Trolley verwendet wird, ist Trolley im amerikanischen Englisch die Kurzform fĂźr trolley car und steht dort somit fĂźr einen StraĂenbahnwagen.
Die Bezeichnung stammt wiederum von crane trolley ab, so wird im Englischen eine Laufkatze am Ausleger eines Krans bezeichnet. Diese hat eine groĂe technische Ăhnlichkeit zu den Kontaktwägelchen, die sowohl bei den ersten elektrischen StraĂenbahnen als auch bei den ersten Trolleybussen auf der Oberleitung fuhren und mit dem Verbindungskabel hinterher gezogen wurden. Der Begriff Trolleybus kam jedoch erst in den 1920er Jahren auf, also zu einer Zeit, als die anfänglichen Systeme mit Kontaktwägelchen technisch längst Ăźberholt und grĂśĂtenteils wieder stillgelegt worden waren.
Sprachgebrauch
Deutschland und Ăsterreich
In Deutschland und Ăsterreich werden heute meist die Bezeichnungen Oberleitungsbus oder Oberleitungsomnibus und die daraus abgeleiteten Kurzformen Obus und O-Bus verwendet. Weitere Bezeichnungen wie Elektrobus, E-Bus, elektrischer Bus oder Strombuscite-ref-53[53] sind ungenau, weil sie auch fĂźr mit Elektromotoren betriebene Omnibusse verwendet werden, deren Energie nicht kontinuierlich Ăźber eine Oberleitung zugefĂźhrt wird.cite-ref-54[54]
In der FrĂźhzeit wurden Oberleitungsbusse hingegen noch anders benannt. Das 1882 von Werner Siemens vorgestellte Versuchsfahrzeug hieĂ Elektromote, abgeleitet aus dem englischen Begriff electric motion fĂźr elektrische Bewegung. Als Oberbegriff fĂźr derartige Fahrzeuge waren elektrische Kutsche, elektrische Droschke oder elektrischer Motorwagen gängig. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Obus â in Abgrenzung zur Schienenbahn aber auch zur sogenannten halbgleislosen Bahn â als gleislose, geleislose oder geleiselose Bahn respektive StraĂenbahn bezeichnet. Meyers GroĂes Konversations-Lexikon beschreibt diese 1905 wie folgt:cite-ref-55[55]
âStraĂenbahnen, gleislose; elektrische Omnibusse mit oberirdischer StromzufĂźhrung, die ohne Schienen laufen.â
In PreuĂen hieĂen sie damals behĂśrdlicherseits Kraftwagen mit oberirdischer StromzufĂźhrung.cite-ref-56[56] Weniger verbreitete Bezeichnungen waren Elektrischer Omnibusbetrieb mit oberirdischer StromzufĂźhrung, Gleislose elektrische Bahn, Gleislose elektrische StraĂenbahn, Gleislose Trambahn, Gleislose elektrische Stadtbahn, Elektrische Bahn ohne Schienen, Gleislose Motorbahn mit elektrischer Oberleitung, Gleislose elektrische Personenbahn, Gleislose elektrische Transportbahn,cite-ref-57[57] Gleislose Elektrische Bahnen mit oberirdischer StromzufĂźhrung, Gleisloser Spurwagen, Gleislose Oberleitungsbahn, Elektrische Oberleitungsbahn, Oberleitungsbahn, Elektrische gleislose Bahn, Elektrische gleislose Motorbahn, Gleislose elektrische Motorbahn, Elektrische schienenlose Bahn,cite-ref-58[58] schienenlose StraĂenbahn,cite-ref-59[59] schienenlose elektrische StraĂenbahn, elektrischer Kraftwagenbetrieb mit Oberleitung, Oberleitungs-Kraftwagen, Oberleitungs-Kraftfahrzeug, Elektrischer Omnibus, Elektrisches Oberleitungs-Automobil oder Oberleitungs-Automobil. Der von 1912 bis 1914 bestehende Obus-Betrieb in Steglitz bei Berlin wurde im Volksmund als Gleislobus bezeichnet, abgeleitet von Gleisloser Omnibus.cite-ref-gleilobus-60-0[60]
Anlässlich der 1930 erfolgten ErĂśffnung der Strecke zwischen Mettmann und Gruiten, des ersten neuzeitlichen Betriebs in Deutschland, entstand die Bezeichnung Fahrdrahtbus.cite-ref-61[61] In Berlin wurde anfangs auch der Begriff Drahtbus verwendet,cite-ref-62[62] die Erläuterungen zu den Vorschriften nebst AusfĂźhrungsregeln fĂźr elektrische Bahnen von 1932 verwendeten darĂźber hinaus die Langform Fahrdrahtomnibus.cite-ref-uhlig-17-1[17] Mit den vorgenannten Begriffen sollte klargestellt werden, dass es sich um StraĂenfahrzeuge und nicht um klassische Bahnen handelt. AuĂerdem wurde damit gewährleistet, dass das PreuĂische Kleinbahngesetz fĂźr Oberleitungsbusse nicht gilt. Der Hersteller Siemens-Schuckert bezeichnete die Fahrzeuge in den 1930er Jahren hingegen als Elbus, abgeleitet von Elektrischer Omnibus.cite-ref-bvs-tech1-63-0[63] Weitere Alternativbezeichnungen aus dieser Zeit sind Fahrleitungsomnibus, Fahrleitungsbus bzw. in Ăsterreich auch Oberleitungs-Autobus.
Als umgangssprachlich-mundartliche Bezeichnungen fĂźr Obusse sind in Eberswalde die Begriffe Strippenbus und Strippenexpress verbreitet.cite-ref-64[64] In Solingen ist er als Stangentaxi bekannt, analog dazu in Salzburg als Stanglbus.cite-ref-65[65]cite-ref-66[66] Die dazugehĂśrigen Fahrer heiĂen in Salzburg Stanglkutscher.cite-ref-regionale-schienen-67-0[67] Der Oberleitungsbus MĂźnchen wurde seinerzeit als Stangerlbus bezeichnet â abgeleitet von Stangerlwagen fĂźr einen StraĂenbahnwagen mit Stangenstromabnehmer. In Berlin hieĂen sie Stangenbus. In Berlin und Leipzig wurde auĂerdem der Ausdruck Drahtesel verwendet, die Leipziger Fahrer bezeichneten ihre Wagen ferner als KnĂźppeldampfer.cite-ref-68[68]cite-ref-ken1-69-0[69] Analog dazu hieĂ der Oberleitungsbus Idar-Oberstein im Volksmund de Droht,cite-ref-rhein-zeitung-70-0[70] eine Kurzform des pfälzischen Worts Drohtesel, hochdeutsch wĂśrtlich Drahtesel. In Berlin nannte man Oberleitungsbusfahrer und Schaffner auch scherzhaft Seilbahnfahrer.cite-ref-71[71]
In Hamburg-Harburg waren von 1953 bis 1957 doppelstĂśckige Oberleitungsbusse im Einsatz, die damals Dobus (fĂźr doppelstĂśckiger Obus) genannt wurden.cite-ref-ken4-72-0[72] Die fĂźr Berlin projektierten und 1941 bestellten Doppelstock-Obusse wurden in der Planungsphase als Odobus (fĂźr Oberleitungs-Doppeldeck-Omnibus) bezeichnet.cite-ref-73[73] Diese Fahrzeuge wurden aufgrund der Kriegsbedingungen nie ausgeliefert.
Mitunter wird bzw. wurde der Begriff Trolleybus auch in Deutschland verwendet. Belege hierfĂźr sind etwa die Typenbezeichnung Trolleybus Solingen oder das Volkslied Trolleybus von Mettmann bis nach Gruiten.cite-ref-74[74] Auch im Saarland wurden sie meist Trolleybusse genannt.cite-ref-saar-nostalgie-75-0[75] Ebenso bezeichnete Daimler-Benz seine Oberleitungsbusse mit einem zusätzlichen âTâ in der Typenbezeichnung, ebenso MAN beim Typ SG 200 TH. In der DDR lief 1964 der Kinofilm Der erste Trolleybus,cite-ref-76[76] 1976 erschien im Ost-Berliner Eulenspiegel-Verlag die Anthologie Die Braut aus dem Trolleybus â Humorgeschichten aus der Sowjetunion. Ferner fand der Begriff auch bei den Erfurter Verkehrsbetrieben Verwendung.cite-ref-77[77] Ebenso war auch der Idar-Obersteiner Betrieb unter der Bezeichnung Trolleybus bekannt.cite-ref-rhein-zeitung-70-1[70] Eine Oldenburger Spezialität waren die eingedeutschten Bezeichnungen Trollibus bzw. Trolli.cite-ref-obus-in-oldenburg-78-0[78] Ferner wurden auch die Modellspielzeuge der Unternehmen Eheim beziehungsweise Brawa unter dem Namen Trolleybus vermarktet.cite-ref-79[79]
Schweiz
In der Schweiz lautet die offizielle Bezeichnung Trolleybus.cite-ref-80[80] Diese Bezeichnung ist auch in der mĂźndlichen Umgangssprache Ăźblich. Die elektronische Fahrplanauskunft der Schweizerischen Bundesbahnen kĂźrzte Trolleybus frĂźher mit Tro ab. Bezogen auf die Deutschschweiz kann der Begriff Trolleybus auch als Helvetismus angesehen werden. Aus der Romandie kommend, wo 1932 in Lausanne der erste neuzeitliche Betrieb erĂśffnet wurde, etablierte er sich mit Beginn der 1940er Jahre auch in der Deutschschweiz, anders in der italienischen Schweiz, wo man beim Trolleybus Lugano â analog zu Italien â vom filobus sprach. Bis in die 1930er Jahre waren in der Deutschschweiz auch die Bezeichnungen g(e)leislose Bahn bzw. g(e)leislose Trambahn geläufig.cite-ref-bauzeitung-81-0[81]cite-ref-82[82] Analog zum deutschen Oldenburg wurde mindestens in Winterthur zeitweise auch die eingedeutschte Form Trolli verwendet.cite-ref-83[83] ZĂźrichdeutsche AusdrĂźcke sind BĂśss, Draht-Bus, Chole-Velo und Gummitram,cite-ref-84[84] wobei zumindest BĂśss auch fĂźr Autobusse verwendet wird.
Weltweit
In den meisten Sprachen wird wie in der Schweiz Trolleybus oder die Kurzform Trolley verwendet, teilweise entsprechend transkribiert. AbkĂźrzungen hierzu sind T-Bus oder Tbus.
Trolleybus setzte sich im englischen Sprachraum erst in den 1920er Jahren durch, zuvor wurde railless car, railless trolley, railless tram, trackless trolley, trackless tram oder electric trolley vehicle without rails verwendet. In den Vereinigten Staaten und in Kanada wird der Oberleitungsbus hingegen nicht als Trolleybus, sondern Ăźberwiegend als electric trolleybus (ETB), electric bus oder seltener als trolley coach bezeichnet.
Veraltete franzĂśsische Bezeichnungen lauten trolley ĂŠlectromobile sans rails,cite-ref-85[85] omnibus Ă trolley et sans rail, autobus Ă moteur ĂŠlectrique alimentĂŠ par un trolley aĂŠrien, automobile ĂŠlectrique Ă trolley aĂŠrien, omnibus ĂŠlectrique und tramway routier ĂŠlectrique.
Obwohl der Oberleitungsbus eine deutsche Erfindung ist, konnte sich das Wort Trolleybus in den 1920er Jahren vor allem deshalb weltweit verbreiten, weil die Weiterentwicklung des Systems in Deutschland mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs weitgehend aufgegeben wurde. Im Gegensatz dazu wurde es insbesondere in GroĂbritannien auch währenddessen und danach stetig weiterentwickelt.
Eine Besonderheit ist die ausschlieĂlich in der rumänischen Stadt TimiČoara gebräuchliche Bezeichnung firobuz, fir steht in der rumänischen Sprache fĂźr Faden bzw. Draht. Hierbei handelt es sich um eine Ableitung vom italienischen Begriff filobus, die ersten Oberleitungsbusse fĂźr TimiČoara wurden in Italien produziert. Im Gegensatz dazu werden Oberleitungsbusse in allen anderen rumänischen Städten als troleibuz bezeichnet.cite-ref-86[86]
In Moskau hieĂen Obusse wegen ihrer Stromabnehmer GehĂśrnte,cite-ref-87[87] beim Oberleitungsbus Ulaanbaatar in der mongolischen Hauptstadt wurden sie aufgrund ihrer Kraft auch Ziegenwagen genannt.cite-ref-88[88]
Weitere Bezeichnungen existieren beispielsweise in folgenden Sprachen:
| estnisch | Troll | Kurzform fĂźr Trollibuss |
|---|---|---|
| finnisch | johdinauto trollikka | Drahtbus, alternative Bezeichnung zu trolleybussi alternative Bezeichnung zu trolleybussi beziehungsweise johdinauto |
| italienisch | filobus filovia | Drahtbus, fĂźr das Fahrzeug Drahtweg, fĂźr die Strecke |
| malaiisch und indonesisch | bus listrik | elektrischer Bus |
| europäisches Portugiesisch | troleicarro | alternative Bezeichnung zu trólebus |
| brasilianisches Portugiesisch | Ă´nibus elĂŠtrico elĂŠtrobus | alternative Bezeichnungen zu trĂłlebus |
| bosnisch , serbisch | trola | Jargon fĂźr trolejbus |
| schwedisch | trĂĽdbuss | Schnurbus, Drahtbus |
| Mandarin | ć 轨çľč˝Ś (wĂşguÇ diĂ nchÄ) | schienenloses Elektrofahrzeug |
Fahrzeug
Aufbau
Schematische Darstellung anhand des tschechoslowakischen Typs Ĺ koda 14Tr aus den 1980er Jahren, fĂźr den Oberleitungsbus relevante Teile sind fett markiert:
Markantestes Unterscheidungsmerkmal eines Oberleitungsbusses sind die beiden drehbaren Stangenstromabnehmer, manchmal auch Kontaktstangen, Stromabnehmerstangen oder â vor allem in der Schweiz â Stromabnehmerruten, Rutenstromabnehmer bzw. Kontaktruten genannt. Im Rumänischen heiĂen sie âcoarneâ fĂźr âHĂśrnerâ.cite-ref-89[89] Von Omnibussen unterscheiden sich Obusse äuĂerlich auĂerdem durch die Aufbauten auf dem Dach, darunter Teile der elektrischen AusrĂźstung, die unter dem Wagenboden oder im Fahrgastraum keinen Platz mehr finden. MĂźssen im Inneren dennoch grĂśĂere Schaltkästen untergebracht werden, wird teilweise auf längs angeordnete Sitze zurĂźckgegriffen.cite-ref-90[90]
Im Vergleich zum Unterflureinbau ist die Elektrik auf dem Dach auĂerdem besser vor äuĂeren EinflĂźssen wie â unter Umständen salzhaltigem â Spritzwasser oder Schneematsch sowie Steinschlag geschĂźtzt und zudem leichter zu warten. AuĂerdem kann auf diese Weise die Abwärme der Widerstände â aufgrund ihrer Anordnung häufig auch Dachwiderstände genannt â und der anderen elektrischen Bauteile leichter entweichen. Sie mĂźssen somit nicht fremdbelĂźftet werden. Bei modernen Niederflurfahrzeugen ist die Unterbringung der elektrischen AusrĂźstung auf dem Dach aus PlatzgrĂźnden unverzichtbar. Häufig werden dabei sogenannte Dachcontainer verwendet, manchmal sind diese durch Dachblenden eingehaust.
Im Vergleich zu Omnibussen ist die Dachkonstruktion inklusive der Fahrzeugsäulen bei Oberleitungsbussen â ebenso wie bei anderen Elektrobussen â konstruktiv verstärkt, um die zusätzliche Masse der elektrischen Bauteile und der Stromabnehmer tragen zu kĂśnnen. In diesem Zusammenhang sind auĂerdem bestimmte Fensterholme bei manchen Oberleitungsbussen breiter ausgefĂźhrt als bei vergleichbaren Omnibussen. Sie dienen auĂerdem als Kabelkanal zwischen den elektrischen Einrichtungen auf dem Fahrzeugdach und den unterflurig angeordneten Teilen der TraktionsausrĂźstung. Generell ist die Verkabelung aufwändig, bei Gelenkwagen des Typs Swisstrolley 3 sind beispielsweise in jedem Wagen Ăźber zwĂślf Kilometer Leitungen verlegt.cite-ref-91[91]
Ein besonderes Augenmerk gilt dem Korrosionsschutz der Karosserien, aufgrund der längeren Lebensdauer eines Oberleitungsbusses muss diese besser gegen Durchrostung geschßtzt werden als bei einem Dieselbus.cite-ref-92[92] Vereinzelt wurden daher auch Oberleitungsbusse mit einem Aufbau aus Aluminium oder rostfreiem Stahl gebaut.
Im Allgemeinen benĂśtigen die elektrischen Antriebsaggregate eines Oberleitungsbusses weniger Platz als ein Dieselmotor mit DieselruĂpartikelfilter oder ein Gasmotor mit Katalysator. Zudem entfällt der voluminĂśse Kraftstofftank. Dies ermĂśglicht einen tiefen Wagenboden Ăźber die gesamte Fahrzeuglänge und eine niedrige EinstiegshĂśhe auch bei der hintersten TĂźr.cite-ref-93[93] Aus demselben Grund waren auĂerdem Frontlenker beim Obus deutlich frĂźher anzutreffen als beim Omnibus. Ebenso kann auf die bei Niederfluromnibussen teilweise verwendeten MotortĂźrme im Heckbereich weitgehend verzichtet werden. Genauso sind Low-Entry-Konstruktionen im Obus-Bereich weitgehend unbekannt, eine der wenigen Ausnahmen stellt der tschechische Typ SOR TN 12 dar. Dennoch ist ein Oberleitungsbus, bezogen auf einen Gelenkwagen, fast zwei Tonnen schwerer als ein Dieselbus.cite-ref-internationale-konferenz-94-0[94] So wiegt beim Gelenkwagen-Typ Mercedes-Benz O 405 GTD allein die elektrische AusrĂźstung sechs Tonnen.cite-ref-95[95] Insbesondere in frĂźheren Jahren setzte man beim Obus deshalb häufig auf doppelte Hinterachsen, auch Tandemachsen genannt, Nachlaufachsen oder Doppelbereifungen.
Weiter besitzen fast alle Obus-Typen im hinteren Dachbereich Halterungen zum Arretieren der Stromabnehmer. Ergänzt werden diese häufig durch einen Querbßgel, er verhindert, dass die Stangen beim Abzug unkontrolliert auf das Dach fallen. Ein weiteres typisches Unterscheidungsmerkmal sind die fehlenden Kßhlergrills. An ihrer Stelle befindet sich häufig eine je nach Typ ein- oder zweiteilige Wartungsklappe, manchmal auch als Bugklappe bezeichnet. Des Weiteren fehlt bei manchen Obus-Karosserien die Aussparung fßr das Kraftfahrzeugkennzeichen mitsamt der dazugehÜrigen Beleuchtung.
Ăhnlich wie elektrisch angetriebene Schienenfahrzeuge entstehen Oberleitungsbusse in den meisten Fällen als Gemeinschaftsprojekt, die elektrische AusrĂźstung wird dabei von einem anderen Hersteller produziert als das Fahrwerk, die Karosserie und die Innenausstattung. Mitunter teilen sich die Zulieferer auch Aufträge. Bei den 210 Wagen des Typs ĂHIIIs von Uerdingen/Henschel kamen beispielsweise gleich vier â eigentlich miteinander konkurrierende â elektrische AusrĂźster zum Zug. FrĂźher lieĂen sich dabei die Karosseriehersteller grundsätzlich die elektrische AusrĂźstung zuliefern. Mittlerweile geht der Trend dahin, dass die Hersteller elektrischer AusrĂźstungen Rohkarosserien von verschiedenen Fahrzeugbauern beziehen und dann selbst als Obus-Anbieter auftreten. Unabhängig davon gab es auch Kompletthersteller, klassische Beispiele hierfĂźr waren viele Jahre lang Ĺ koda und Breda.
Teilweise sind Oberleitungsbusse Adaptionen von Omnibussen, insbesondere gilt dies fĂźr Kleinserien. Aktuelle Beispiele fĂźr solche Anpassungen sind die Typen Ĺ koda 24Tr und 25Tr, die auf dem Citelis von Irisbus basieren, sowie die Modellreihe Solaris Trollino, die auf der Dieselbusvariante Solaris Urbino aufbaut. Wichtige Beispiele aus der Vergangenheit sind die vom in Deutschland entwickelten Standard-Linienbus abgeleiteten Oberleitungsbusse oder die 363 Exemplare des Daimler-Benz-Typs O 6600 T, die eine Variante des Omnibusmodells O 6600 H sind. Wegweisend in dieser Hinsicht war auch die in den 1950er Jahren nach dem Baukastenprinzip konzipierte Reihe HS 160 von Henschel & Sohn. FĂźr die Verkehrsunternehmen ergeben sich hierbei Synergieeffekte bei der Ersatzteilversorgung, fĂźr den Hersteller geringere Entwicklungskosten. ĂuĂerst selten sind hingegen Omnibustypen, die aus einem Obustyp abgeleitet wurden, ein Beispiel hierfĂźr ist der Hybridbus Hess lighTram Hybrid, ein weiteres der sowjetische Omnibustyp SiU-6, der auf dem Obustyp SiU-5 basiert.
Im Gegensatz zu den oben erwähnten Adaptionen sind die meisten Obus-Karosserien Sonderkonstruktionen, die nicht fĂźr Omnibusse verwendet werden. Dies betrifft insbesondere GroĂserien, so etwa den SiU-9, den meistgebauten Obus-Typ der Welt. In frĂźheren Jahren typisch waren auĂerdem Oberleitungsbusse, deren Konstruktion sich an Schienenfahrzeuge anlehnte; Vorbilder waren beispielsweise der PCC-StraĂenbahnwagen und der Uerdinger Schienenbus. Bereits recht frĂźh konnte sich dabei im Obus-Bereich die selbsttragende Bauweise ohne Fahrgestell durchsetzen. Ursächlich hierfĂźr: Weil der Elektroantrieb nur geringe Vibrationen verursacht, sind die Auswirkungen auf die Gerippestruktur der Fahrgastzelle vergleichsweise gering. Seit etwa 2000 geht der Trend zu Obussen, die gestalterisch an moderne StraĂenbahnwagen angelehnt sind, Beispiele hierfĂźr sind die Typen Cristalis, Metrostyle, Swisstrolley 4 und Exqui.City, wobei letzterer zusätzlich auch noch eine abgetrennte Fahrerkabine aufweist.
Aufstiegshilfen und Laufstege
Typisch fĂźr viele ältere Oberleitungsbusse sind am Heck angebrachte Leitern. Diese ermĂśglichen dem Wartungspersonal, zu den Stromabnehmern und den Dachaufbauten hinaufzusteigen. Diese beginnen teilweise erst auf HĂśhe der Fensterunterkante, um illegale Mitfahrten â analog zum S-Bahn-Surfen â zu erschweren. Alternativ dazu wurden ausklappbare Leitersprossen verwendet, die meist auf der TĂźrseite neben einem Einstieg zu finden waren. Auf dem Dach selbst sind ergänzend zu den Aufstiegshilfen manchmal Laufstege montiert, sie ermĂśglichen dem Wartungspersonal die nĂśtige Trittsicherheit. Aus SicherheitsgrĂźnden bestehen diese aus Holzbohlen, um das Wartungspersonal besser vor Stromschlägen zu schĂźtzen.
Gelenkwagen
Analog zum Gelenkomnibus kennt auch der Oberleitungsbus Gelenkwagen, auch Gelenkoberleitungsbus, Gelenkobus, Gelenktrolleybus oder Gelenktrolley genannt.
Beim Gelenkobus sind die Stromabnehmer aus Grßnden der Fahrdynamik meist auf dem Nachläufer montiert, bei Doppelgelenkwagen entsprechend auf dem letzten der drei Fahrzeugglieder. Der Motor wirkt entweder auf die zweite oder auf die dritte Achse; ist die dritte Achse motorisiert, so spricht man von einem Schubgelenkwagen.
Teilweise werden sowohl die zweite als auch die dritte Achse angetrieben. Diese Antriebsform ist auch bei Batteriebussen verbreitet, bei Bussen mit Verbrennungsmotoren aber unĂźblich. Vorteile zweimotoriger Gelenkwagen sind das bessere Adhäsionsverhalten, der stabile Lauf, die gleichmäĂige und geringere Reifenabnutzung, die bessere Traktion im Winterbetrieb, der hohe verschleiĂfreie und dynamische Bremsgrad sowie â bei Niederflurfahrzeugen am wichtigsten â die Schonung angetriebener Portalachsen. Nachteilig sind das grĂśĂere Gewicht und die hĂśheren Anschaffungskosten.cite-ref-96[96] Einer der ersten zweimotorigen Exemplare war 1957 der Typ GTr51, gleichzeitig der erste Schweizer Gelenktrolley Ăźberhaupt.
Weil aus KostengrĂźnden in der Regel nur wichtige und aufkommensstarke Linien elektrifiziert werden, ist der Anteil an Gelenkwagen beim Oberleitungsbus prozentual deutlich hĂśher als beim Omnibus. Viele Obusbetriebe setzen aus diesem Grund sogar ausschlieĂlich auf Gelenkwagen. So verkehren beispielsweise in Norwegen seit 1995, in Ăsterreich seit 2003, in den Niederlanden seit 2013 und in der Schweiz seit 2014 gar keine Solo-Obusse mehr. Die meisten Gelenkobusse verkehrten frĂźher in Shanghai, wo Mitte der 1980er Jahre die gesamte Flotte von 860 Trolleybussen aus Gelenkwagen bestand.cite-ref-97[97] In den Jahren 2020 und 2021 waren Ăźber 70 Prozent der produzierten Trolleybusse Gelenkwagen.cite-ref-lehmann2021-98-0[98]
Zu den weltweit ersten Gelenkoberleitungsbussen gehÜrte der Prototyp 501, den Stanga und TIBB 1939 an den Oberleitungsbus Mailand auslieferten.cite-ref-99[99] Mit einem Mailänder Fahrzeug kam während des Zweiten Weltkriegs erstmals ein dreiachsiger Gelenkobus nach Deutschland und wurde in Hannover eingesetzt.cite-ref-sm3-20-100-0[100]
Auch der US-Hersteller Twin Coach hatte 1938 einen ersten, nur vertikal knickbaren, Gelenkomnibus entwickelt. Dieser kam ab 1940, mittlerweile zum Oberleitungsbus umgebaut, in Cleveland zum Einsatz. Auch ein 1946 gebauter zweiter VorfĂźhrwagen mit demselben Prinzip wurde ab 1948 als Oberleitungsbus bei der Chicago Transit Authority (CTA) eingesetzt.cite-ref-101[101] Im Gegensatz dazu kam der erste Gelenkomnibus heutiger Prägung, hergestellt von den Kässbohrer Fahrzeugwerken, erst 1952 auf den Markt.cite-ref-102[102] Bald darauf erhielt Neuss 1955 die ersten beiden Gelenkobusse Deutschlands, in Ăsterreich war ab 1960 Linz Vorreiter.
In den Staaten des Rats fĂźr gegenseitige Wirtschaftshilfe konnten sich Gelenkwagen â abgesehen von Prototypen und Kleinserien â hingegen erst in den 1980er Jahren behaupten. Wichtigste Vertreter sind hierbei der ungarische Ikarus 280T (ab 1976), der sowjetische ZiU-10 (Prototyp 1978, Serie ab 1986), der rumänische DAC 117 E (ab 1980) und der tschechoslowakische Ĺ koda 15Tr (ab 1988).
Eine Besonderheit im Nahen Osten sind spezielle Frauenabteile in den Nachläufern von Gelenkwagen, diese Aufteilung ist in Teheran und Riad anzutreffen.
Antrieb, elektrische AusrĂźstung, Steuerung und Hilfsaggregate
Die elektrische AusrĂźstung von Oberleitungsbussen, auch Traktionselektrik genannt, entspricht weitgehend derjenigen von elektrischen Schienenfahrzeugen. Wie bei Omnibussen erfolgt hingegen auch bei Oberleitungsbussen der Antrieb Ăźber ein Differentialgetriebe auf die Hinterachse. Meist handelt es sich dabei um einen Unterflurmotor, seltener um einen Heckmotor. UrsprĂźnglich verwendete man beim Obus Gleichstrom-Reihenschlussmotoren, darunter (kompensierte) Einkollektormotoren, Tandemmotoren und Doppelkollektormotoren. Beim Tandemmotor, der in dieser Form bei Schienenfahrzeugen nicht verwendet wurde, liegen zwei Läufer in einem Motorgehäuse auf einer gemeinsamen Welle. Damit war es mĂśglich, mit nur einem Motor eine Serienparallelschaltung einzurichten und damit mehr verlustfreie Dauerfahrstufen zu erhalten. Später kamen Verbundmotoren mit Nebenschlusswicklung auf, während heute Drehstrommotoren â meist Drehstrom-Asynchronmotoren â mit kollektorlosem Kurzschlussläufer Ăźblich sind.cite-ref-103[52.1]
So bot der polnische Hersteller Solaris in den frĂźhen 2000er Jahren seine Modellreihe Trollino in Zusammenarbeit mit den ElektroausrĂźstern Cegelec beziehungsweise Pragoimex auch in einer Variante mit Drehstrommotor an. Die entsprechenden Untertypen 12AC, 15AC und 18AC trieb ein Dreiphasen-Asynchronmotor mit Kurzschlussläufer an. Die Drehzahlregelung des Asynchronmotors Ăźbernahm hierbei der Wechselrichter, der zusammen mit dem Antriebsmotor im sogenannten Motorturm, der von der Dieselvariante Ăźbernommen wurde, untergebracht war. Weiterhin wurden im Motorturm ein Bordnetzumrichter fĂźr die Versorgung mit 400 Volt Drehstrom und 24 Volt Gleichstrom untergebracht. Bei späteren AusfĂźhrungen waren Wechselrichter und Bordnetzumrichter schlieĂlich auf dem Fahrzeugdach montiert.cite-ref-104[103] Vielfachsteuerungen sind dagegen in der Regel nicht notwendig, da Mehrfachtraktion, abgesehen von den bei einigen Obusbetrieben in der ehemaligen UdSSR eingesetzten Oberleitungsbusdoppeltraktionen, immer unĂźblich war.
Da Elektromotoren unter Last im Stillstand anlaufen kĂśnnen â und dabei zugleich ihr hĂśchstes Drehmoment entwickeln â, ist keine trennende Kupplung erforderlich. Auch ein Wechselgetriebe mit mehreren Gängen wird nicht benĂśtigt, da Elektromotoren alle erforderlichen Drehzahlen mit einer festen ZahnradĂźbersetzung bewältigen kĂśnnen. Der Umstand, dass die vorteilhaften kurzzeitigen Ăberlastungen des Motors zu sehr hohen Drehmomenten fĂźhren, erfordert fĂźr Oberleitungsbusse einen weitaus robusteren Achsantrieb als fĂźr Dieselbusse gleicher Leistung.cite-ref-der-obus-105-0[104] Anders als bei Omnibussen mit Verbrennungsmotoren, bei denen die Motorleistung frĂźher meist in Pferdestärken angegeben wurde, verwendet man bei Oberleitungsbussen traditionell die MaĂeinheit Kilowatt.
Gesteuert wurden der oder die Motoren eines Oberleitungsbusses frĂźher Ăźber einen Kontroller. UrsprĂźnglich waren dies Hand-Fahrschalter mit wenigen Stufen, später Schaltwerke, die mit Pedalen bedient wurden. Noch später setzten sich SchĂźtzensteuerungen durch. In den 1970er Jahren kamen schlieĂlich elektronische Gleichstromsteller auf. Heutzutage sind Drehstrom-Steuerungen mit Leistungstransistoren Ăźblich.cite-ref-vossloh-kiepe-106-0[105] Laut Kenning entwickelten sich die Steuerungen beim Obus im Detail wie folgt:
| Klassische Steuerungen | Klassische Steuerungen | Klassische Steuerungen | Klassische Steuerungen | Klassische Steuerungen |
|---|---|---|---|---|
| Fahrschalter | Schaltwerke | Schaltwerke | SchĂźtzensteuerungen | SchĂźtzensteuerungen |
| direkt betätigt | direkt oder indirekt betätigt | direkt oder indirekt betätigt | stromunabhängig direkt betätigt | stromabhängig indirekt betätigt |
| Schleifringfahrschalter Nockenfahrschalter | Drehmagnetschalter Elektromotorisches Schaltwerk Feinstufenschalter Schwingregler Druckluftschaltwerk | Drehmagnetschalter Elektromotorisches Schaltwerk Feinstufenschalter Schwingregler Druckluftschaltwerk | elektromagnetisch | elektromagnetisch elektropneumatisch |
| Elektronische Steuerungen | Elektronische Steuerungen | Elektronische Steuerungen | Elektronische Steuerungen | Elektronische Steuerungen |
| Thyristorschalter | Thyristorschalter | Choppersteuerung | GTO-Thyristor -Steuerung | IGBT -Steuerung |
Der aus der Oberleitung kommende Strom wird dabei zunächst verteilt. Der GroĂteil flieĂt dabei direkt Ăźber den Fahrschalter zum Fahrmotor, während ein kleinerer Teil die Hilfsbetriebe oder Nebenverbraucher versorgt. Darunter fallen beispielsweise Heizung, Klimaanlage, AuĂen- und Innenbeleuchtung, Fahrerplatz, Informationsdisplays, mobile Fahrkartenautomaten oder Entwerter. AuĂerdem besitzen Oberleitungsbusse Kompressoren. Diese erzeugen die nĂśtige Druckluft zum Betrieb bestimmter Komponenten, darunter Bremsen, Kneeling, Servolenkung, Luftfederung und TĂźren. Weitere Nebenaggregate sind LĂźfter zur KĂźhlung der elektrischen Anlagenteile. Hilfsaggregate arbeiten teilweise auch, wenn das Fahrzeug steht, und sind dann als einzige Betriebsgeräusche wahrnehmbar. Die in der Regel verwendete Gleichspannung ist nicht transformierbar, deshalb mĂźssen die Hilfsbetriebsspannungen fĂźr die Einrichtungen, die nicht direkt mit der Fahrleitungsspannung betrieben werden kĂśnnen oder sollen, durch rotierende Umformer oder statische Umrichter erzeugt werden.
Das Bremssystem eines Oberleitungsbusses setzt sich gewÜhnlich aus drei Kreisen zusammen: elektrische Kurzschlussbremse, Widerstandsbremse und pneumatische Bremse respektive Druckluftbremse, letztere ßbernimmt erst kurz vor dem Stillstand des Fahrzeugs. Hinzu kommt die Sicherheits-Handbremse und gegebenenfalls eine pneumatische Notbremse.cite-ref-107[106] Alternativ kÜnnen auch Wirbelstrombremsen oder elektromotorische Bremsen zum Einsatz kommen. Beim Obus kann ferner die Abwärme der Widerstände zur Heizung des Fahrgastraums genutzt werden.cite-ref-dietrich-11-1[11]
Weil der Fahrer eines Obusses im Idealfall beide Hände zur Lenkung benĂśtigt, bewährte sich die bei den ersten Oberleitungsbussen Ăźbliche Steuerung per handbetätigten Fahrschaltern auf Dauer nicht. Hierbei mussten Obusfahrer ihre Arbeit â wie bei StraĂenbahnwagen seinerzeit Ăźblich â im Stehen verrichten. Letztlich setzten sich fuĂbetätigte Kontroller durch.cite-ref-arko-filipovi-108-0[107] Damit zusammenhängend erhielten die Fahrer von Obussen Jahrzehnte vor denen von StraĂenbahnzĂźgen Sitzarbeitsplätze. Lediglich der von 1986 bis 1993 bestehende Obus-Betrieb in Hanoi wies als Besonderheit, anstelle der Ăźblichen Pedale, einen Fahrschalter und Fahrhebel zur Geschwindigkeitsregulierung auf, die gebraucht aus ausgemusterten StraĂenbahnwagen Ăźbernommen wurden. Die Hände des Fahrers konnten damit nicht immer beide gleichzeitig am Lenkrad sein.cite-ref-109[108]
Die Anordnung von Fahr- und Bremspedal ist bei Oberleitungsbussen meist identisch wie bei Dieselbussen. Das heiĂt, der Fahrschalter befindet sich rechts der Bremse, beide werden mit dem rechten FuĂ betätigt.cite-ref-regionale-schienen-67-1[67] Noch in den 1960er Jahren war dies umgekehrt, frĂźher hatten Oberleitungsbusse das Fahrpedal links und das Bremspedal rechts der Lenksäule,cite-ref-sonst-schl-gt-s-funken-30-3[30]cite-ref-dietrich-11-2[11] ersteres wurde somit mit dem linken FuĂ bedient. In Eberswalde war diese abweichende Anordnung noch bis in die 1990er Jahre anzutreffen, dies fĂźhrte mitunter zu Irritationen beim Fahrpersonal.cite-ref-110[109]
Erdung und Ăberspannungsschutz
Im Vergleich zu Schienenfahrzeugen unterliegt die elektrische AusrĂźstung eines Oberleitungsbusses zusätzlichen Anforderungen. So muss sie beispielsweise aufgrund der fehlenden Bahnerdung, das heiĂt der Schutzerdung beziehungsweise Funktionserdung Ăźber die sogenannte Bahnerde, besser elektrisch isoliert werden, weil die Bereifung im Gegensatz zu einem Eisenbahnrad nichtleitend ist. Insbesondere betrifft dies die Karosserie in den TĂźrbereichen, um beim Ein- oder Ausstieg die Gefahr von Stromunfällen durch eine Schrittspannung beziehungsweise BerĂźhrungsspannung zu vermeiden. Dies geschieht zum Beispiel durch die Verwendung von Trittstufen aus Gummi und Handläufen aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Häufig bestehen die Trittkästen vollständig aus nichtleitendem Material. DarĂźber hinaus wird die korrekte Trennung durch die isolierte Aufstellung der Schaltschränke, regelmäĂige Isolationskontrollen und einen Isolationswächter gewährleistet. FĂźr dessen Funktion ist ferner erforderlich, dass ein oder mehrere â am Fahrzeug isoliert angebrachte â leitfähige (Gummi-)Schleifseile an den Isolationswächter angeschlossen sind.cite-ref-111[110] Teilweise wird aber auch eine am Boden schleifende Kette als zusätzliche Erdungs- und KurzschlieĂeinrichtung benutzt, etwa in Budapest.cite-ref-112[111] Zwar stehen diese Ableiter nicht ständig in ideal leitender Verbindung zur Erde. Es reicht aber aus, wenn sie gelegentlich kurzzeitig Erdpotential fĂźhren. Dies geschieht beispielsweise bei der Passage von Schachtdeckeln beziehungsweise Gullys, Schienen oder Dehnungsfugen bei BrĂźcken, ferner auch bei einer geschlossenen Schneedecke. Ein frĂźher Indikator fĂźr auftretende Isolationsmängel kĂśnnen dabei Hunde sein, die sich scheuen, in die betreffenden Wagen einzusteigen.cite-ref-obus-info-113-0[112]
Ebenso muss die Elektrotechnik eines Oberleitungsbusses sorgfältiger gegen witterungsbedingte Ăberspannungen in der Oberleitung geschĂźtzt werden als bei Schienenfahrzeugen. Dies erfolgt mit einem Ăberspannungsableiter. Eine ähnliche Funktion hat der nachrangig angeordnete Ăberstromschnellschalter, er schĂźtzt das Fahrzeug vor Ăberlastungen und dient gleichzeitig als Hauptschalter.cite-ref-ken2-52-1[52] Bedingt durch die infolge von StraĂenschäden oft unebene Fahrbahnoberfläche sind die elektrischen Baugruppen und ihre Befestigungen auĂerdem stärker durch Schwingungen bzw. Vibrationen belastet als bei Schienenfahrzeugen.cite-ref-vossloh-kiepe-106-1[105] Ein weiteres spezifisches Obus-Bauteil ist die sogenannte Isolierkupplung. Hierbei handelt es sich um ein elastisches Gummi- oder Kunststoffelement, das zwischen Motor und Antriebswelle angeordnet ist. Es dient dazu, die Antriebsachse â gemäà den gesetzlichen Vorschriften â doppelt vom Stromkreis zu isolieren.cite-ref-der-obus-105-1[104]
Stromabnehmer
Stromabnehmerstangen
Die beiden Stromabnehmerstangen sind in der Regel jeweils etwa sechs Meter lang, ihr Abstand beträgt â analog zum Abstand der beiden Fahrdrähte â Ăźblicherweise etwa 60 Zentimeter. Im angelegten Zustand stehen sie in einem Winkel von etwa 30° â abhängig von der jeweiligen FahrdrahthĂśhe â vom Fahrzeugdach ab. Vereinzelt sind sie am oberen Ende zur Oberleitung hin gekrĂśpft. Die Stangen sind mechanisch unabhängig voneinander, das heiĂt, sie kĂśnnen einzeln abgezogen oder angelegt werden. Die Stromabnehmer stehen hinten etwas Ăźber das Heck des Fahrzeugs hinaus, im gesenkten Zustand bis zu 1,2 Meter. Oft sind sie deshalb in einer auffälligen Farbe â wie zum Beispiel gelb â lackiert oder mit einer weiĂ-rot schraffierten Warnmarkierung versehen.
Die Stangen bestehen aus Stahl, Aluminium, glasfaserverstärktem Kunststoff oder glasfaserverstärktem Kunststoff mit Aluminium-Innenrohr. Sie sind elastisch ausgefĂźhrt, um Fahrbahnunebenheiten kompensieren zu kĂśnnen. Die StromĂźbertragung erfolgt mit oder ohne innengefĂźhrtem Kabel, bei letzterer Variante stehen die Stangen selbst unter Spannung. Die Stromabnehmer werden durch starke Zug-Schraubenfedern an die Oberleitungen gedrĂźckt, diese Federn sind wie die Stangen selbst direkt auf dem sogenannten Stromabnehmerbock befestigt. Am oberen Ende der Stromabnehmerstangen beträgt die Anpresskraft bei fĂźnf Metern FahrleitungshĂśhe zwischen 0,8 und 1,5 kN.cite-ref-ken2-52-2[52] Die Stromabnehmer mĂźssen auch grĂśĂere HĂśhendifferenzen der Fahrleitung ausgleichen. Dabei verändert sich der Kontaktdruck an der Fahrleitung ständig. Eine ĂberhĂśhung der Fahrleitung hat einen zu geringen Kontaktdruck zur Folge, was zur Lichtbogenbildung und Kontaktunterbrechungen fĂźhren kann.cite-ref-de102009056589-114-0[113]
Einen Sonderfall der Stromabnahme bei Oberleitungsbussen stellte das sogenannte Einstangenkontaktsystem dar, wobei die beiden Fahrdrähte einen deutlich geringeren Abstand als ßblich aufwiesen.
StromabnehmerkĂśpfe
Wichtigster Bestandteil eines Obus-Stromabnehmers ist der etwa zehn Zentimeter lange Stromabnehmerkopf, auch als Stromabnehmerschuh, Stromschuhhalter(ung), Schleifschuhträger, Stromschuh, Schleifschuh, Kontaktschuh oder Gleitschuh bezeichnet. Der Stromabnehmerkopf beinhaltet wiederum den sogenannten Schleifkohle(n)einsatz, auch Kohle(n)einsatz, Gleiteinsatz, GleitstĂźck oder Kohle(n)schleifstĂźck genannt. Die graphithaltige Schleifkohle mit unterschiedlichem Härtegrad stellt den Gleitkontakt her. Die Stromabnehmerschuhe mĂźssen täglich auf Beschädigungen kontrolliert werden,cite-ref-vbsh-fahrzeit-115-0[114] die Einsätze werden aufgrund des starken Abriebs schon nach ein paar Tagen ausgewechselt. Denn anders als bei den im Schienenverkehr Ăźblichen BĂźgelstromabnehmern erfolgt der elektrische Kontakt ständig Ăźber dieselben relativ kleinen Kontaktstellen, was zu einer hohen Kontaktbelastung und damit zu einem hĂśheren VerschleiĂ fĂźhrt.cite-ref-de102009056589-114-1[113] Die Abnutzung der Kohleeinsätze ist auĂerdem witterungsabhängig. Bei trockenem Wetter erfolgt der Austausch nach 700 bis 1000 Kilometern, bei regnerischem Wetter schon nach 300 bis 400 Kilometern â das heiĂt im Extremfall sogar mehrmals täglich.cite-ref-116[115] Teilweise wird dies durch das Fahrpersonal mit Hilfe eines kleinen Hammers â der zur FahrzeugausrĂźstung gehĂśrt â an Endstellen erledigt, ansonsten im Depot. Schleifschuhe und -kohlen sind hinten schmaler als vorne und leicht konisch. Dadurch kĂśnnen sie während der Fahrt nicht herausgedrĂźckt werden. Um die Einsätze leichter zu tauschen, kĂśnnen manche StromabnehmerkĂśpfe seitlich am Wagen vorbei etwa bis auf BrusthĂśhe herabgezogen werden. In Kapfenberg stand an der Endstelle SchirmitzbĂźhel alternativ eine spezielle Stehplattform zur VerfĂźgung, die Ăźber eine Leiter bestiegen werden konnte.cite-ref-117[116]
Zur PrĂźfung des Abnutzungsgrads der Kohleneinsätze existieren an manchen Endstellen, beispielsweise in Solingen, spezielle PrĂźfgeräte. Diese automatischen Messanlagen sind in die Oberleitung integriert. Dabei werden die Stromabnehmer bei der Einfahrt in die Wendeschleife geprĂźft, anschlieĂend wird dem Fahrer per Lichtzeichen der Zustand der Kohlen Ăźbermittelt. Sind sie noch in Ordnung, leuchtet rechts ein kleiner Punkt auf. MĂźssen sie hingegen kontrolliert werden, wird dies durch einen grĂśĂeren Punkt im linken Teil der Anzeige signalisiert. Um dies zu ermĂśglichen, besitzen die Kohlen â ähnlich einer ReifenverschleiĂanzeige â eine Einkerbung, bis zu der sie noch benutzt werden kĂśnnen. Ist die Markierung erreicht oder unterschritten, muss gewechselt werden. Die Ersatzkohlen werden entsprechend im Wagen mitgefĂźhrt.
Alternativ zu den Kohlen verwendeten etwa die Dresdner Verkehrsbetriebe in den 1950er Jahren Einsätze aus Gusseisen.cite-ref-ken2-52-3[52]
Seitliche Abweichung
Da sowohl Stromabnehmerstangen als auch StromabnehmerkĂśpfe drehbar ausgefĂźhrt sind, ist es den Fahrzeugen mĂśglich, nach links oder rechts mehrere Meter von der durch die Oberleitung bedingten Ideallinie abzuweichen. AuĂerdem sind die KĂśpfe auch horizontal beweglich ausgefĂźhrt, das heiĂt, sie sind kippbar. Die maximal mĂśgliche seitliche Abweichung hängt dabei von der Länge der Stromabnehmer ab. Mit 6200 Millimeter langen Stangen kann bis zu 4500 Millimeter abgewichen werden, mit 5500 Millimeter langen Stangen immer noch 4000 Millimeter.cite-ref-118[117] Diese Werte gelten fĂźr gerade Strecken, in Kurven ist die mĂśgliche Abweichung entsprechend geringer. Zudem gilt: Je weiter ein Obus von der Ideallinie abweicht, desto langsamer muss er fahren, damit die Stangen an der Leitung bleiben. Weicht der Fahrer zu stark von der Fahrleitungsmitte ab, leuchtet im FĂźhrerstand eine Lampe auf bzw. ertĂśnt kurz vor Erreichen der maximalen Abweichung ein Signalton.cite-ref-119[118]
Durch die seitliche Abweichung kÜnnen einerseits Haltestellenbuchten angefahren werden, andererseits Hindernisse wie Taxis, Mßllwagen, Radfahrer, Unfallstellen, kleinere Baustellen oder Falschparker problemlos passiert werden. Gleiches gilt fßr andere Oberleitungsbusse, die auf Grund von Defekten oder Unfällen liegen geblieben sind, vorausgesetzt, diese haben ihre Stromabnehmer abgezogen. Ebenso kÜnnen Oberleitungsbusse entgegenkommenden Fahrzeugen ausweichen. Weiter ist es mÜglich, mit nur einer Oberleitung zwei oder in Ausnahmefällen auch drei parallel verlaufende Fahrstreifen abzudecken. Ferner kÜnnen auf diese Weise Oberleitungsbusse in den Depots oder an Endstellen platzsparend abgestellt werden, also leicht versetzt nebeneinander statt hintereinander.
Ein weiterer Vorteil der seitlichen Abweichung: Die Oberleitung muss nicht zwangsläufig mittig Ăźber dem Fahrstreifen verlaufen. Ragen Balkone, Erker oder Baumkronen ins Lichtraumprofil, kann sie zur Fahrbahnmitte hin verschoben werden. Auch S-Kurven mĂźssen nicht exakt wiedergegeben werden, dadurch sind weniger Fahrdrahtaufhängungen erforderlich. Im Bereich von Haltestellenbuchten wird die Oberleitung auf HĂśhe des Fahrbahnrands reguliert, das heiĂt an der Grenze zwischen allgemeiner Verkehrsfläche und dem Sonderbereich fĂźr den Oberleitungsbus. Damit ist in jedem Fall ein dynamischer Lauf der Stromabnehmer gewährleistet, unabhängig davon, ob die betreffende Station bedient wird oder ob mangels Bedarfs durchgefahren wird.
Stangenentdrahtung
Wenn ein oder beide Stromabnehmer von den Leitungen springen, wird dies als Stangen- oder Stromabnehmerentdrahtung bezeichnet. Alternativ spricht man, analog zur Entgleisung von Schienenfahrzeugen, von einer Stangen- oder Stromabnehmerentgleisung. Mit der zunehmenden Verbesserung der StraĂenverhältnisse, der StromabnehmerkĂśpfe mitsamt den SchleifstĂźcken und der Oberleitungstechnik sind diese Vorfälle selten geworden. In frĂźheren Jahren geschah dies im Fahrbetrieb noch regelmäĂig. Potentiell anfällig fĂźr Entdrahtungen sind hingegen auch heute noch besonders enge Kurvenradien, Fahrleitungskreuzungen und Luftweichen. Ursächlich fĂźr letzteres Problem ist entweder menschliches Versagen (Fahrer biegt falsch ab) oder technisches Versagen (Weiche war falsch gestellt). Der zweite Fall taucht vor allem auf, wenn zwei Wagen verschiedener Linien an einer Verzweigung dicht aufeinander folgen und die Weiche nicht mehr rechtzeitig umspringt. In der Regel prĂźft der Fahrer nach einer Abzweigung deshalb durch den RĂźckspiegel, ob er weiterhin unter dem richtigen Fahrdraht fährt. Modernere Fahrzeuge besitzen hierzu eine KameraĂźberwachung, mit deren Hilfe der Lauf der Stromabnehmer auf einem Monitor im Armaturenbereich beobachtet werden kann. In ZĂźrich beispielsweise wird die Weichensteuerung ferner durch die Black Box aufgezeichnet.cite-ref-120[119] Dennoch ist etwa in Solingen â bei 50 im Einsatz befindlichen Fahrzeugen â durchschnittlich eine Stangenentdrahtung täglich zu verzeichnen.cite-ref-121[120] Eine weitere typische Gefahr fĂźr Stangenentdrahtungen besteht durch Fahrer, die sowohl als Obus- als auch als Omnibusfahrer eingesetzt werden, wenn diese aus Gewohnheit einer nicht-elektrifizierten Omnibus-LinienfĂźhrung folgen, obwohl sie gerade einen Obus lenken.cite-ref-bitteeinsteigen-37-2[37] Der Spannungsabfall infolge einer solchen Entdrahtung wird dem Fahrer unverzĂźglich mittels eines akustischen oder optischen Signals im FĂźhrerstand mitgeteilt. Ferner muss dieser nach einer Stangenentdrahtung die Oberleitung per Sichtkontrolle auf Beschädigungen untersuchen und den Vorfall an die Betriebsleitung melden,cite-ref-sonst-schl-gt-s-funken-30-4[30] damit diese Häufungen an bestimmten Stellen im Netz feststellen und gegebenenfalls beheben lassen kann.
Fangseile und Retriever
Viele Obusse verfĂźgen am Heck Ăźber sogenannte Fangseile. Diese bestehen aus paraffingetränkten Flachsfasern und werden auch Leinenfänger, Fangleinen, Fängerleinen, Abzugsleinen oder Rutenseile genannt. Sie dienen zum einen zum planmäĂigen Abdrahten, zum anderen sollen sie verhindern, dass die Stromabnehmerstangen bei einer ungewollten Entdrahtung nach oben oder seitlich ausbrechen und durch das harte Anschlagen die Oberleitung, sonstige Leitungen, Hausfassaden, Stellläden oder Fensterscheiben beschädigen. Die Fangseile sind meistens in auĂen am Wagenkasten montierten Stahlbehältern aufgerollt. Diese funktionieren ähnlich einer Kabeltrommel und werden Trolley-Retriever, Trolley-Catcher oder Trolley-Fänger genannt. Das Trommelgehäuse enthält eine Fliehkraft-Sperrklinke mit Spiralfederwerk, so werden die leichten Auf- und Abbewegungen der Kontaktstange infolge schwankender FahrdrahthĂśhe während der Fahrt durch den Leinenfänger nicht beeinflusst. Die innen auf einer Welle aufgerollte und nur leicht gespannte Abzugsleine lĂśst beim Abspringen vom Fahrdraht und Hochschlagen einen, der Wirkungsweise eines Auto-Sicherheitsgurts ähnlichen, abrupten Bremseffekt aus, wobei der Fahrdraht geschont wird.cite-ref-122[121] Die RĂźckholautomatik kann jedoch nicht verwendet werden, wenn in einem Netz unterschiedliche FahrleitungshĂśhen bestehen.cite-ref-duo-bus-123-0[122]
Bei moderneren Obus-Typen sind die Retriever in den Wagenkasten integriert und von auĂen nicht sichtbar. Einige Betriebe verzichten auf ihre Verwendung, unter anderem um im Winter Probleme durch Vereisung der aufgewickelten Seile zu vermeiden. Ein weiterer Nachteil von Retrievern ist, dass das Heck des Fahrzeugs nicht maschinell per Waschanlage gereinigt werden kann.cite-ref-vbsh-fahrzeit-115-1[114] Werden Retriever verwendet, sind die Fangseile vorgespannt, werden keine verwendet, so hängen sie lose herunter.
Muss der Obus stark von der Ideallinie der Oberleitung abweichen, besteht die Gefahr, dass die Fangleinen in das Lichtraumprofil parkender, Ăźberholender oder entgegenkommender Lastwagen hineinragen.cite-ref-bockonline-124-0[123] Um dies zu verhindern, besitzen manche Trolleybusse etwas unterhalb der Dachkante ein spezielles Gestänge, welches das ĂźbermäĂige seitliche Ausbrechen der Fangseile verhindert. In Italien verfĂźgen die meisten Oberleitungsbusse aus dem gleichen Grund am Heck links oben zusätzlich Ăźber eine weiĂ-rote Warntafel.
Bei neueren Obussen werden die Stromabnehmer pneumatisch in eine definierte Position gedrßckt. Die Erkennung erfolgt meist ßber einen induktiven Näherungssensor, der die Stangen ab einer eingestellten HÜhe in die gewßnschte Position zurßckholt. Dies wird als pneumatische Schnellabsenkung bezeichnet. Eine weitere ErkennungsmÜglichkeit besteht ßber Beschleunigungssensoren. Sie erkennen eine anomale Beschleunigung und fßhren die Stromabnehmer ebenfalls in die gewßnschte Position zurßck.
Manuelles Ab- und Andrahten
Traditionell erfolgt das Abziehen â auch Abdrahten genannt â und Anlegen â auch Andrahten, Aufdrahten oder Eindrahten genannt â der Stromabnehmer manuell. Im Fall einer Stangenentdrahtung muss somit der Fahrer oder â falls vorhanden â der Schaffner aussteigen und, bekleidet mit Arbeitshandschuhen und einer Warnweste, die Stromabnehmerstange(n) wieder in die Fahrleitung einfädeln. Sind keine Fangseile vorhanden, so wird hierzu in der Regel eine mitgefĂźhrte Teleskopstange oder eine zusammensteckbare Stange verwendet. Diese Hilfsstangen sind aus Holz, Bambus oder Kunststoff und verfĂźgen zudem Ăźber einen isolierten Haken an der Spitze. Zusätzlich sind auf dem Wagendach oder direkt an den Stromabnehmerstangen bei manchen Typen Scheinwerfer installiert. Sie beleuchten die StromabnehmerkĂśpfe und erleichtern dem Personal das Eindrahten bei Dunkelheit. Die Stromabnehmerstangen werden im gesenkten Zustand in den Halterungen im hinteren Dachbereich arretiert. Man unterscheidet dabei zwischen hakenfĂśrmigen Halterungen, in die die Stangen von unten eingeklemmt werden (die Haken zeigen dabei meistens nach auĂen, seltener nach innen), und Y-fĂśrmigen Halterungen, in die die Stangen von oben einrasten.
PlanmäĂig abgedrahtet werden Oberleitungsbusse beispielsweise in vielen Depots, dadurch mĂźssen nicht alle Abstellplätze mit einer Oberleitung Ăźberspannt werden. Ebenso drahten pausierende Kurse häufig ab, um andere Wagen passieren zu lassen, typischerweise an Endhaltestellen ohne ĂberholmĂśglichkeit. Ebenfalls notwendig ist das Abdrahten, falls es auf einspurigen Strecken zu Begegnungen kommt.
Automatisches Ab- und Andrahten
Bei moderneren Typen kÜnnen die Stromabnehmer auch vom Fahrerplatz her automatisch abgesenkt werden. Es existieren Systeme mit beiden Varianten der oben beschriebenen Arretierungen. Bei den hakenfÜrmigen Halterungen ist der Absenkvorgang dabei komplizierter, die Halterungen mßssen dabei während des Absenkvorganges seitlich weggedreht werden. Sind die Stromabnehmer abgebßgelt, werden sie wieder zurßckgedreht.
Bei einigen Betrieben gibt es an bestimmten Stellen im Netz auĂerdem so genannte Einfädel(ungs)trichter aus Metall oder Acrylglas, auch Eindraht(ungs)trichter oder Eindraht(ungs)hilfe genannt. In diesem Fall kĂśnnen die Stromabnehmer auch automatisch, das heiĂt vom Fahrerplatz aus, angelegt werden. Der Fahrer richtet dabei die Stromabnehmer meist mit einer Art Joystick aus. Spezielle Bodenmarkierungen zeigen ihm, wo er halten muss, um die Trichter nutzen zu kĂśnnen. Diese automatischen Eindrahtsysteme kommen in der Regel in Verbindung mit alternativen Fortbewegungsmethoden zur Anwendung, siehe Unterkapitel ergänzende Antriebskonzepte. Damit der flieĂende Verkehr während des Andrahtvorgangs nicht behindert wird, sind die Trichter in der Regel im Bereich von Haltestellenbuchten oder Busspuren montiert. Das automatische Anlegen der Stromabnehmer dauert Ăźblicherweise zwischen zehn und fĂźnfzehn Sekunden.cite-ref-swed-125-0[124]
Erfolgt das Abziehen automatisch, das Anlegen manuell, wird dies als halbautomatisches Stromabnehmersystem bezeichnet. Erfolgt beides automatisch, so handelt es sich um ein vollautomatisches System. Besitzt der jeweilige Oberleitungsbus eine zusätzliche Antriebsbatterie, kann der Abdrahtvorgang auch bei laufender Fahrt erfolgen.cite-ref-126[125] Allerdings ist es beispielsweise in Polen gesetzlich vorgeschrieben, dass die Wagen beim Umschalten stehen.cite-ref-127[126] In Peking wiederum wird zwar während der Fahrt abgedrahtet, die Arretierung der Stromabnehmerstangen auf dem Dach erfolgt allerdings erst beim nächsten Haltestellenaufenthalt.cite-ref-128[127]
HĂśchstgeschwindigkeit
In der Regel erreichen heutige Oberleitungsbusse eine bauartbedingte HĂśchstgeschwindigkeit zwischen 50 und 70 km/h. Ursächlich fĂźr diese Limitierung ist die Stromabnahme mittels Kontaktstangen, hĂśhere Geschwindigkeiten wĂźrden â insbesondere bei unebener oder welliger Fahrbahn â zu häufigen Stangenentdrahtungen fĂźhren. Um dies zu verhindern, mĂźssten die Stromabnehmerstangen mit einem hĂśheren Anpressdruck gegen die Fahrleitung gedrĂźckt werden, was zu einem hohen MaterialverschleiĂ fĂźhren wĂźrde. AuĂerdem mĂźsste die Fahrleitungskonstruktion stabiler sein, um der Belastung dauerhaft standzuhalten. Kommen leistungsstärkere Motoren zum Einsatz, werden diese in der Regel bei den oben genannten Maximalwerten elektronisch abgeregelt. Zumindest ist dies bei Fahrzeugen neuerer Bauart der Fall.
Damit sind Oberleitungsbusse prinzipbedingt langsamer als Omnibusse, fĂźr die ein gesetzliches Tempolimit von 80 bzw. 100 km/h gilt â das von den meisten Bauarten auch erreicht wird. Ferner kĂśnnen Oberleitungsbusse nicht auf KraftfahrstraĂen und Autobahnen eingesetzt werden. Da sie Ăźberwiegend innerorts verkehren â wo fĂźr gewĂśhnlich ein gesetzliches Tempolimit von 50 km/h gilt â, wirkt sich die begrenzte HĂśchstgeschwindigkeit im praktischen Betrieb nicht nachteilig aus, zumal Obusse Dieselbussen in der Beschleunigung meist Ăźberlegen sind, was im Stadtverkehr einen grĂśĂeren Vorteil darstellt.
Anders stellt sich die Situation hingegen auf den seltenen Obus-Ăberlandstrecken dar, wo die Fahrzeuge mitunter ein Verkehrshindernis darstellen. Fallweise wird dort auch schneller gefahren, so erreichten beispielsweise die von Verona ausgehenden Ăberland-Obusse teilweise Geschwindigkeiten von 80 km/h. Sie galten als die weltweit schnellsten Obusse im planmäĂigen Linieneinsatz, erleichtert wurde dies durch die ungewĂśhnlich hohe Fahrdrahtspannung von 1200 Volt.cite-ref-trolleymotion-verona-129-0[128] Bei Testfahrten ohne Fahrgäste werden mitunter noch hĂśhere Geschwindigkeiten erreicht, so beispielsweise in Teheran 85 km/h.cite-ref-130[129]
Oberleitung und sonstige Infrastruktur
Standardoberleitung
Die Trolleybus-Oberleitung â auch Fahrleitung, Fahrdraht oder bildhaft Schienen am Himmelcite-ref-131[130]cite-ref-132[131] genannt â ist zweipolig und wird mit Gleichspannung gespeist. Ein Draht dient als Pluspol, der andere als Minuspol. Damit Ăźbernimmt der zweite Draht die Funktion der RĂźckleitung, also die Aufgabe, die bei StraĂenbahnen oder anderen elektrifizierten Bahnen die Schienen haben.
Die beiden Rillenfahrdrähte sind aus Kupfer, wobei in Kriegszeiten aufgrund fehlender Rohstoffe auch Eisendraht verwendet wurde,cite-ref-133[132] und verlaufen bei den meisten Betrieben in einem Abstand von 60 Zentimetern parallel zueinander. Sie haben meist eine Querschnittsfläche zwischen 80 und 120 Quadratmillimetern, die aber selbst innerhalb eines Netzes variieren kann. In St. Gallen beträgt sie beispielsweise im innerstädtischen Verkehr 85 und auf den AuĂenstrecken 107 Quadratmillimeter.cite-ref-ostschweiz-134-0[133] Die beiden rillenfĂśrmigen Einkerbungen dienen der Aufhängung mittels Fahrdrahthaltern, auch Halteklemmen genannt. Anders als bei Bahnen â die heute in der Regel Schleifleisten verwenden â sind diese Klemmen schmaler. Sie dĂźrfen nicht seitlich Ăźber den Fahrdraht hinausstehen, damit der Lauf des Stromabnehmerkopfs nicht behindert wird.
Aufhängung
Im Normalfall werden die Leitungen etwa alle 20 bis 25 Meter an Oberleitungsmasten aus Stahl, Schleuderbeton oder frßher auch Holzcite-ref-135[134] abgespannt. In Ausnahmefällen kÜnnen auch Bäume der Aufhängung dienen,cite-ref-unseralterobusindresden-136-0[135] in Einzelfällen fanden auch schon ausgesonderte Bahnschienen Verwendung. Bei den Stahlmasten unterscheidet man ferner zwischen Stahlrohrmasten und Stahlgittermasten. Die Gittermasten wiederum sind als einfache Flachmasten oder aber als etwas stabilere Winkelrohrmasten mit quadratischem Querschnitt anzutreffen, wobei letztere auch in Längsrichtung belastbar sind.
Die Abspannung der Fahrdrähte erfolgt entweder mit Auslegern vom StraĂenrand aus oder mit Hilfe von Querdrähten. Bei letzteren sind auf beiden StraĂenseiten Masten erforderlich, diese AusfĂźhrung kommt Ăźberwiegend auf breiteren StraĂen zur Anwendung. Die Querdrähte sind etwas dĂźnner als die Fahrdrähte, sie weisen Querschnitte zwischen 35 und 50 Quadratmillimetern auf und dienen teilweise auch der Aufhängung allgemeiner Verkehrszeichen oder zum Aufhängen von Flaggen. Selten sind Mittelmasten mit Auslegern. Diese kĂśnnen nur verwendet werden, wenn die Richtungsfahrbahnen einer StraĂe baulich voneinander getrennt sind, beispielsweise durch einen schmalen Mittelstreifen. Mittelmasten sind gĂźnstiger im Bau, weil deutlich weniger Fundamente erforderlich sind.
In dichter bebauten StraĂenzĂźgen wird die Oberleitung aus räumlichen GrĂźnden (kein Platz zur Aufstellung von Masten) oder aus optischen GrĂźnden (Masten werden als unästhetisch empfunden) meist mit Hilfe von Wandrosetten an den umliegenden Gebäuden befestigt. Diese stammen bei vielen Betrieben noch von der ehemaligen StraĂenbahn, die der Obus ablĂśste. Die Querdrähte beziehungsweise Ausleger stehen selbst nicht unter Spannung, dies wird durch die Verwendung von Isolatoren gewährleistet. Eine besondere Situation besteht im Wuppertaler Stadtbezirk Vohwinkel, dort ist die Obus-Oberleitung am TraggerĂźst der Wuppertaler Schwebebahn angebracht. Im polnischen Gdynia verwendet man teilweise Gittermasten aus den Beständen der polnischen Staatsbahn Polskie Koleje PaĹstwowe.cite-ref-137[136]
Generell bedingt die doppelpolige Obus-Fahrleitung wesentlich stärkere Aufhängungen als bei der StraĂenbahn. In St. Gallen haben einzelne Masten ein Zuggewicht bis zu 2600 Kilogramm zu tragen.cite-ref-ostschweiz-134-1[133] Um auf Abschnitten mit groĂen Abständen zwischen den Aufhängungen ein Zusammenschlagen der beiden Fahrdrähte zu verhindern, bauen manche Betriebe zusätzlich starre Abstandhalter ein.
Durch den Anpressdruck des Schleifkontaktes und durch das seitliche Abschwenken des Trolleybusses wird die Fahrleitung in Schwingungen versetzt, das Fahrzeug schiebt dabei immer eine Welle vor sich her. Aus Idar-Oberstein ist Ăźberliefert, dass unter den an der Haltestelle wartenden Fahrgästen die typische Antwort auf die Frage âob der Obus bald kommeâ lautete: âder Draht wackelt schonâ.cite-ref-138[137] Weil dabei auch die Unebenheiten der Fahrbahn weitergegeben werden, sind diese Schwingungen deutlich stärker ausgeprägt als bei Schienenfahrzeugen und wirken sich daher negativ auf den elektrischen Kontakt aus. Zudem nutzen sich die KohleschleifstĂźcke der Stromabnehmer umso stärker ab, je mehr die Fahrleitung mitschwingt.cite-ref-de102009056589-114-2[113] Um dies auszugleichen, werden Obus-Fahrleitungen teilweise flexibel montiert. Hierbei handelt es sich um die sogenannte vollelastische Schrägpendelaufhängung nach dem System des Schweizer Unternehmens Kummler+Matter, diese wurde in den 1930er Jahren entwickelt.
Der Vorteil der elastischen Fahrdrahtaufhängung gegenßber der starren besteht im Auf- und Abschwingen der pendelnden Stßtzpunkte in Abhängigkeit vom Anpressdruck. Es muss deshalb mittels eines Draht-Parallelogramms dafßr gesorgt werden, dass der Fahrdraht in jeder Pendellage senkrecht steht. Ferner ermÜglicht die Schrägpendel-Aufhängung hÜhere Fahrgeschwindigkeiten in Kurven.cite-ref-139[138]
Im Bereich von SchilderbrĂźcken, FuĂgängerbrĂźcken oder Auslegern von Ampelanlagen sind die beiden Fahrdrähte meist von oben her mittels U-fĂśrmiger Kunststoffprofile eingehaust. Dieser spezielle Schutz verhindert KurzschlĂźsse, die beiden Drähte kĂśnnen so auch bei stärkeren Schwingungen die genannten Objekte nicht berĂźhren. Gleichfalls wird dadurch verhindert, dass Passanten von oben metallische Gegenstände direkt auf die Drähte werfen kĂśnnen.
Mitunter ist die Oberleitung auĂerdem direkt mit der ĂPNV-Bevorrechtigung verknĂźpft. Statt der vom Omnibus bekannten Funkbaken-Systeme kĂśnnen die Lichtsignalanlagen beim Trolleybus mittels Oberleitungskontakten direkt auf GrĂźn geschaltet werden.
Zick-Zack-Aufhängung und Gewichtsnachspannung
Ăhnlich der Oberleitung bei schienengebundenen Bahnen sind auch Obus-Fahrleitungen meist in einem leichten Zick-Zack verlegt. Anders als bei Bahnen hat dies nichts mit der gleichmäĂigeren AbnĂźtzung der SchleifstĂźcke zu tun. Bei Oberleitungsbussen dient diese Bauweise vielmehr dazu, die Wärmeausdehnung infolge von Temperaturschwankungen zu kompensieren, denn Obus-Fahrleitungen sind mit Fahrdrahtklemmen endlos verbunden. Im Allgemeinen entsprechen sie dabei der sogenannten Einfachfahrleitung im Bahnbereich.
Wird hingegen auf die Zick-Zack-Aufhängung verzichtet, muss die Fahrleitung, analog zu modernen Hochketten-Oberleitungen im Schienenverkehr, mit einem mittigen oder zwei parallel gefßhrten Tragseilen sowie speziellen Gewichten nachgespannt werden. Beim Oberleitungsbus Offenbach am Main waren die dazu notwendigen Gegengewichte beispielsweise verdeckt im Inneren der Stahlrohrmasten angeordnet. Die Gewichtsnachspannung ist in Oberleitungsbusnetzen deutlich aufwändiger als bei Bahnennetzen mit Bßgelstromabnehmern, weil die Schleifschuhe der Stangenstromabnehmer, die den Fahrdraht umgreifen, nicht einfach vom Fahrdraht eines Spannfeldes auf den des nächsten ßberlaufen kÜnnen.
FahrdrahthĂśhe
Auf neuen Streckenabschnitten wird die Oberleitung laut Europäischer Norm in einer StandardhĂśhe von 5,5 bis 5,6 Metern Ăźber der Fahrbahnoberkante angebracht. Als maximale HĂśhe werden 6,5, als minimale HĂśhe 4,7 Meter definiert.cite-ref-140[139] Letzterer Wert entspricht auch der in Deutschland vorgeschriebenen MindesthĂśhe gemäà BOStrab.cite-ref-bostrab-25-141-0[140] Diese HĂśhe ergibt sich aus dem Lichtraumprofil der StraĂenverkehrs-Ordnung, dieses ist mit 4,5 Metern festgelegt, zuzĂźglich eines Sicherheitsabstands von 20 Zentimetern.cite-ref-bostrab-25-141-1[140] Generell kann die FahrdrahthĂśhe dabei auch innerhalb eines Netzes variieren, wie dies beispielsweise in Esslingen am Neckar der Fall ist.cite-ref-duo-bus-123-1[122]
In Ausnahmefällen wie UnterfĂźhrungen, Hausdurchfahrten oder Tunnelstrecken hängen die Fahrdrähte aber teilweise auch tiefer als oben beschrieben. Die BOStrab erlaubt hierbei, bei entsprechender Kennzeichnung, eine MindesthĂśhe von 4,2 Metern.cite-ref-bostrab-25-141-2[140] Andernorts sind noch niedrigere Werte zulässig, so sind es beispielsweise im Zuge der DinghoferstraĂe in Linz nur 3,9 Meter. In Berlin betrug die FahrdrahthĂśhe bei der UnterfĂźhrung AlbrechtstraĂe sogar nur 3,76 Meter.cite-ref-142[141] Um Beschädigungen der Oberleitung beziehungsweise KurzschlĂźsse durch verbotswidrig passierende hohe Fahrzeuge zu vermeiden, ist es bei niedrig hängenden Fahrdrähten Ăźblich, diese mit speziellen HolztrĂśgen einzuhausen.cite-ref-143[142] Alternativ werden zwei Stahlprofile verwendet. Im Gegenzug muss die Oberleitung beim Einsatz von Doppeldeckern entsprechend hĂśher angeordnet sein, in Hamburg wurde hierfĂźr beispielsweise eine HĂśhe von 6,0 Metern gewählt.
Um die DurchfahrtshĂśhe niedriger UnterfĂźhrungen nicht zusätzlich einzuschränken, verlaufen die Oberleitungen teilweise seitlich verschwenkt Ăźber dem Gehweg. Beispiele fĂźr diese Praxis sind beziehungsweise waren die Baselstrasse sowie die BrĂźelstrasse in Luzern, der Tunnel unter dem Rollfeld des Salzburger Flughafens und die ebenfalls in Salzburg gelegene NelbĂśckunterfĂźhrung, die Passage der Bahnstrecke BolognaâAncona in Rimini, die Durchfahrt unter dem Eisenbahnviadukt Podul BÄneasa 1 in Bukarest sowie das Eisenbahnviadukt im Verlauf der HungĂĄria kĂśrĂşt in Budapest. Bei letzterer UnterfĂźhrung verliefen die beiden Fahrdrähte ursprĂźnglich um eine ganze Fahrbahnbreite voneinander getrennt, das heiĂt links und rechts potentiell stĂśrender Lastwagenaufbauten.cite-ref-144[143] In Biel hängen die Fahrdrähte im Zuge der UnterfĂźhrung Madretschstrasse seitlich Ăźber den Radfahrstreifen, fĂźr die Trolleybusse ist dort aufgrund der Abweichung eine HĂśchstgeschwindigkeit von 20 km/h vorgeschrieben.
Trennung von Betrieb und Infrastruktur
Nicht immer gehÜrt die Oberleitungsinfrastruktur auch der Gesellschaft, die Inhaberin der entsprechenden PersonenbefÜrderungskonzession ist. Hierbei ergeben sich Parallelen zum Schienenverkehr, wo zwischen Eisenbahninfrastrukturunternehmen und Eisenbahnverkehrsunternehmen differenziert wird. Im Zuge der zunehmenden Liberalisierung auf dem Verkehrsmarkt, mitsamt der damit verbundenen Ausschreibungen, ist diese Aufteilung in den letzten Jahren auch im Obusbereich verstärkt zu beobachten:
⢠In SĂŁo Paulo war zeitweise bei beiden Teilnetzen eine Trennung von Betrieb und Infrastruktur gegeben. Das Fahrleitungsnetz der Vorortlinien wird von der in Ăśffentlicher Hand befindlichen Verkehrsgesellschaft Empresa Metropolitana des Transportes Urbanos gebaut und unterhalten, den Fahrbetrieb besorgt die private Gesellschaft Metra im Rahmen einer Konzession.cite-ref-145[144] Bei den Stadtlinien SĂŁo Paulos war die Situation von 1985 an genau umgekehrt. Der private Stromversorger Eletropaulo war fĂźr die Infrastruktur zuständig, das städtische Verkehrsunternehmen SĂŁo Paulo Transportes (SPTrans) Ăźbernahm die Bedienung der Strecken. Mit der Privatisierung von Eletropaulo begannen jedoch anhaltende Probleme mit dem Unterhalt des Netzes, Investitionen unterblieben. 1994 privatisierte die Stadt schlieĂlich auch den Fahrbetrieb und teilte die Trolleybusse auf die drei neuen privaten Betreiber Imperial (später Viação Santo Amaro), Transbraçal und Eletrobus (später Himalaia) auf. Erst die 2009 erfolgte RĂźckĂźberfĂźhrung der Fahrleitungs- und Versorgungsinfrastruktur in Ăśffentlichen Besitz bildete die Basis fĂźr eine durchgreifende Modernisierung.cite-ref-146[145]
⢠Beim niederländischen Oberleitungsbus Arnhem gingen die Oberleitungsanlagen 2008 im Vorfeld einer Ausschreibung vom Verkehrsunternehmen Connexxion in die Trägerschaft der Ăśffentlichen Hand Ăźber. AnschlieĂend gewann das Verkehrsunternehmen Novio den Wettbewerb, so dass Connexion gar nicht mehr in den Obusbetrieb involviert ist.
⢠Noch komplizierter ist die Aufteilung beim schwedischen Oberleitungsbus Landskrona. Dort ist die Oberleitungsinfrastruktur im Besitz der Stadt, das Rollmaterial gehÜrt der Nahverkehrsgesellschaft Skünetrafiken, und mit der Betriebsdurchfßhrung wird das Verkehrsunternehmen Swebus beauftragt.
⢠In Neapel verkehren die Ăberlandtrolleybusse der Compagnia Trasporti Pubblici di Napoli im Zentrum unter den Fahrleitungen der städtischen Gesellschaft Azienda Napoletana MobilitĂ , die beiden Unternehmen teilen sich auĂerdem ein gemeinsames Depot.
⢠Im russischen Rostow am Don wurde die Trolleybuslinie 6 (ehemals 22), als einzige eines neun Linien umfassenden Netzes, zwischen 2001 und 2010 vom Privatunternehmen Rostov-Auto betrieben. FĂźr die Infrastruktur und die Ăźbrigen Linien war hingegen stets die städtische Verkehrsgesellschaft Ruseltrans verantwortlich, die nach dem Konkurs von Rostov-Auto auch wieder die Linie 6 bedient.cite-ref-147[146] Ăhnlich im ukrainischen Czernowitz, wo zwischen 1995 und 2008 das Privatunternehmen CHATP die Linien 2 und 4 betrieb.cite-ref-148[147]
⢠In Schaffhausen waren ab dem 1. Mai 2010 nicht mehr die Verkehrsbetriebe Schaffhausen, sondern das Elektrizitätswerk des Kantons Schaffhausen fßr den Unterhalt der Fahrleitungen zuständig.cite-ref-149[148] Da die Konzession nicht teilbar ist, blieben die Rechte und Pflichten der Trolleybusgesetzgebung bei den Verkehrsbetrieben Schaffhausen. Auch in Shanghai wird die Oberleitungsinfrastruktur von einer Fremdfirma gewartet.cite-ref-150[149]
⢠Ebenso gehÜren in Esslingen am Neckar die Oberleitungen im Zuge der Linien 119 und 120 dem Städtischen Verkehrsbetrieb Esslingen am Neckar, die Linien selbst waren hingegen zu Zeiten des elektrischen Betriebs auf die damalige END Verkehrsgesellschaft konzessioniert.
⢠Bereits zwischen 1944 und 1954 verkehrten in Wilhelmshaven die Oberleitungsbusse des Privatunternehmers Theodor Pekol, er betrieb eine Ăberlandlinie nach Jever, im Stadtbereich unter den Fahrdrähten der Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven.
⢠In der Schweiz war zwischen 1949 und 1969 der Trolleybus Neuenburg in Valangin mit dem ehemaligen Trolleybus Val de Ruz verknĂźpft. Es verkehrte eine Gemeinschaftslinie von Neuenburg nach Cernier. Zwischen Neuenburg und Valangin fuhren dabei VR-Trolleybusse unter TN-Fahrleitung, im Abschnitt ValanginâCernier entsprechend TN-Wagen unter VR-Infrastruktur. Nach dem gleichen Muster betrieben die Kreis Moerser Verkehrsbetriebe und die Duisburger Verkehrsgesellschaft in den 1950er und 1960er Jahren die Gemeinschaftslinien 4 und 5 des Oberleitungsbus Moers.
⢠Beim ehemaligen Oberleitungsbus Stockholm existierte neben dem städtischen Netz der AB Stockholms SpĂĽrvägar (SS) eine private Linie nach Kvarnholmen, die von der Transport AB StockholmâKvarnholmen (TSK) betrieben wurde.
Mit der Trennung von Betrieb und Infrastruktur ist fallweise auch die Entrichtung von BenutzungsgebĂźhren an den jeweiligen Besitzer der Oberleitungsinfrastruktur verbunden. Hierbei bestehen Analogien zur sogenannten âSchienenmautâ, etwa dem deutschen Trassenpreissystem (TPS). In Esslingen am Neckar beispielsweise hätte ein potentieller privater Obusbetreiber Stand 2016 jährlich eine Million Euro TrassengebĂźhren an die Stadt bezahlen mĂźssen.cite-ref-151[150]
Polarität
In Ländern mit Rechtsverkehr ist in der Regel der in Fahrtrichtung gesehen linke â und von den Gebäuden abgewandte â Fahrdraht der positive Pol. Der rechte Fahrdraht Ăźbernimmt die Funktion des negativen Pols. In manchen Städten ist die Polarität der elektrischen Spannung auch umgekehrt. Falls Teile der elektrischen Infrastruktur â zum Beispiel Gleichstromsteller oder Umrichter â auf die Polarität empfindlich sind, erfolgt fahrzeugseitig der Anschluss des Motors in der Regel Ăźber eine GleichrichterbrĂźcke, auch Eingangsgleichrichter genannt. Somit kann sich die Verpolung nicht negativ auswirken, Schäden durch falsches Anlegen der Stromabnehmer werden verhindert.cite-ref-arko-filipovi-108-1[107] Bei älteren Fahrzeugen mit Widerstandssteuerung und Reihenschlussmotor ist hingegen keine Umschaltung erforderlich. Bei ihnen ändern Feld- und Ankerstrom die Polarität, womit die Drehrichtung gleich bleibt, ein Eingangsgleichrichter wird nicht benĂśtigt.
Somit ist es bei Oberleitungsbussen prinzipiell mĂśglich, anlässlich von BetriebsstĂśrungen ausnahmsweise die Fahrleitung der Gegenrichtung zu benutzen â etwa wenn die Regelfahrleitung beschädigt ist oder bedingt durch Hindernisse nicht benutzt werden kann. Ist der Minuspol nicht geerdet, kann das Gleichstromnetz potentialfrei betrieben werden.
Um dem fßr die Wartung bzw. Reparatur der Oberleitung zuständigen Personal die Arbeit zu erleichtern, markieren manche Betriebe die Leitungselemente im Bereich von komplizierteren Fahrleitungsanlagen farbig. Hierbei steht Rot fßr den Pluspol und Blau fßr den Minuspol.
Kurvenschienen und Deckenstromschienen
In Kurven werden sogenannte Kurvenschienen verwendet. Ein längerer Bogen ist dabei in mehrere abrupte Fahrtrichtungsänderungen unterteilt, das heiĂt, einer vergleichsweise kurzen Kurvenschiene folgt stets ein längeres StĂźck Standardoberleitung. Die Länge der Kurvenschienen ist dabei vom Kurvenradius bzw. von der Fahrdrahtabweichung abhängig. Solche festen Schienen kommen mitunter ebenso in niedrigen UnterfĂźhrungen, Tunnelstrecken oder Wagenhallen zur Anwendung, das heiĂt Ăźberall dort, wo nach oben hin kein Raum zur Aufhängung der Oberleitung zur VerfĂźgung steht, ähnlich der Deckenstromschiene im Bahnverkehr.
Wendeanlagen
Schleifen
Oberleitungsbusse sind fast immer Einrichtungsfahrzeuge. An den Linienendpunkten steht daher meist eine Wendeschleife zur VerfĂźgung â speziell beim Oberleitungsbus auch Oberleitungsschleife, Fahrleitungsschleife oder Fahrleitungskehre genannt. Man unterscheidet dabei zwischen rechtsdrehenden Schleifen im Uhrzeigersinn (bei Rechtsverkehr mit Fahrleitungskreuzung) und linksdrehenden Schleifen entgegen dem Uhrzeigersinn (bei Rechtsverkehr ohne Fahrleitungskreuzung). Wird eine Schleife von mehreren Linien benutzt, so ist diese häufig zweispurig ausgefĂźhrt oder besitzt zumindest partiell eine zusätzliche Abstellspur. Dadurch kĂśnnen an den Linienendpunkten pausierende Fahrzeuge Ăźberholt werden. Teilweise sind die Abstellspuren nicht mit der Regelfahrleitung verbunden, in diesem Fall mĂźssen die Stromabnehmer manuell umgelegt werden. Dadurch wird gewährleistet, dass die Nebenverbraucher â wie zum Beispiel die Heizung â auch bei längeren Pausen mit Strom versorgt werden. Alternativ verfĂźgen manche Typen hierzu Ăźber Batterien.cite-ref-marquordt-50-1[50]
Eine Obus-typische Besonderheit sind Wendeschleifen, die ähnlich einer Wäschespinne um einen einzigen Oberleitungsmast herumgefĂźhrt werden, manchmal auch Wendemast genannt. DarĂźber hinaus eignen sich auch Kreisverkehre als WendemĂśglichkeit fĂźr Oberleitungsbusse. FĂźhrt eine Schleifenfahrt durch mehrere StraĂenzĂźge, so spricht man von einer Häuserblockschleife, Blockschleife oder Blockumfahrung.
Dreiecke
Seltener werden Wendedreiecke verwendet, auch Y-Kehre, Dreieckskehre oder Fahrleitungsdreieck genannt. Sie waren frĂźher unter anderem in Braga, Dresden, Czernowitz, Insterburg, Marseille, MĂźnchen, Porto und TimiČoara anzutreffen. Bei diesen Anlagen mussten die Oberleitungsbusse nach dem Prinzip des Wendens in drei ZĂźgen zweimal die Fahrtrichtung wechseln und zudem ein kurzes StĂźck rĂźckwärts fahren. Als weitere Besonderheit wurden dabei ausnahmsweise auch Luftweichen im RĂźckwärtsgang passiert. Y-Kehren wurden vor allem dort angelegt, wo kein Platz zur Errichtung von Kehrschleifen war bzw. der Radius der Fahrleitung zu eng gewesen wäre. Jedoch verhinderten sie den Anhängerbetrieb, weshalb sie beispielsweise in Insterburg schon nach wenigen Jahren durch Schleifen ersetzt wurden.cite-ref-152[151]
Zwischen 2014 und 2016 wendeten wiederum in Budapest zwei Linien per Dreieckskehre, da die Blockumfahrung am Parlament stillgelegt wurde. Da dort allerdings keine Luftweichen zur Verfßgung standen, wurden die Stangen von Ürtlichem Personal manuell umgehängt.cite-ref-153[152]
Drehscheiben
Eine Kuriosität des Solinger Betriebes ist die planmäĂig von 1959 bis 2009 betriebene Drehscheibe Unterburg. Sie ist die letzte von weltweit fĂźnf Obus-Drehscheiben. Infolge der Verlängerung der Linie 683 wird die Drehscheibe seit Mitte November 2009 nicht mehr benĂśtigt, soll aber dauerhaft museal erhalten bleiben. Zwei weitere Anlagen dieser Art befanden sich in GroĂbritannien. Hierbei handelte es sich zum einen um die Drehscheibe Christchurch (1936 bis 1969), zum anderen um die Drehscheibe Longwood bei Huddersfield (1939 bis 1940).cite-ref-154[153]cite-ref-155[154] Die vierte Obus-Drehscheibe existierte von 1982 und 1983 beziehungsweise von 1985 bis 1988 im Obus-Tunnel von Guadalajara, Mexiko. Die beengten Platzverhältnisse im Untergrund lieĂen dort keine andere LĂśsung zu.cite-ref-tramz-guadalajara-156-0[155] Die fĂźnfte Anlage diente ab 1914 der ersten Obuslinie in Shanghai als WendemĂśglichkeit.cite-ref-157[156]
Umkehren per Schwungfahrt
Eine Sonderform des Wendevorgangs ist das Umkehren per Schwungfahrt. Sie wird in Ausnahmefällen angewandt, wenn keine ortsfeste Wendeanlage und kein Hilfsantrieb zur Verfßgung steht.
Auf flachen Streckenabschnitten steigt dazu der Schaffner oder ein anderer Mitarbeiter des Verkehrsbetriebs â teilweise auch zwei Personen gleichzeitig â auf die hintere StoĂstange des Oberleitungsbusses der gewendet werden soll oder läuft diesem ein StĂźck hinterher. An einer vorbestimmten Stelle zieht das genannte Begleitpersonal dann die beiden Stromabnehmerstangen von der Oberleitung, unmittelbar danach lenkt der Fahrer scharf nach links (bei Rechtsverkehr) und rollt mit Schwung unter die auf der anderen StraĂenseite befindliche Oberleitung der Gegenrichtung. Dort wird anschlieĂend wieder manuell eingedrahtet, damit das Fahrzeug die RĂźckfahrt antreten kann.cite-ref-ch-ngjin-158-0[157]cite-ref-159[158] Voraussetzung fĂźr dieses Verfahren ist jedoch eine ausreichend breite mehrspurige StraĂe, die Anlage der Oberleitungen Ăźber den äuĂeren Fahrspuren, eine fĂźr den Moment des Wendevorgangs freie StraĂe sowie mit Fangseilen ausgestattete Stromabnehmerstangen.
Eine alternative MĂśglichkeit, Trolleybusse mittels Schwungfahrt zu wenden, ist die Ausnutzung von Gefällen. Dabei wird von der elektrifizierten Strecke aus in eine abzweigende und ansteigende SeitenstraĂe abgebogen. Befindet sich die elektrifizierte Strecke, von der gewendet werden soll, in einem Gefälle, so kĂśnnen die Stromabnehmer im Stand abgezogen und das Fahrzeug anschlieĂend in die SeitenstraĂe gerollt werden. AnschlieĂend rollt der Wagen â analog zu einem Wendedreieck â rĂźckwärts aus der SeitenstraĂe heraus wieder zurĂźck auf die Hauptstrecke. Diese Art des Wendens wurde in den Anfangsjahren des Trolleybus Winterthur praktiziert.cite-ref-160[159] Alternativ ist es auch mĂśglich, mittels während der Fahrt abgezogener Stromabnehmer wie in der ersten Variante in die SeitenstraĂe zu gelangen.
Luftweichen
Die Weichen der Obus-Oberleitung werden als Luftweichen bezeichnet, seltener auch als Oberleitungsweichen, Fahrleitungsweichen oder Fahrdrahtweichen. Es wird dabei zwischen spitz befahrenen Auslaufweichen (bei denen sich die Oberleitung aufteilt) und stumpf befahrenen Einlaufweichen (mit deren Hilfe zwei Oberleitungen zusammengefĂźhrt werden) unterschieden. Wegen der Schleifschuhe der Obus-Stromabnehmer, die die Fahrdrähte auf beiden Seiten umgreifen, funktionieren Fahrdrahtweichen fĂźr den Obus-Betrieb wie auch in StraĂenbahnnetzen mit Stangenstromabnehmern nach dem Prinzip der Schleppweiche. Der Antrieb einer Auslaufweiche wird heute per Fernsteuerung vom Fahrzeug aus gestellt. Dies geschieht entweder mittels FunksignalĂźbertragung, auch Weichenfunk genannt, oder durch eine induktive Weichensteuerung â letztere meist unter Zuhilfenahme von im Boden eingelassenen Induktionsschleifen. In der Regel ist die Weichensteuerung mit dem rechnergestĂźtzten Betriebsleitsystem (RBL) gekoppelt und erfolgt somit vollautomatisch. Steht kein RBL zur VerfĂźgung, muss der Fahrer die gewĂźnschte Fahrtrichtung per Knopfdruck anwählen. Einige Luftweichen, die in der Regel nur in einer Lage befahren werden, aber trotzdem ferngestellt sein mĂźssen, haben eine Vorzugslage, in die sie nach dem Befahren selbsttätig zurĂźckkehren. Sie mĂźssen nur dann umgestellt werden, wenn statt der standardmäĂig eingestellten die abweichende Richtung befahren werden soll. In Athen wird dies dem Fahrer beispielsweise durch rote (Weiche stellen) bzw. blaue Pfeile (Weiche nicht stellen) signalisiert.cite-ref-161[160]
FrĂźher konnte die Weichensteuerung auch Ăźber einen vom Fahrer ausgelĂśsten veränderlichen Stromverbrauch erfolgen, ähnlich dem System der Oberleitungskontakte bei der StraĂenbahn. Dieses Prinzip wird auch Stellkontakt genannt. UrsprĂźnglich wurden Luftweichen manuell gestellt. Hierzu musste der Schaffner aussteigen und ein isoliertes Zugseil bedienen. Später setzten manche Betriebe auf DruckknĂśpfe, die an Schaltkästen angebracht waren. Die Einlaufweichen werden hingegen in aller Regel gar nicht gestellt. Sie funktionieren nach dem Prinzip der RĂźckfallweiche oder besitzen keine beweglichen Teile.
AuĂerdem wird zwischen Weichen mit beweglichem, polarisierbarem HerzstĂźck (in diesem Fall ist in beiden Fahrtrichtungen ein durchgehender Fahrstrom gewährleistet) und solchen ohne bewegliches HerzstĂźck (hierbei ist der Fahrstrom in beiden Fahrtrichtungen jeweils kurz unterbrochen) differenziert.
Ferner gibt es konventionelle symmetrische Weichen und etwas modernere Schnellfahrweichen. Erstere fĂźhren in beiden Fahrtrichtungen zu einer Ablenkung der Stromabnehmer. Um Stangenentgleisungen zu vermeiden, werden sie deshalb in der Regel mit geringerer Geschwindigkeit befahren. In Esslingen am Neckar ist fĂźr symmetrische Weichen beispielsweise eine HĂśchstgeschwindigkeit von 25 km/h vorgeschrieben.cite-ref-162[161]
Schnellfahrweichen kĂśnnen konstruktionsbedingt mit bis zu 60 km/h nur in der so genannten Vorzugsrichtung passiert werden, in der der Stromabnehmer nicht abgelenkt wird. Im Gegensatz zu den symmetrischen Weichen werden Schnellfahrweichen zwischen Rechtsfahr- und Linksfahrweichen unterschieden.
Prinzipiell befinden sich Obus-Weichen bereits einige Meter vor einer Kreuzung, das heiĂt in der Regel dort, wo ein Abbiegefahrstreifen beginnt. Hierbei spricht man von einer Vorsortierung, die nach Fahrtrichtung getrennten Oberleitungen werden ein StĂźck weit parallel gefĂźhrt. Im argentinischen Mendoza wurden Luftweichen teilweise mittels einer Ăźbergespannten Zeltplane vor WitterungseinflĂźssen geschĂźtzt.cite-ref-163[162]
Mitunter wird bei selten befahrenen Abzweigstellen, wie Zwischenendstellen oder im Regelverkehr nicht genutzten Verbindungskurven, aus KostengrĂźnden gänzlich auf Luftweichen verzichtet. In diesem Fall mĂźssen die Stromabnehmerstangen vom Personal manuell umgesetzt werden. Ein Beispiel hierfĂźr war die Zwischenwendeschleife BoldtstraĂe in Eberswalde, sie wurde zuletzt nur zweimal täglich planmäĂig befahren und Ende 2011 schlieĂlich abgebaut.
Kreuzungen
Vergleichsweise kompliziert aufgebaut sind Obus-Obus-Kreuzungen beziehungsweise Obus-StraĂenbahn-Kreuzungen oder Obus-Eisenbahn-Kreuzungen. Problematisch ist hierbei die elektrische Isolation zwischen Plus- und Minuspol. Ăhnlich wie bei einer Trennstelle zwischen zwei Speisebereichen beziehungsweise beim HerzstĂźck einer Weiche sind die beiden kreuzenden Oberleitungen jeweils zweimal kurz unterbrochen, das heiĂt, der Kreuzungsbereich muss mit Schwung Ăźberwunden werden. Werden beide Strecken mit Stangenstromabnehmern befahren, sind HerzstĂźcke, bei zwei zweipoligen Fahrleitungen auch DoppelherzstĂźcke unverzichtbar. In beiden Fällen ist aber bei einer Vorzugsfahrtrichtung eine unterbrechungslose Spannungsversorgung realisierbar. In Rumänien existierten Kreuzungen mit durchgängiger Fahrleitung fĂźr den Obus, während die StraĂenbahntriebwagen abbĂźgeln mussten. Ferner sind solche Kreuzungen anfällig fĂźr Stangenentdrahtungen, insbesondere wenn die zu querenden SchienenkĂśpfe nicht plan mit der StraĂenoberfläche liegen. Einfacher realisierbar sind schiefwinklige Kreuzungen von Obus- und StraĂenbahnfahrleitungen, sofern im StraĂenbahnnetz keine Stangenstromabnehmer genutzt werden. Mit etwas hĂśher liegenden Obusfahrdrähten und ĂberleitstĂźcken in der StraĂenbahnfahrleitung kommen derartige Kreuzungen ohne spannungslose Stellen aus. Verwendet werden sie unter anderem in Bern und Lausanne, dort an den Kreuzungsstellen mit der LausanneâEchallensâBercher-Bahn.
Vereinzelt kommt es vor, dass die Spannung der zu kreuzenden Bahn hĂśher ist als beim Obus, wobei es sich hierbei ausschlieĂlich um eingleisige Strecken handelt. So beispielsweise im slowakischen PreĹĄov, wo an zwei Stellen die mit 3000 Volt Gleichspannung elektrifizierte Eisenbahnstrecke KysakâMuszyna gequert wird, die ZĂźge passieren diese mit gesenktem Stromabnehmer. AuĂerdem dreimal in Salzburg, dort beträgt die Spannung beim Obus 600 Volt, bei den Strecken SalzburgâLamprechtshausen sowie Salzburg HbfâSalzburg Itzling aber 1000 Volt.
Weitgehend unbekannt sind hingegen Kreuzungen zwischen Oberleitungsbussen und mit Einphasenwechselstrom betriebenen Eisenbahnstrecken. Aufgrund der hohen Spannungen ist eine gegenseitige Isolation nur bedingt mĂśglich. Wegen der mĂśglichen Funkenstrecken von etwa einem Zentimeter pro Kilovolt erfordern derartige Kreuzungen eine umschaltbare Speisung des Kreuzungsbereiches oder eine dauerhaft spannungslose Schutzstrecke fĂźr das Wechselstromsystem. Eine der wenigen Kreuzungen dieser Art existiert beim Trolleybus ZĂźrich zwischen der Linie 32 und der Uetlibergbahn. Diese hatte bei Einrichtung der Kreuzung im Jahr 1952 noch eine Fahrleitungsspannung von 1200 Volt Gleichspannung, wurde 2022 aber auf 15 kV Einphasenwechselspannung mit 16,7 Hz umgestellt, wozu ein aufwändiges Kreuzungsbauwerk in Form eines 33 Meter langen Starkstrombogens errichtet werden musste. Der ehemalige Oberleitungsbus Innsbruck wiederum kreuzte im Zuge der BienerstraĂe das Gleis der ehemaligen, mit 15 kV elektrifizierten, Schlachthof-Schleppbahn im Zuge der Ingenieur-Etzel-StraĂe. Eine weitere solche Kreuzung bestand im bulgarischen Plowdiw, dort sogar mit 25 kV Spannung bei der Eisenbahn. Im Gegenzug untersagten die Schweizerischen Bundesbahnen aus SicherheitsgrĂźnden eine geplante Kreuzung der ZĂźrcher Linie 62 mit ihrer Fahrleitung.cite-ref-50-jahre-trolleybus-in-z-rich-164-0[163] Ebenso verhinderte die Bundesbahndirektion Essen in den 1950er Jahren eine Kreuzung der geplanten Obusstrecke nach Heidhausen mit der damals noch nicht elektrifizierten Ruhrtalbahn, weil die Staatsbahn ihrerseits die Elektrifizierung derselbigen beabsichtigte.cite-ref-ek4-269-165-0[164] Häufig fĂźhrte daher in der Vergangenheit die Elektrifizierung von Bahnstrecken zur Einstellung von Obuslinien oder ganzen Betrieben. Beispielsweise fiel das Potsdamer Obus-Netz Mitte der 1990er Jahre unter anderem der Elektrifizierung des Abschnittes Berlin-WannseeâSeddin der Berlin-Blankenheimer Eisenbahn am Bahnhof Potsdam Medienstadt Babelsberg (damals Bahnhof Drewitz) zum Opfer. Zwar wurden fĂźr den dortigen WegĂźbergang Fahrleitungskreuzungen entwickelt und sowohl im Fernbahn- als auch im Obus-Netz erprobt, zum Einbau kam es jedoch nicht mehr.
Beim Oberleitungsbus Teplice in Tschechien wiederum existierte im Zuge der Ulice Emilie DvoĹĂĄkovĂŠ, das heiĂt an der Betriebsstrecke von und zum Depot, eine ausschlieĂlich von Obussen benutzte UnterfĂźhrung der Bahnstrecke ĂstĂ nad LabemâChomutov. Diese Sondertrasse stammte von der 1959 stillgelegten StraĂenbahn Teplice und diente der Vermeidung einer Oberleitungskreuzung mit der zweigleisigen Eisenbahnstrecke. Sie wurde 2023 durch eine groĂzĂźgiger dimensionierte UnterfĂźhrung fĂźr alle Verkehrsteilnehmer ersetzt.
Kreuzungsweichen
Eine Mischung aus Weichen und Kreuzungen sind die sogenannten Kreuzungsweichen, bei ihnen werden Weichen und Kreuzungen auf engstem Raum miteinander kombiniert. Man unterscheidet zwischen einfachen Kreuzungsweichen (EKW) mit zwei Weichenzungen und doppelten Kreuzungsweichen (DKW) mit vier Weichenzungen. Eine einfache Kreuzungsweiche besteht aus einer Auslaufweiche, einer Kreuzung und einer Einlaufweiche, eine doppelte Kreuzungsweiche entsprechend aus zwei Auslaufweichen, einer Kreuzung und zwei Einlaufweichen. Kreuzungsweichen sind zwar teurer als die entsprechende Kombination aus Einzelelementen, bringen aber eine erhĂśhte Betriebssicherheit, weil sie einen dynamischeren Lauf der Stromabnehmer ermĂśglichen.cite-ref-166[165]
Eine besonders aufwendige Kreuzungsanlage existiert beispielsweise seit dem 2. Mai 2006 in Salzburg. Bei der Anlage an der Kreuzung der Linzer BundesstraĂe mit der SterneckstraĂe handelt es sich um eine so genannte Sternkreuzung, auch als Vollkreuzung bezeichnet beziehungsweise im englischen Sprachraum als grand union bekannt. Diese ermĂśglicht es, aus allen vier Zufahrten in drei Richtungen weiterzufahren. FĂźr ihren Betrieb sind acht Einlaufweichen sowie sechzehn Kreuzungen notwendig.
Fahrspannung
Als Fahrspannung ist bei Oberleitungsbussen â wie bei den meisten StraĂenbahnsystemen â traditionell eine Gleichspannung von 550 oder 600 Volt Ăźblich. Erst Ende der 1980er Jahre ging man dazu Ăźber, bei einzelnen Neuanlagen die von vielen Stadtbahnnetzen bekannte hĂśhere Fahrspannung von 750 Volt zu verwenden. Dies betrifft Nancy 1982, Essen und Sibiu 1983, BanskĂĄ Bystrica 1989, ÄeskĂŠ BudÄjovice 1991, Teheran 1992, Kopenhagen und KoĹĄice 1993, Ĺ˝ilina 1994, Chomutov und Quito 1995, Genua 1997, Landskrona 2003 sowie Riad 2012. AuĂerdem wurden die Betriebe in Modena (1990er Jahre) und Chieti (2009) nachträglich umgestellt, ebenso Neapel, wo man in den Jahren 2001 bis 2003 sowohl bei der StraĂenbahn als auch beim Oberleitungsbus gleichzeitig von 600 auf 750 Volt erhĂśhte. Eine diesbezĂźgliche Besonderheit stellt der Betrieb in Bologna dar. Dort verkehrt die 1991 erĂśffnete Linie 13 noch mit 600 Volt, die 2002 beziehungsweise 2012 erĂśffneten Linien 14, 32 und 33 aber schon mit 750 Volt.cite-ref-167[166] Obwohl die beiden Liniengruppen in der Innenstadt zusammentreffen und teilweise dieselben StraĂenzĂźge bedienen, sind sie elektrisch voneinander getrennt.cite-ref-168[167]
In den Anfangsjahren wurden ebenso geringere Spannungen gewählt, so kam die Gleislose Bahn BlankeneseâMarienhĂśhe beispielsweise mit nur 440 Volt aus. Selten anzutreffen sind hingegen hĂśhere Spannungen. So ist in Rumänien â mit Ausnahme des älteren Betriebs in TimiČoara â eine Spannung von 850 Volt Ăźblich. Auch der ehemalige Oberleitungsbus Moers war mit 850 Volt elektrifiziert.
Ebenso konnte man solche hohen Spannungen in der Schweiz antreffen. So verwendete der Trolleybus AltstättenâBerneck im Kanton St. Gallen von 1940 bis 1977 eine Spannung von 1000 Volt, dies war der weltweit erste Betrieb mit einer derart hohen Spannung.cite-ref-169[168] Die Ăberlandlinie ThunâBeatenbucht verwendete zwischen 1952 und 1982 sogar eine Spannung von 1100 Volt. Aus SicherheitsgrĂźnden besaĂen die dort eingesetzten Wagen eine Erdungskralle, diese senkte man vor der TĂźrĂśffnung auf die StraĂe. Wie im St. Galler Rheintal resultierte die ungewĂśhnlich hohe Spannung auch in diesem Fall aus der Ăbernahme der elektrischen Anlagen der zuvor dort verkehrenden Bahn. Eine weitere diesbezĂźgliche Ausnahme stellte von 1954 bis 2001 der Trolleybus Lugano dar. Er verwendete â wie die frĂźhere StraĂenbahn â ebenfalls 1000 Volt Fahrspannung. Ursächlich hierfĂźr waren in beiden Fällen die BerĂźhrungspunkte mit der Ferrovia LuganoâTesserete und der Ferrovia LuganoâCadroâDino, dadurch vermied man Spannungsprobleme. Zudem konnte auf diese Weise in den drei genannten Schweizer Betrieben die Umstellung von der Bahn zum Trolleybus sukzessive erfolgen, das heiĂt innerhalb einer mehrere Jahre dauernden Umstellungsphase.
AuĂerdem errichteten Schweizer Ingenieure im marokkanischen TĂŠtouan ebenfalls eine Hochspannungsanlage. Dort verkehrten zwischen 1950 und 1975 mit 1100 Volt betriebene Trolleybusse mit einer elektrischen AusrĂźstung von BBC.cite-ref-170[169]
Und auch in Norditalien gab es frĂźher Ăberlandlinien mit einer Spannung von 1100 Volt, diese gingen von Turin (1951 bis 1979) und Verona (1958 bis 1980) aus.cite-ref-171[170] Nach einer anderen Quelle wurden die Veroneser Strecken sogar mit 1200 Volt betrieben.cite-ref-trolleymotion-verona-129-1[128]
Unterwerke, Speisebereiche, Streckentrenner und Querkupplungen
Obus-Netze sind wie elektrische Bahnen in verschiedene Speisebereiche aufgeteilt, auch Speiseabschnitt oder Speisebezirk genannt. Jedem dieser Teilbereiche ist ein Unterwerk, auch Unterstation, Gleichrichterwerk oder Gleichrichterunterwerk (GUW) genannt, als einspeisende Stromversorgungsquelle zugeordnet. Ein Unterwerk kann dabei aus KostengrĂźnden mehrere Speisebereiche versorgen, im Regelfall steht es deshalb an der Grenze zweier Speisebereiche und versorgt dadurch zwei benachbarte Abschnitte auf einmal. Bei zweispurigen Strecken gehĂśren die beiden Richtungsfahrleitungen dabei grundsätzlich zum selben Speisebereich. Typischerweise stellt auch der Depotbereich einen eigenen Speisebereich dar. Die Stelle, an der die vom Unterwerk kommenden Kabel an die Oberleitung angeschlossen sind, nennt man Speisepunkt. Die Verbindung zwischen Unterwerk und Speisepunkt nennt man Speiseleitung, mitunter muss eine solche Leitung auch grĂśĂere Entfernungen Ăźberwinden. Ăberspannungsableiter â sogenannte Metal Oxide Varistoren â schĂźtzen die Unterwerke ferner vor Schäden durch Blitzeinschläge.
Um Synergieeffekte nutzen zu kĂśnnen, versorgen Unterwerke idealerweise StraĂenbahn und Oberleitungsbus gemeinsam. Steht das Unterwerk abseits einer Obus-Strecke, so kann die StromrĂźckleitung dorthin auch Ăźber die StraĂenbahnschienen erfolgen. Dies ist beispielsweise in ZĂźrich der Fall.cite-ref-50-jahre-trolleybus-in-z-rich-164-1[163]
Die Länge der Speiseabschnitte variiert dabei von Netz zu Netz, sie ist abhängig von der Bauart und der Leistungsfähigkeit der zugeordneten Unterwerke sowie der Struktur des Netzes. In der Schweiz geht man davon aus, dass pro vier Kilometer Fahrleitung eine Einspeisung notwendig ist.cite-ref-bockonline-124-1[123] In Solingen wird das 98,7 Kilometer lange Fahrleitungsnetz von 20 Unterwerken gespeist, in Esslingen am Neckar sind es fßnf Unterwerke fßr 27,1 Fahrleitungskilometer, in Eberswalde drei Unterwerke fßr 44,6 Kilometer Fahrleitung. Heutige Obus-Unterwerke leisten Dauerstromstärken von 1000 bis 1500 Ampere.
Die einzelnen Speisebereiche mĂźssen dabei durch kurze Phasentrennstellen in der Oberleitung voneinander abgegrenzt werden. Bei manchen Betrieben wird dabei nur der Plusfahrdraht unterbrochen, bei den Ăźbrigen hingegen beide Drähte. Diese stromlosen Schutzstrecken bestehen aus austauschbaren Kunststoff-, Holz-, Keramik- oder Glasfiberstäben. Die Isolierstäbe sind in der Regel etwa 300 Millimeter lang und helfen KurzschlĂźsse zwischen zwei Leitungsabschnitten zu vermeiden. Sie werden beim Oberleitungsbus Streckentrenner oder kurz Trenner genannt und sind so angeordnet, dass sie an Stellen liegen, an denen ein Halten der Fahrzeuge unwahrscheinlich ist. Ungeeignet ist beispielsweise der Stauraum vor einer Ampel. Um zu vermeiden, dass ein liegengebliebener Obus eine Kreuzung blockiert, sollten sie gleichfalls nicht in Kreuzungsbereichen liegen. Die Trenner mĂźssen stromlos passiert werden, weil sonst ein Funkenflug entsteht und diese verzundern. Das heiĂt, es bildet sich eine leitfähige Oberfläche, die zu Bränden fĂźhren kann. Aus dem gleichen Grund mĂźssen die Isolierstäbe von Zeit zu Zeit ausgewechselt werden.
Da die Oberleitung eine Plus- und eine Minusleitung hat, kommt es auĂerdem vor, dass auf demselben Fahrdraht ein Polwechsel eintritt. HierfĂźr sind ebenfalls Streckentrenner notwendig.
Eine modernere Variante der Streckentrenner sind die sogenannten Diodentrenner. Bei ihnen ermĂśglichen Ăźber Dioden gespeiste Kontaktflächen eine Passage ohne Fahrstromunterbrechung, der Stromabnehmer erhält den Strom von einem der beiden Speiseabschnitte. Passiert der Stromabnehmer die Mitte des Trenners, sind kurzzeitig beide Speiseabschnitte galvanisch verbunden. Es flieĂt dabei kein Kreisstrom, da die Dioden in den Plus- und Minuspolen der Spannungsquellen gegensinnig in Reihe geschaltet sind. Der Fahrstrom flieĂt während dieses kurzen Moments vom Unterwerk mit der hĂśheren Speisespannung.cite-ref-172[171]
An bestimmten Stellen sind die beiden nach Fahrtrichtung getrennten Oberleitungen auĂerdem durch sogenannte Querkupplungen miteinander verbunden. Sie verbinden jeweils den Pluspol mit dem gegenĂźberliegenden Pluspol beziehungsweise den Minuspol mit dem gegenĂźberliegenden Minuspol. Dies dient dem Potentialausgleich der unterschiedlichen elektrischen Belastungen der Fahrleitung zwischen Hin- und Gegenrichtung. Somit kann der Strom einen kĂźrzeren RĂźckweg zum Unterwerk nehmen, dadurch werden zu starke Spannungsabfälle vermieden.cite-ref-173[172] Leichtere Spannungsschwankungen lassen sich nicht vermeiden, so kĂśnnen bei einer Nennspannung von 600 Volt in der Praxis Spannungsschwankungen im Bereich zwischen 450 Volt und 750 Volt auftreten.cite-ref-174[173]
Mitunter gehÜren auch Verteilerkästen zur Infrastruktur entlang einer Obus-Strecke.cite-ref-175[174]
Signalisierung
Die fĂźr Oberleitungsbusse relevanten Sondersignale, die sogenannten Fahrleitungssignale, werden in der Regel direkt an den Querdrähten der Oberleitung befestigt. Alternativ werden sie mittels einer Fahrdrahtklemme auf einen der beiden Drähte aufgepflanzt oder als Bodenmarkierung auf die Fahrbahn aufgetragen. In Deutschland und Ăsterreich werden beispielsweise Besonderheiten im Fahrleitungsnetz auf blauen Tafeln mit weiĂer Schrift angezeigt. Geschwindigkeitsbeschränkungen, sofern diese unter der jeweils zulässigen HĂśchstgeschwindigkeit liegen, werden durch gelbe Tafeln mit schwarzer Schrift signalisiert. Die Zeichen in Deutschland sind dabei den StraĂenbahnsignalen gemäà BOStrab entnommen, sie sind in gleicher Weise auch bei den meisten deutschen StraĂenbahnbetrieben zu finden. Im Gegensatz zu diesen wird bei Obussen beispielsweise auf die VorankĂźndigung beziehungsweise das Ende einer Geschwindigkeitsbeschränkung verzichtet. Auf die Stellrichtung einer Luftweiche wird mit LED-Lichtsignalen hingewiesen, auch Weichenampel genannt.
In der Schweiz hat jeder Betrieb eigene Signalisierungen. Einige Städte sind dabei nahe am deutschen System, sie verwenden gelbe Signaltafeln mit schwarzer Schrift. Andere Städte wiederum kennen fßr die stromlos zu befahrenden Stellen der Fahrleitung und die Weichenkontakte nur Bodenmarkierungen. Geschwindigkeitssignale sind bei letzteren Betrieben hingegen nicht bekannt.
| Bezeichnung | Bild | Beschreibung | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| St 1 | | Signalkontakt | Am Signal St 1 ist ein Signalkontakt zu betätigen |
| St 2 | | Weichenkontakt | Am Signal St 2 ist die Weichensteuerung zu betätigen |
| St 3 | | Ausschalten | Vom Signal St 3 ab muss der Fahrstrom ausgeschaltet sein |
| St 4 | | Einschalten | Vom Signal St 4 ab darf der Fahrstrom eingeschaltet werden |
| St 5 | | Stromabnehmer abziehen | Vom Signal St 5 ab mĂźssen die Stromabnehmer abgezogen sein |
| St 6 | | Stromabnehmer anlegen | Vom Signal St 6 ab dĂźrfen die Stromabnehmer wieder angelegt sein |
| St 7 | | Streckentrenner | Am Signal St 7 ist der Fahrstrom kurz abzuschalten |
| G 2a | | Geschwindigkeitssignal G 2a | Beginn der Geschwindigkeitsbeschränkung auf 25 km/h |
| TR04 (Tschechien) | | Stromabnehmer abziehen | Vom Signal TR04 ab mĂźssen die Stromabnehmer abgezogen sein |
| TR05 (Tschechien) | | Stromabnehmer anlegen | Vom Signal TR05 ab dĂźrfen die Stromabnehmer wieder angelegt sein |
| TR11 (Tschechien) | | Streckentrenner | Am Signal TR11 ist der Fahrstrom kurz abzuschalten |
Turmwagen und sonstige Wartungsfahrzeuge
Fßr die Wartung der Oberleitungsinfrastruktur verwendet die zuständige Fahrleitungsmeisterei in der Regel sogenannte Turmwagen, auch Oberleitungswagen, Fahrleitungswagen oder Fahrdrahtwagen genannt. Meistens handelt es sich bei diesen Sonderfahrzeugen um selbstfahrende Lastkraftwagen mit speziellen Aufbauten, den sogenannten Hubarbeitsbßhnen, seltener um Anhänger, in Ausnahmefällen auch um ehemalige Trolleybusse oder Autobusse. Die isolierte Plattform der Turmwagen erlaubt es, Arbeiten an der Oberleitung durchzufßhren, ohne diese abschalten zu mßssen.
Problematisch ist bei Arbeiten an Obusfahrleitungen jedoch die unmittelbare Nähe beider Polaritäten im direkten Arbeitsbereich. Auch von isolierten ArbeitsbĂźhnen aus sind Instandhaltungsarbeiten an der Fahrleitungsanlage von Obussen deshalb, wie Arbeiten unter Spannung, mit den isolierenden KĂśrperschutzmitteln und isolierten Werkzeugen durchzufĂźhren.cite-ref-176[175] Da dies nicht immer ausreichend ist, erfordern Arbeiten an der Obus-Oberleitung â in mehr Fällen als bei einpoligen Fahrleitungen â dennoch häufig eine Abschaltung. Alternativ mĂźssen die Fahrleitungsmonteure die jeweils anders gepolte Leitung zu ihrem Schutz mit einer Matte abdecken, so wie dies etwa in Dresden frĂźher der Fall war.cite-ref-unseralterobusindresden-136-1[135]
Weitere Wartungsfahrzeuge fĂźr Oberleitungen sind Anhängeleitern und sogenannte Kabel(transport)anhänger fĂźr den Transport von Kabeltrommeln.cite-ref-177[176]cite-ref-178[177] Manche Betriebe verwenden zudem spezielle Fahrleitungsschmierwagen. In Lyon etwa existierte hierzu frĂźher ein zweiachsiger Anhänger mit Spezialstromabnehmern, die dazu dienten eine Graphitschicht auf die Oberleitung aufzutragen. Dies erfolgte mittels elektrischer Pumpe, die vom Zugfahrzeug â einem gewĂśhnlichen Trolleybus â gespeist wurde. Damit beugte man der zunehmenden Kontaktverschlechterung durch den Abrieb der damals metallischen Schleifkontakte vor.
Unverzichtbar fĂźr Obus-Betriebe auĂerdem ein Abschleppwagen, diese Aufgabe kann auch ein ausreichend motorisierter Turmwagen, ein anderer Oberleitungsbus oder ein Omnibus Ăźbernehmen. Meist handelt es sich dabei um nicht mehr im Planbetrieb verwendete Wagen. Die Wartungsfahrzeuge des Obusbetriebes Ăźbernehmen teilweise auch andere kommunale Aufgaben, so helfen sie beispielsweise bei der Schneeräumung.
Ein weiteres Spezialfahrzeug ist der Unfallhilfswagen. Er wird insbesondere benĂśtigt, wenn die Oberleitung auf die Fahrbahn fällt und eine Gefahr fĂźr Passanten besteht. Deshalb darf er in Deutschland, analog zu den Einsatzfahrzeugen bei StraĂenbahnbetrieben, ebenfalls mit Sondersignalen ausgestattet sein, das heiĂt, er genieĂt, anders als die Einsatzfahrzeuge von reinen Omnibusbetrieben, das sogenannte Wegerecht.cite-ref-179[178]
Depots
Obus-Depots unterscheiden sich fĂźr gewĂśhnlich kaum von klassischen Omnibus-Depots. Nicht selten werden Oberleitungsbusse und Omnibusse gemeinsam untergebracht. Prinzipiell ist die witterungsgeschĂźtzte Abstellung von Oberleitungsbussen von hĂśherer Bedeutung als bei Omnibussen, zum Beispiel damit die stĂśranfälligen elektrischen Anlagen nach Starkregen getrocknet werden kĂśnnen.cite-ref-180[179] Nicht immer ist ein Obus-Depot dabei mit dem Obus-Fahrleitungsnetz verbunden, dies gilt insbesondere bei Nutzung von bestehenden Omnibus- oder StraĂenbahn-BetriebshĂśfen. In solchen Fällen mĂźssen die Obusse â sofern sie keinen Zweitantrieb besitzen â von und zur Wagenhalle geschleppt werden oder einen BĂźgelwagen auf StraĂenbahngleisen benutzen. Auf dem Depotgelände selbst kĂśnnen fĂźr Rangierfahrten auch Schleppkabel zur Anwendung kommen.
Obus-BetriebshĂśfe sind in der Regel so gestaltet, dass die Abstellplätze Ăźber eine Schleifenfahrt erreichbar sind. Das heiĂt, die Einfahrt in die Wagenhalle erfolgt meistens auf der einen Seite des Gebäudes, die Ausfahrt auf der gegenĂźberliegenden Seite. Dadurch wird das beim Omnibus oft Ăźbliche Wenden in drei ZĂźgen vermieden, welches beim Obus prinzipbedingt nicht mĂśglich ist. Ziel eines ideal aufgebauten Obus-Depots ist es daher, zwischen Ein- und Ausfahrt die Reinigungs- und Unterhaltungsarbeiten so einzuordnen, dass die Fahrzeuge ohne Umrangierung abgefertigt werden kĂśnnen.cite-ref-181[180]
AuĂerdem existiert in vielen Obus-Depots die MĂśglichkeit, im Kreis zu fahren, ohne das Betriebsgelände verlassen zu mĂźssen. Dies ermĂśglicht Testfahrten mit reparierten, umgebauten oder neuen Wagen, die unter Umständen noch keine Zulassung fĂźr den Ăśffentlichen StraĂenverkehr besitzen. Die Verkehrsbetriebe ZĂźrich betreiben hierfĂźr auf dem Gelände ihrer Zentralwerkstätte beispielsweise eine eigene PrĂźfstrecke, diese ist nicht mit dem restlichen Trolleybusnetz verbunden.
In Obus-Depots häufig anzutreffen sind auĂerdem ArbeitsbĂźhnen zur besseren Erreichbarkeit der Dachaufbauten und der Stromabnehmer. AuĂerdem mĂźssen die Decken einer Obus-Wagenhalle ausreichend hoch sein und die Einfahrtstore Ăźber eine Aussparung fĂźr die beiden Fahrdrähte verfĂźgen. Die Verwendung von Rolltoren scheidet daher aus.
Fahrleitungsvereisung
Probleme bereiten die Obus-Oberleitungen mitunter im Winter, wenn durch Vereisung ein hoher elektrischer Ăbergangswiderstand entsteht. StĂśrender Raureif bildet sich, wenn die Temperatur unter den Gefrierpunkt fällt und die Luftfeuchtigkeit hoch ist. In Luzern werden Enteisungsfahrten deshalb bei unter zwei Grad Celsius und Ăźber 70 Prozent Luftfeuchtigkeit durchgefĂźhrt.cite-ref-vbl-zeitung-182-0[181] In Winterthur findet eine Enteisung bei Temperaturen unter Null Grad Celsius und mehr als 80 Prozent Luftfeuchtigkeit statt.cite-ref-enteisungwinterthur-183-0[182] Der Raureif kann ohne Enteisung zum Ausfall einzelner Kurse bis hin zu einer vollständigen Betriebseinstellung fĂźhren.cite-ref-krone-184-0[183] Oberleitungsbusse mit klassischer Steuerung und ohne SpannungsĂźberwachung konnten hingegen auch bei Minusgraden mit geringerer Geschwindigkeit weiterfahren, wenngleich der VerschleiĂ durch den Abbrand am GleitstĂźck des Stromabnehmers stark zunahm.cite-ref-ken2-52-4[52] Besondere Schwierigkeiten verursacht die Vereisung beim Einsatz modernerer Oberleitungsbusse mit empfindlicher Steuerungselektronik. Diese sind anfälliger gegenĂźber Spannungsunterbrechungen und der daraus resultierenden Lichtbogenbildung,cite-ref-185[184] im Schienenverkehr umgangssprachlich BĂźgelfeuer genannt. AuĂerdem bringen die LichtbĂśgen das in den Leitungen enthaltene Kupfer zum Verdampfen und beschleunigen so deren Abnutzung.cite-ref-186[185] Ferner kann der Fahrdraht durch starke Eisbildung infolge extremer Witterung durch ZugspannungserhĂśhung durch das Eisgewicht auch reiĂen.
Im Gegensatz zu Obus-Stromabnehmern berĂźhrt der einpolige BĂźgelstromabnehmer eines Schienenfahrzeugs die Oberleitung punktuell und flach. Seine Schleifleiste erzeugt auf kleiner Fläche einen hohen Anpressdruck mit guter Schabewirkung und die Eispartikel kĂśnnen nach unten abfallen. Stangenstromabnehmer hingegen erzeugen nur eine deutlich geringere Anpresskraft, die U-fĂśrmigen Gleiteinsätze â mit ihrer im Vergleich zu BĂźgelstromabnehmern grĂśĂeren Kontaktfläche â verringern den Anpressdruck weiter. Das Eis kann sich zudem im Kontaktschuh, der etwas breiter ist als der Fahrdraht, anlagern und deshalb nicht nach unten abfallen.
Fahrleitungsenteisung
Aus den oben genannten GrĂźnden mĂźssen Obus-Fahrleitungen in der kalten Jahreszeit aufwändig enteist werden. Viele Betriebe benutzen dazu â meist im Eigenbau entstandene â Sonderfahrzeuge mit speziellen FahrdrahtsprĂźh-Einrichtungen, auch Enteisungsstromabnehmer genannt. Mit ihnen wird ein Frostschutzmittel auf die Fahrleitung gesprĂźht. Typischerweise besteht dieses Enteisungsgemisch zu gleichen Teilen aus Wasser, Ethanol und Glycerin. In Esslingen am Neckar wird Isopropanol benutzt.cite-ref-fahrleitungsenteiser-187-0[186] In Schaffhausen besprĂźhte der sogenannte Frostiwagen die insgesamt 15 Kilometer lange Fahrleitung des dortigen Netzes innerhalb einer Stunde mit etwa 30 Litern Frostschutz.cite-ref-vbsh-fahrzeit-115-2[114]
In der Regel reicht es aus, jeden Abschnitt einmal vorbeugend zu bearbeiten, bevor dieser einfrieren kann. Um eine grĂźndliche BesprĂźhung der Fahrdrähte zu gewährleisten, darf jedoch beim Enteisen eine maximale Geschwindigkeit von 25cite-ref-enteisungwinterthur-183-1[182] bis 30 km/hcite-ref-vbl-zeitung-182-1[181] nicht Ăźberschritten werden. Zudem dĂźrfen Luftweichen nicht unnĂśtig mit Frostschutz besprĂźht werden, da diese sonst verkleben kĂśnnen.cite-ref-vbsh-fahrzeit-115-3[114] Meist erfolgt der Einsatz der Arbeitswagen in den frĂźhen Morgenstunden, das heiĂt in der nächtlichen Betriebspause, wenn der Regelverkehr nicht und der Ăźbrige Individualverkehr â der mit einer gelben Rundumkennleuchte auf die Langsamfahrt aufmerksam gemacht wird â nur geringfĂźgig behindert wird. AuĂerdem muss das Frostschutzmittel eine Zeit lang einwirken, weil es sonst von den folgenden Regelwagen wieder entfernt wĂźrde.cite-ref-fahrleitungsenteiser-187-1[186] Gleichzeitig ist darauf zu achten, dass die Fahrleitungen vor Beginn der Enteisung nicht zu stark vereist sind.cite-ref-vbsh-fahrzeit-115-4[114] Die Reiffahrt beginnt daher oft kurz nach Betriebsschluss â unabhängig von der Dauer der eigentlichen Enteisungsfahrt. In Schaffhausen beispielsweise um 1:45 Uhrcite-ref-vbsh-fahrzeit-115-5[114] und in Luzern um 1:00 Uhr.cite-ref-vbl-zeitung-182-2[181] Ob die Enteisung notwendig ist, wird dabei mitunter auch mit den hereinkommenden Fahrern des Spätdienstes abgesprochen.cite-ref-vbsh-fahrzeit-115-6[114]
BezĂźglich der auch Reifwagen genannten Fahrzeuge, die mit den oben genannten Spezialstromabnehmern ausgerĂźstet werden, kĂśnnen folgende Varianten beobachtet werden:
⢠Kleintransporter mit offener Ladefläche
⢠Lastwagenanhänger
⢠reguläre Oberleitungsbusse
⢠nicht mehr im Personenverkehr eingesetzte Oberleitungsbusse
⢠reguläre Dieselbusse
⢠nicht mehr im Personenverkehr eingesetzte Dieselbusse
⢠Duo-Busse im Dieselmodus
Kommen Oberleitungsbusse zum Einsatz, bewegen diese sich während des Enteisungsvorgangs teilweise mit ihrem Hilfsantrieb fort. Dies ist zum einen bei starker Vereisung der Fahrleitung notwendig, weil diese den Stromkreis zwischen Fahrzeug und Oberleitung unterbricht. In anderen Fällen, wie in Esslingen am Neckar, kommen Spezialstromabnehmer fßr die Enteisung zum Einsatz, die nicht fßr die Stromßbertragung geeignet sind, weil sie statt der elektrischen Kabel die Leitungen fßr das Frostschutzmittel enthalten.cite-ref-fahrleitungsenteiser-187-2[186] In Lausanne setzte man zeitweise einen Oberleitungsbus mit zwei Stromabnehmerpaaren ein, um gleichzeitig die Enteisung und die Stromzufuhr zu gewährleisten.cite-ref-188[187]
Manche Städte setzen aus UmweltschutzgrĂźnden auf eine mechanische Enteisung. Hierbei werden die KohleschleifstĂźcke bei der ersten morgendlichen Fahrt durch solche aus Bronze ersetzt; mit ihrer Hilfe wird die Oberleitung freigekratzt.cite-ref-stgallertagblatt-189-0[188] In Esslingen am Neckar verwendete man hierzu zeitweise Kohlen mit drei eingelegten KupferstĂźcken,cite-ref-esslinger-zeitung-vom-15-august-2012-15-1[15] in Leipzig Schleifeinsätze aus Temperguss. Stehen keine speziellen EnteisungsmĂśglichkeiten zur VerfĂźgung, muss das Netz nachts permanent von regulären Wagen abgefahren werden â vergleichbar den sogenannten Spurfahrten bei der StraĂenbahn. TagsĂźber mĂźssen die Fahrdrähte nicht mehr enteist werden, in der Regel fahren die Obusse so häufig, dass sich dann kein Eis mehr ansetzt â anders zum Beispiel in Eberswalde, dort verkehren die Oberleitungsbusse am Wochenende so selten, dass bei starker Vereisung im Ersatzverkehr mit Omnibussen gefahren werden muss.
Bereits in frĂźheren Jahren experimentierte man ferner mit beheizbaren Fahrdrähten, so beispielsweise in NĂźrnberg, Berlin und Eberswalde in den 1930er und 1940er Jahren.cite-ref-bvs-spa-190-0[189]cite-ref-ken5-191-0[190]cite-ref-192[191] In St. Gallen ist dies bis heute nur im Bereich der Eishalle im Lerchenfeld der Fall. Dort herrscht situationsbedingt eine besonders hohe Luftfeuchtigkeit.cite-ref-stgallertagblatt-189-1[188] Bei der Beheizung der Oberleitung nutzt man den Innenwiderstand des Fahrdrahts als groĂen sich erwärmenden Widerstand. Da solche sehr aufwändigen Schaltungen nicht mit allen Gleichrichtern mĂśglich sind, kann eine solche Beheizung nicht Ăźberall durchgefĂźhrt werden.cite-ref-ken2-52-5[52] In Salzburg wird die Oberleitung bei starker Vereisung mittels eines kontrollierten Kurzschlusses in allen Unterwerken aufgetaut.cite-ref-krone-184-1[183] Auf den Leipziger Ăberlandlinien B nach Markranstädt und C nach Zwenkau wurde die Fahrleitung ebenfalls durch das gezielte Schalten von KurzschlĂźssen an den Enden der Speisebereiche Ăźber dafĂźr eingebaute besondere Mastschalter abgetaut. Unabhängig davon existieren auch bei Oberleitungsbusfahrleitungen Weichenheizungen.
Wirtschaftliche Aspekte
Allgemeine Betrachtungen und Vorteile
Moderne Obusse haben eine maximale Leistungsaufnahme von Ăźber 700 Kilowatt und erreichen Beschleunigungen, die teilweise Ăźber denen von Personenkraftwagen liegen. Dies wirkt sich positiv auf die Umlaufplanung aus, es kĂśnnen kĂźrzere Fahrzeiten zwischen zwei Haltestellen und somit auch kĂźrzere Reisezeiten erzieltcite-ref-193[192]cite-ref-sbeb-194-0[193] beziehungsweise mehr Zwischenstationen bedient werden. Auf langen Linien mit vielen Ampel-Aufenthalten beziehungsweise Haltestellen kĂśnnen im Vergleich zum Dieselbusbetrieb mitunter Kurse eingespart werden.cite-ref-195[194] Sind die Fahrpläne auf langsamere Omnibusse ausgelegt, ermĂśglichen Oberleitungsbusse einen pĂźnktlicheren und somit stabileren Betrieb. Weiter erlaubt die hohe Anfahrgeschwindigkeit Oberleitungsbussen ein problemloseres und somit sichereres Einfädeln in den flieĂenden Verkehr, als dies bei Omnibussen der Fall ist. Dies ist insbesondere beim Anfahren aus Bushaltebuchten, aber auch an Vorfahrtsstellen von Vorteil. Nicht zuletzt entsteht bei Oberleitungsbussen im Stillstand kein Energieverlust. AuĂerdem sind sie im Winter im Allgemeinen auch bei Minusgraden startbereit, weil das Problem der Versulzung entfällt. Zudem erhĂśht sich die Wohnqualität in den durchfahrenen StraĂenzĂźgen.cite-ref-sbeb-194-1[193]
Ebenso sind Oberleitungsbusse problemlos in topografisch schwierigen Gegenden einsetzbar und bieten auch dort Vorteile gegenĂźber Omnibussen. Gleiches gilt fĂźr den Einsatz bei winterlichen StraĂenverhältnissen, insbesondere zweimotorige Obusse sind hierbei im Vorteil. Zudem ermĂśglichen Obusse auch auf sehr steilen Streckenabschnitten einen elektrischen Betrieb, während Adhäsionsbahnen nur selten Steigungen hĂśher als 100 Promille Ăźberwinden. So befahren die Trolleybusse der Linie 24 in San Francisco beispielsweise eine 228 Promille steile Passage.cite-ref-196[195] Sie wurde zusammen mit einer weiteren Steigungsstrecke in den 1980er Jahren elektrifiziert, nachdem es dort zu Problemen im Omnibusbetrieb kam.cite-ref-munibook-197-0[196] Nicht zuletzt erreichen Oberleitungsbusse auf Bergstrecken grĂśĂere HĂśchstgeschwindigkeiten als Omnibusse. AuĂerdem kĂśnnen sie im Vergleich zu StraĂenbahnen engere Kurvenradien befahren. Dies wirkt sich insbesondere bei der Trassierung in engbebauten Altstädten â wo leise und emissionsfreie Verkehrsmittel besonders gefragt sind â positiv aus. Ein spezieller Vorteil gegenĂźber Dieselbussen ergibt sich in besonders hoch gelegenen Städten, wo der Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren aufgrund der sauerstoffärmeren Luft geringer ist.cite-ref-198[197]
Ein weiterer Vorteil gegenĂźber schienengebundenen Nahverkehrssystemen ist die schnellere Realisierungszeit. Während beim Trolleybus fĂźr Planung und Bau einer neuen Route zwischen zwei und vier Jahren veranschlagt werden, vergehen beim Bau einer StraĂenbahnstrecke zwischen den ersten Voruntersuchungen und der Fertigstellung in der Regel zehn bis zwanzig Jahre.cite-ref-das-moderne-trolleybus-system-199-0[198] Der Oberleitungsbus Landskrona wurde beispielsweise in nur sechs Monaten errichtet. Zudem entstehen beim Bau kaum Infrastruktur-Behinderungen, da nur die Oberleitung aufgehängt werden muss und keine Schienen auf der StraĂe verlegt werden mĂźssen. Damit bleibt gerade in EinkaufsstraĂen während der Bauphase die Zugänglichkeit zu den Geschäften gewährleistet.cite-ref-schmitz-200-0[199]
Ferner ergeben sich fßr Oberleitungsbusse Vorteile bei der Besteuerung. So beträgt etwa in Schweden der jährliche Steuersatz fßr einen Dieselbus 20.400 Schwedische Kronen, während fßr einen Obus nur 930 Schwedische Kronen anfallen.cite-ref-landskrona-world-s-smallest-system-201-0[200] In Deutschland sind Oberleitungsbusse schon seit dem 1. Mai 1955 gänzlich von der Kraftfahrzeugsteuer befreit.cite-ref-ken4-72-1[72] Aufgrund der geringeren Unfallgefahr sind zudem die Prämien fßr die Haftpflichtversicherung von Trolleybussen nur halb so hoch wie diejenigen von Dieselbussen.cite-ref-202[201]
GegenĂźber Batteriebussen ergibt sich der spezielle Vorteil, dass Trolleybusse das Stromnetz gleichmäĂiger belasten und unterwegs keine Zwangsaufenthalte durch Nachladen der Speicher entstehen.cite-ref-203[202] So kann ein Oberleitungsbus â beispielsweise im Verspätungsfall â nach Erreichen seiner Endhaltestelle sofort wieder zurĂźckfahren.
Investitionskosten Fahrzeug
Im Gegensatz zu einem Dieselbus sind die Anschaffungskosten bei Oberleitungsbussen deutlich hĂśher. So ist der Neupreis eines Oberleitungsbusses etwa doppelt so hoch wie der eines vergleichbaren Standardlinienbusses.cite-ref-positionspapier-salzburg-5-2[5]cite-ref-vossloh-kiepe-106-2[105] Bei Solowagen ist dieser Faktor tendenziell hĂśher als bei Gelenkwagen, weil die elektrische AusrĂźstung â bis auf den schwächeren Motor â weitgehend identisch ist. So wurde in Landskrona im Vorfeld der Obus-EinfĂźhrung ermittelt, dass ein Solo-Obus 2,4 mal so teuer ist wie ein Solo-Dieselbus.cite-ref-landskrona-world-s-smallest-system-201-1[200] In Winterthur kam man sogar auf einen Faktor von 3,0.cite-ref-systemvergleich-winterthur-204-0[203] Erschwerend hinzu kommen bei den Fahrzeugkosten die typischerweise kleineren StĂźckzahlen bei Obus-Serien, nicht selten handelt es sich dabei um Sonderanfertigungen fĂźr bestimmte Betriebe.
Die Kaufpreise fĂźr neue Trolleybusse variieren â je nach gewählter Ausstattung, anvisierter Lebensdauer und dem Produktionsland â erheblich. Die Bandbreite fĂźr einen Gelenkwagen liegt dabei zwischen 400.000 und 750.000 Euro.cite-ref-das-moderne-trolleybus-system-199-1[198] FĂźr Salzburg wird der Preis eines Gelenkwagens mit 550.000 Euro angegeben, davon entfallen 50.000 Euro auf den optionalen Hilfsmotor.cite-ref-205[204] In St. Gallen wurden die Kosten fĂźr einen neuen Gelenktrolley 2007 sogar mit 1,2 Millionen Schweizer Franken angegeben, das heiĂt nach damaligem Kurs knapp 800.000 Euro.cite-ref-206[205] Die Solaris Trollino 18 in Eberswalde kosteten etwa 800.000 Euro, während die Dieselbusvariante Solaris Urbino 18 nur 240.000 Euro kostet.
Ausgleichend zu den erhĂśhten Investitionskosten liegen die Laufleistung und die Lebensdauer eines Oberleitungsbusses deutlich Ăźber denen von Dieselbussen. Ursächlich hierfĂźr ist in erster Linie der geringere VerschleiĂ beim Antriebssystem. So wird ein Dieselbus im Regelfall bereits nach 10 bis 14 Jahren ausgemustert, während ein Trolleybus im Normalfall eine Abschreibungsdauer von 15 bis 20 Jahren erreicht.cite-ref-positionspapier-salzburg-5-3[5]cite-ref-vbsh-studie-31-1[31]cite-ref-vossloh-kiepe-106-3[105] Oft bleiben sie sogar dreiĂig Jahre und länger im Einsatz, dabei sind Laufleistungen von Ăźber einer Million Kilometer keine Seltenheit. Besonders bemerkenswert ist diesbezĂźglich ValparaĂso in Chile, dort stehen bis heute Wagen aus den 1940er Jahren im täglichen Planeinsatz. In der nordkoreanischen Hauptstadt PjĂśngjang weisen die ältesten Trolleybusse Tachostände von Ăźber zweieinhalb Millionen Kilometern auf.cite-ref-207[206]
Mitunter werden auĂerdem die elektrischen Komponenten eines Oberleitungsbusses noch in nachfolgende Fahrzeuggenerationen eingebaut. So beispielsweise beim ehemaligen Oberleitungsbus Wellington, wo bei der letzten Wagengeneration 25 Jahre alte E-AusrĂźstungen erneut verwendet wurden.cite-ref-208[207]
Aufgrund der sehr unterschiedlichen technischen Parameter der einzelnen Netze â darunter Fahrleitungsspannung, Polarität, Weichensteuerung und Nutzbremsung â kĂśnnen die Fahrzeuge nicht beliebig zwischen den einzelnen Verkehrsnetzen ausgetauscht werden. Aus diesem Grund besteht beim Oberleitungsbus nur ein beschränkter Markt fĂźr Gebrauchtfahrzeuge.cite-ref-positionspapier-salzburg-5-4[5] Oft sind ausgemusterte Wagen unverkäuflich; finden sie dennoch einen Abnehmer, ist der erlĂśste Verkaufspreis vergleichsweise gering. So wurden seit 1990 zahlreiche Fahrzeuge nach Osteuropa abgegeben, insbesondere nach Bulgarien und Rumänien.
Investitionskosten Infrastruktur
| zweispurige Fahrleitung je Kilometer | 210.000 ⏠|
|---|---|
| Kreuzung | 0 20.700 ⏠|
| Auslaufweiche (elektrisch) | 0 55.000 ⏠|
| Einlaufweiche (mechanisch) | 0 20.100 ⏠|
| Streckentrenner | 0 14.800 ⏠|
| Speisepunkt | 00 6.400 ⏠|
| Fahrleitungsmast | 00 3.500 ⏠|
| Gleichrichterstation | 430.000 ⏠|
Die Investitionskosten fĂźr die Oberleitung sind abhängig von den jeweiligen topografischen und städtebaulichen Bedingungen. Am gĂźnstigsten sind dabei Fahrleitungen in geraden Häuserschluchten, wo Wandbefestigungen statt Oberleitungsmasten verwendet werden kĂśnnen. Am kostspieligsten sind kurvige Strecken und Strecken in coupiertem freiem Gelände, beispielsweise auf Ăberlandabschnitten. Bei entsprechender Planung kĂśnnen in bebauten Gebieten die Oberleitungsmasten mit den Lichtmasten der Ăśffentlichen StraĂenbeleuchtung kombiniert werden, wobei erstere generell etwas stabiler ausgefĂźhrt sein mĂźssen. Mitunter dienen solche universell verwendbare Masten auch als Bauvorleistung fĂźr potentielle Trolleybusstrecken. So war beispielsweise die HochstraĂe in Schaffhausen im Hinblick auf eine zeitweise geplante Elektrifizierung der Autobuslinie 3 bereits ab den 1990er Jahren mit Fahrleitungsmasten ausgestattet, die aber letztlich nur der Beleuchtung dienen.cite-ref-bockonline-124-2[123] Umgekehrt kann eine Obusstrecke auch als Bauvorleistung fĂźr eine spätere StraĂenbahnstrecke dienen, im Idealfall kĂśnnen Oberleitungsmasten, Oberleitungsrosetten und Unterwerke weiterverwendet werden.
Ein weiterer variabler Kostenfaktor beim Obus ist die Länge der Speiseleitungen â nicht immer kĂśnnen die Unterwerke dort errichtet werden, wo dies aus elektrischen Gesichtspunkten sinnvoll wäre. Neue Obus-Fahrleitungen amortisieren sich dabei im Durchschnitt erst nach 22 Jahren.cite-ref-trolleymotion-pro-obus-209-0[208] Buchhalterisch wird eine Fahrleitung Ăźber 25 Jahre linear abgeschrieben.cite-ref-systemvergleich-winterthur-204-1[203] Generell sind Obus-Fahrleitungen recht langlebig, sie kĂśnnen eine Lebensdauer von vierzig bis fĂźnfzig Jahren erreichen.
Ein groĂer Vorteil ergibt sich im Vergleich zur StraĂenbahn. So belaufen sich die Investitionskosten einer Obus-Linie nur auf zehn bis fĂźnfzehn Prozent der Kosten fĂźr eine StraĂen- oder Stadtbahnlinie.cite-ref-210[209] Die Kosten, die bei der Neuerrichtung eines Trolleybusbetriebs anfallen, sind der Tabelle rechts zu entnehmen. Die Angaben dienen lediglich der Veranschaulichung der GrĂśĂenordnung und sind daher als Richtwerte zu verstehen. Davon entfallen etwa zwei Drittel auf die Arbeitskosten und ein Drittel auf die Materialkosten.cite-ref-positionspapier-salzburg-5-5[5] Als Faustregel rechnet man beim Trolleybus mit einer Million Euro Baukosten je Kilometer Neubaustrecke.cite-ref-schmitz-200-1[199] In der Schweiz kalkulierte man 2008 mit Kosten zwischen 700.000 und 1.000.000 Schweizer Franken pro Kilometer.cite-ref-bockonline-124-3[123]
Betriebskosten, Energieverbrauch und Rekuperation
Bei Oberleitungsbussen sind die Betriebskosten hĂśher als bei Omnibussen, sie liegen etwa zehn bis zwanzig Prozent Ăźber denen bei reinem Dieselbusbetrieb. Lässt man die Personalkosten unbetrachtet â sie sind bei beiden Systemen identisch, machen aber mit etwa drei Vierteln den grĂśĂten Anteil bei den Betriebskosten aus â, so ist der Obusbetrieb sogar um fĂźnfzig bis hundert Prozent teurer als der Dieselbusbetrieb.
Ursächlich fĂźr diese hĂśheren Kosten sind in erster Linie die Oberleitungen und Unterwerke, deren Instandhaltung, Erneuerung und regelmäĂige Inspektion einen zusätzlichen Ausgabenfaktor darstellt. Darin inbegriffen ist unter anderem auch die Vorhaltung von Turmwagen samt Mannschaft im Bereitschaftsdienst, der permanente Austausch der Schleifkohle-Einsätze sowie die aufwändige Fahrleitungsenteisung im Winter.
DarĂźber hinaus ist die Wartung der Fahrzeuge teurer als bei Omnibussen. Zwar ist ein Trolleybusmotor prinzipiell wartungsfreundlicher als derjenige eines Dieselbusses, unter anderem weil der Aufwand fĂźr die Wartung der Abgasfilter entfällt und kein Ălwechsel erforderlich ist. Ebenso kommt der Antriebsstrang mit weniger mechanischen Teilen aus. Jedoch ist der Aufwand fĂźr die Wartung der Elektronik und der Mechanik der Stromabnehmer grĂśĂer.cite-ref-systemvergleich-winterthur-204-2[203] Zudem ist im StĂśrungsfall die Fehlerdiagnose bei Elektromotoren deutlich aufwändiger als bei Dieselmotoren.cite-ref-vbsh-studie-31-2[31] Aus diesen GrĂźnden kĂśnnen Wartungs- und Reparaturarbeiten in der Regel nicht an externe Werkstätten ausgelagert werden, wie dies bei Omnibussen teilweise Ăźblich ist. Zudem kĂśnnen Oberleitungsbusse ohne Hilfsmotor auswärtige Werkstätten nicht aus eigener Kraft erreichen.
Der reine Energieverbrauch ist beim Oberleitungsbus â trotz der hĂśheren Fahrzeugmasse â deutlich geringer als beim Dieselbus, da der Wirkungsgrad durch die Elektromotoren besser ist. Der Energieverbrauch ist bezogen auf den Personenkilometer aufgrund des hĂśheren Rollwiderstandes aber generell etwa ein Drittel hĂśher als bei einer StraĂenbahn. Insbesondere auf Linien mit langen Gefällestrecken oder einer Vielzahl von Bremsvorgängen kĂśnnen moderne Oberleitungsbusse auĂerdem ihre Bremsenergie â analog zu elektrisch betriebenen Bahnen â in die Oberleitung zurĂźckspeisen. Hierbei spricht man von einer Nutzbremse beziehungsweise einer elektromotorischen Bremse, beide basieren auf dem Rekuperationsprinzip. Diese Methode wird bei Oberleitungsbussen seit den 1980er Jahren angewandt und wurde seither stetig verbessert. Bei heutigen Antrieben liegt der RĂźckspeisegrad bei bis zu dreiĂig Prozent der aufgenommenen Energie.cite-ref-vossloh-kiepe-106-4[105] Durch die StromrĂźckspeisung kĂśnnen in Einzelfällen sogar Kostenvorteile gegenĂźber dem Dieselbusbetrieb erzielt werden.cite-ref-das-moderne-trolleybus-system-199-2[198]
Ein Forschungsbericht der Fachhochschule KĂśln kam in der ersten Hälfte der 1990er Jahre â bezogen auf die vergleichsweise hĂźgelige Stadt Solingen â zu folgenden Ergebnissen beim Energieverbrauch der damals dort eingesetzten Oberleitungsbusse:cite-ref-langer-solingen-92-94-211-0[210]
| | Stromenergieaufnahme je km | Verbrauch abzĂźglich Rekuperation je km | Einsparung durch Rekuperation |
|---|---|---|---|
| Solowagen MAN SL 172 HO | 2,47 kWh | 1,87 kWh | â24,3 % |
| Gelenkwagen MAN SG 200 HO | 3,21 kWh | 2,43 kWh | â24,3 % |
Modernere Typen verfĂźgen zwar Ăźber energieeffizientere Motoren, die heute aus Kundensicht geforderte Klimatisierung sowie moderne digitale Fahrgastinformationssysteme kompensieren diesen Effekt aber wieder.cite-ref-vbsh-studie-31-3[31]cite-ref-212[211] Prinzipiell sind die Verbrauchswerte zwischen einzelnen Typen beziehungsweise Betrieben nur bedingt miteinander vergleichbar. Sie werden durch Faktoren wie die Topografie der jeweiligen Linien, den Haltestellenabstand, die Verkehrsdichte, Tempolimits, die Art des Motors, das Masse-Leistungs-Verhältnis, den Besetzungsgrad, das Gewicht des Hilfsantriebs, die Fahrplankalkulation und nicht zuletzt durch den Fahrstil des Personals beeinflusst. DarĂźber hinaus ist auĂerdem der Gesamtstromverbrauch im Winter um rund ein Drittel hĂśher als im Sommer, unter anderem weil in der kalten Jahreszeit mehr Personen Ăśffentliche Verkehrsmittel benutzen.cite-ref-213[212]
Auch der Rekuperationsgrad ist sehr stark von den topografischen Verhältnissen abhängig. So speisen die Oberleitungsbusse auf der durchgehend flachen Strecke in Landskrona nur 16 Prozent der aufgenommenen Energie wieder in die Oberleitung zurĂźck.cite-ref-landskrona-world-s-smallest-system-201-2[200] Weitere EinflussgrĂśĂen sind die Aufnahmefähigkeit des Fahrleitungsnetzes, die Länge der Speisebezirke und die Anzahl der Querkupplungen. Weiterhin sind nicht alle Unterwerke rĂźckspeisefähig. Damit wird die Rekuperation auch fahrplanabhängig, denn die Bremsenergie eines talwärts fahrenden Wagens kann nur genutzt werden, wenn sich im selben Speisebezirk zur selben Zeit ein Obus auf Bergfahrt befindet. Dieser Nachteil kann kompensiert werden, indem zwischen den einzelnen Unterwerken Ăberleitungen eingebaut oder an der Strecke Kondensatoren zur Zwischenspeicherung platziert werden. Sogenannte bidirektional gekoppelte Unterwerke wiederum ermĂśglichen alternativ die RĂźckspeisung von Bremsenergie in das reguläre Stromnetz des Ăśrtlichen Stromversorgers.cite-ref-214[213]
Die aus dem Energieverbrauch resultierenden tatsächlichen Energiekosten sind sowohl beim Oberleitungsbus als auch beim Dieselbus vom jeweiligen Strom- oder Ălpreis abhängig und unterliegen daher ständigen Schwankungen. Prinzipiell ist der Obus deutlich weniger von den jeweils geltenden Rohstoffpreisen abhängig als der Dieselbus.cite-ref-215[214] Zudem ist der Dieselpreis seit 1991 um ein Vielfaches stärker gestiegen als die Strompreise.cite-ref-das-moderne-trolleybus-system-199-3[198] In der Schweiz erhĂśhte er sich beispielsweise zwischen 1996 und 2006 im Schnitt um drei Prozent jährlich.cite-ref-eine-erg-nzende-analyse-zum-infras-bericht-216-0[215]
Beispielhaft fßr die Obus-Betriebskosten in ihrer Gesamtheit (ohne Personalkosten) eine Analyse der Innsbrucker Verkehrsbetriebe aus dem Geschäftsjahr 2003. Sie gingen bei den Betriebskosten ihrer Oberleitungsbusse von folgenden Kostensätzen aus, die Angaben gelten je gefahrenen Betriebskilometer:cite-ref-obus-graz-217-0[216]
| | Gelenk-Dieselbus | Gelenk-Obus | Differenz |
|---|---|---|---|
| Instandhaltung Fahrzeuge | 0,52 ⏠| 0,70 ⏠| +35 % |
| Instandhaltung Oberleitung und Unterwerke | - | 0,16 ⏠| kein Vergleich mÜglich |
| Energiekosten | 0,30 ⏠| 0,19 ⏠| â37 % |
| Gesamtbetrachtung | 0,82 ⏠| 1,05 ⏠| +28 % |
Ein weiterer Kostenfaktor: Aufgrund des hĂśheren Fahrzeuggewichts und des stärkeren Drehmoments ist bei Oberleitungsbussen auch die StraĂenunterhaltung teurer als bei Dieselbussen.cite-ref-arko-filipovi-108-2[107] Dies gilt insbesondere, falls die Achslasten Ăźber das gesetzliche Maximum erhĂśht werden.cite-ref-trolleybusstrategie-218-0[217] Nicht zuletzt muss das Lichtraumprofil der Fahrleitung aus SicherheitsgrĂźnden immer wieder freigeschnitten werden, analog zur Vegetationskontrolle bzw. Fahrwegpflege an elektrifizierten Bahnstrecken. Nach DIN VDE 0105 (Deutschland) beziehungsweise DIN EN 50110 (Betrieb von elektrischen Anlagen) ist bei 600 oder 750 Volt Fahrleitungsspannung ein Mindestabstand von einem Meter vorgeschrieben. Die Zusatzkosten bei der Ausbildung des Fahrpersonals kĂśnnen hingegen weitgehend vernachlässigt werden, sie fallen im Verhältnis zu den Ăźbrigen Betriebskosten nicht weiter ins Gewicht.cite-ref-vbsh-studie-31-4[31]
Fahrgastzuspruch und Sympathiebonus
Passagiere schätzen die ruck- und vibrationsarme Fahrweise eines Oberleitungsbusses sowie die stufenlose Beschleunigung. Infolge der Bindung an die Oberleitung ergibt sich zwangsläufig ein Fahrstil mit geringeren Querbeschleunigungen in Kurven. Zudem erlaubt die Elektrotraktion feinere BremsmanĂśver.cite-ref-219[218] AuĂerdem entfällt der mitunter wahrzunehmende Abgasgeruch im Innenraum.
In diesem Zusammenhang stellte man beispielsweise im franzĂśsischen Lyon fest, dass â bei freier Auswahl des Fahrzeugs und gleichen Voraussetzungen bezĂźglich LinienfĂźhrung und Fahrplan â sechzig Prozent der Fahrgäste den Trolleybus statt des Omnibusses wählen.cite-ref-litra-renaissance-220-0[219] Statistiken verschiedener Verkehrsbetriebe zeigen, dass der Auslastungsgrad auf Trolleybuslinien zwischen zehn und zwanzig Prozent hĂśher ist als auf vergleichbaren reinen Dieselbuslinien.cite-ref-schmitz-internationale-trolleybusaktivit-ten-221-0[220] So stiegen etwa im niederländischen Arnheim die Passagierzahlen nach der 1998 erfolgten Umstellung der Linie 7 um rund zehn Prozent.cite-ref-222[221] In ZĂźrich geht man ebenfalls von einem Nachfragezuwachs von rund zehn Prozent infolge einer Elektrifizierung aus.cite-ref-223[222] Im schwedischen Landskrona wurde im Vorfeld der Umstellung auf Obus-Betrieb sogar eine Fahrgaststeigerung von 25 Prozent prognostiziert.cite-ref-lehmann-landskrona-224-0[223]
Ferner ist in diesem Zusammenhang auch die sichtbare LinienfĂźhrung bei Oberleitungsbussen von Vorteil: So ist fĂźr Fahrgäste stets ersichtlich, wo eine Linie verläuft und in welcher Richtung sie die nächste Haltestelle des Ăffentlichen Personennahverkehrs finden. Man spricht hierbei von einer ständigen visuellen Präsenz im Ăśffentlichen Raum.cite-ref-trolleymotion-pro-obus-209-1[208] SchlieĂlich zeichnen sich Oberleitungsbusse durch ihre klare Linienstruktur aus, während die Fahrroute bei Omnibuslinien im Tagesverlauf oder von Kurs zu Kurs typischerweise oft wechselt.
Der sogenannte Trolleybus-Bonus gilt â im Gegensatz zum Schienenbonus â als umstritten bzw. ist statistisch oft nicht nachweisbar. So wird er in Salzburg mit nur fĂźnf Prozent angegeben, bei den Betrieben in Innsbruck, Kapfenberg und Linz konnte hingegen gar kein derartiger Effekt nachgewiesen werden.cite-ref-obus-graz-217-1[216]
DarĂźber hinaus gilt der Oberleitungsbus vielerorts als Sympathieträger mit Identifikationswirkung in der BevĂślkerung. Viele Städte versuchen auĂerdem mit dem Betrieb eines Obus-Netzes ihren Charakter als Ăśkologisch und nachhaltig handelnde Gemeinde hervorzuheben. Insbesondere in Ländern mit wenigen Obus-Betrieben gilt ein solcher deshalb häufig als werbewirksames Alleinstellungsmerkmal gegenĂźber anderen Städten. In Chile wurde beispielsweise der Oberleitungsbus ValparaĂso â der einzige Betrieb des Landes â vom Staat als besonders erhaltenswertes Kulturgut eingestuft.cite-ref-225[224]
Ăkologische Aspekte
Geräuscharmer Betrieb
Der geräuscharme Betrieb ist ein wichtiges Ăśkologisches Argument fĂźr den Trolleybus. In einer 1997 erschienenen Studie des Schweizer Dienstes fĂźr Gesamtverkehrsfragen (GVF) wird beispielsweise von einer Verringerung der Schallemissionen um 55 Prozent gesprochen. In Arnhem wurden, laut einer VerĂśffentlichung des Ăśrtlichen Trolleybusunternehmens, beim Trolleybus 72 Dezibel gemessen, bei einem gleich schnell fahrenden Dieselbus hingegen 78 Dezibel.cite-ref-swed-125-1[124] In Esslingen am Neckar und in Schaffhausen ermittelte man beim Dieselbus sogar einen um neun Dezibel hĂśheren Lärmwert, dies entspricht einer achtfachen LärmerhĂśhung.cite-ref-vbsh-studie-31-5[31]cite-ref-eine-erg-nzende-analyse-zum-infras-bericht-216-1[215] Weiter stellte man fest: auf StraĂen mit einem Verkehrsaufkommen von unter 10.000 täglichen Fahrzeugen, das heiĂt in typischen Wohngebieten, verursacht der Dieselbusbetrieb 30 Prozent der Lärmemissionen.cite-ref-eine-erg-nzende-analyse-zum-infras-bericht-216-2[215] Die Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen machten in diesem Zusammenhang die Erfahrung, dass aus den Quartieren regelmäĂig Reklamationen kommen, wenn auf Trolleybuslinien wegen StĂśrungen oder StraĂenbaustellen befristete Umstellungen auf Autobusbetrieb vorgenommen werden mĂźssen.cite-ref-226[225] DarĂźber hinaus sind auch die Innengeräusche eines Oberleitungsbusses geringer, ursächlich hierfĂźr ist vor allem die schwächere Vibration der Inneneinrichtung.cite-ref-trolleybusstrategie-218-1[217] Im Vorteil ist der Oberleitungsbus diesbezĂźglich aber auch gegenĂźber StraĂenbahnen, weil der Schienenverkehrslärm respektive das Rad-Schiene-Geräusch und insbesondere das Kurvenquietschen entfällt.
Trotz des weitgehend geräuscharmen Betriebs kĂśnnen â abhängig vom jeweiligen Obus-Typ â die Nebenaggregate auch im Stand fĂźr eine permanente Geräuschentwicklung sorgen, darunter beispielsweise die verwendeten Druckluftkompressoren (Kolben- oder Schraubenkompressoren), die Klimaanlage und insbesondere auch die Ventilatoren zur KĂźhlung der elektrischen Anlagenteile. Anders als bei Dieselbussen â die ihre Motoren bei längeren Aufenthalten abschalten â kann sich dies insbesondere an Obus-Endhaltestellen in Wohngebieten negativ bemerkbar machen. Der Lärmpegel variiert dabei von Typ zu Typ und sorgt mitunter fĂźr Beschwerden der betroffenen Anwohner.cite-ref-227[226] In Deutschland unterliegen Oberleitungsbusse als einzige StraĂenfahrzeuge im Zulassungsverfahren nach Kraftfahrt-Bundesamt nicht der Standgeräuschs-Messung und entsprechender Begrenzung. Nach der geltenden Rechtsprechung sind bei Aufenthalten an Endhaltestellen die in der TA Lärm festgelegten Grenzwerte anzuwenden, sie kĂśnnen je nach Hersteller des Fahrzeugs fallweise deutlich Ăźberschritten werden.
Emissionsfreiheit
Der abgasfreie Betrieb gilt als entscheidender Vorteil von Oberleitungsbussen. Lässt man die Schallemission, den Reifenabrieb und den SchleifkohlenverschleiĂ auĂer Acht, so ist der Oberleitungsbus ein emissionsfreies Fahrzeug. In einem Forschungsbericht der Fachhochschule KĂśln Ăźber die Energie-, Kosten- und Emissionsbilanz von Oberleitungsbussen wurde zusammenfassend festgestellt, dass moderne Oberleitungsbusse âdie Atmosphäre mit erheblich geringeren Schadstoffen als eine gleichgelagerte Dieselbusflotte belastenâ.cite-ref-langer-solingen-92-94-211-1[210] Besonders bei lokal und emissionsfrei erzeugtem Strom ist der Neubau von Obus-Strecken eine geeignete MaĂnahme zur Verbesserung der Luftqualität.
Im Vergleich zu schienengebundenen Bahnen entfällt bei den allermeisten Obussen der bei Glätte und starken Bremsungen gestreute Bremssand, der von den Rädern zermahlen wird. Laut einer Studie des Ăsterreichischen Vereines fĂźr Kraftfahrzeugtechnik wĂźrde in Wien gesetzt der Annahme, dass der von Schienenfahrzeugen als Gleitschutz verwendete Quarzsand zu einem nicht abschätzbaren Teil zu Feinstaub zermahlen wĂźrde, ein entsprechender Anteil an der Feinstaubbelastung durch den Schienenverkehr verursacht.cite-ref-228[227] Der Fahrleitungs- und SchleifkohlenverschleiĂ bei Oberleitungsbussen kĂśnne weitgehend vernachlässigt werden, da die daraus resultierenden Partikelemissionen deutlich weniger gesundheitsgefährdend als Abgaspartikel aus Verbrennungsmotoren sind.cite-ref-vbsh-studie-31-6[31] Allerdings handelt es sich beim Fahrleitungsabrieb vorwiegend um relativ grobe Kupferpartikel mit einem Durchmesser von zirka einem Mikrometer. In Luzerner Stadtgebiet betragen die zusätzlichen Abriebemissionen des Trolleybusses gegenĂźber dem Dieselbus beispielsweise rund 380 Kilogramm jährlich, dies sind knapp zwei Prozent der totalen Abriebemissionen des StraĂenverkehrs.cite-ref-trolleybusstrategie-218-2[217]
Laut der Schweizer Studie Umweltverträglichkeit und Energieeffizienz des Trolleybusses â externe Kosten schneidet der Oberleitungsbus im Vergleich mit den konkurrierenden Verkehrsmitteln Omnibus und StraĂenbahn wie folgt ab:cite-ref-229[228]
| | Obus um circa x % besser | Obus um circa x % besser |
|---|---|---|
| | als Omnibus | als StraĂenbahn |
| Energieverbrauch | + 40 | â 30 |
| Treibhausgase (CH- Strommix ) | + 75 | Âą 0 |
| Stickoxide (ohne / mit Euro IV ) | + 90 / 80 | + 40 |
| Kohlenwasserstoffe (ohne / mit Euro IV) | + 70 / 55 | + 75 |
| Feinpartikel (ohne / mit Filter) | + 70 / 20 | + 40 |
| Grobpartikel | + 25 | + 60 |
| Lärm | + 90 | + 25 |
| Landverbrauch | Âą 0 | â 25 |
| Unfälle | Âą 0 | â 65 |
Zu vergleichbaren Ergebnissen kommt W. Hendlmeier von der Universität MĂźnchen. Laut seinen Angaben spart der Oberleitungsbus â verglichen mit einem Dieselbus â auf je 100 Platzkilometern folgende Umweltbelastungen ein:cite-ref-positionspapier-salzburg-5-6[5]
⢠04,8 Gramm Kohlenstoffmonoxid (CO)
⢠17,9 Gramm Stickoxide (NOx)
⢠03,3 Gramm Schwefeldioxid (SO2)
⢠11,1 Gramm Kohlenwasserstoff (CH)
⢠0,68 Liter Dieselkraftstoff
Unfallstatistik
Bedingt durch ihre Fahrleitung und die Stromabnehmer sind Oberleitungsbusse auch im dichten Stadtverkehr fĂźr alle Verkehrsteilnehmer gut erkennbar. Dies fĂźhrt â verglichen mit Dieselbussen â zu einer niedrigeren Unfallhäufigkeit.cite-ref-litra-renaissance-220-1[219] In der Schweiz wurde statistisch nachgewiesen, dass es bei Trolleybussen je Personenkilometer weniger Verletzte als im Verkehr mit Dieselbussen gibt, zudem fallen die Verletzungen leichter aus.cite-ref-vbsh-studie-31-7[31] Die Verkehrsgesellschaft Salzburg AG geht sogar von einer im Schnitt fĂźnfmal niedrigeren Unfallhäufigkeit von Trolleybussen gegenĂźber Dieselfahrzeugen aus.cite-ref-schmitz-internationale-trolleybusaktivit-ten-221-1[220] Die Verkehrsbetriebe ZĂźrich stellten fest, dass das SicherheitsgefĂźhl der Fahrgäste in den Trolleybussen aufgrund der Oberleitungsbindung besser ist als in den Autobussen.cite-ref-sbeb-194-2[193]
Im Gegensatz dazu gilt der Obus bei FuĂgängern oder Radfahrern aufgrund seines geräuscharmen Betriebs als Gefahr im StraĂenverkehr, weil er von diesen mitunter nicht rechtzeitig wahrgenommen wird. Im englischen Sprachraum war er deshalb frĂźher auch unter den Spitznamen Silent Death fĂźr stiller Tod beziehungsweise Whispering death fĂźr flĂźsternder Tod bekannt.cite-ref-230[229]cite-ref-231[230] In Oldenburg machten sich die Obusse deshalb frĂźher an den Haltestellen mit Glocken bemerkbar.cite-ref-obus-in-oldenburg-78-1[78] In Bern mĂźssen die ruhigen Trolleybusse beim Durchfahren der Spitalgasse und der Marktgasse ein Warnsignal anschalten, um die zahlreichen FuĂgänger zu warnen.cite-ref-232[231] Zudem stellt die Oberleitungsinfrastruktur selbst mitunter eine gewisse zusätzliche Unfallgefahr dar. So kollidierte 2016 im tschechischen Otrokovice ein Obus frontal mit einem Mast, knickte diesen in Schräglage und rutschte an ihm hinauf. Hierbei wurden 13 Menschen verletzt, davon fĂźnf schwer bis lebensgefährlich.cite-ref-233[232]
Kritik und Nachteile
Bereits seit seiner EinfĂźhrung steht der Oberleitungsbus in direkter Konkurrenz zu Omnibussen einerseits sowie zu StraĂenbahnen andererseits. Mitunter wird in diesem Zusammenhang kritisiert, dass der Obus die Nachteile beider Systeme miteinander verbindet.cite-ref-trolleybusstrategie-218-3[217]cite-ref-bvs-tech1-63-1[63] Vor allem in kleineren Städten wird auĂerdem der Betrieb zweier elektrischer Verkehrsmittel â in der Regel Obus und StraĂenbahn â häufig als unwirtschaftlich kritisiert. So bleibt dem Obus nur eine vergleichsweise Ăźberschaubare Marktnische auf Linien mit einem Fahrgastaufkommen, auf denen sich der Bau einer StraĂenbahn noch nicht lohnt, ein Omnibusbetrieb aber bereits unwirtschaftlich ist.cite-ref-234[233] Die Investitionen in die Obus-Infrastruktur sind damit nur auf Hauptlinien mit dichten Taktintervallen und hoher Nachfrage zu rechtfertigen.cite-ref-trolleybusstrategie-218-4[217]
Nachteile gegenĂźber dem Omnibus
Häufigster Kritikpunkt am Obus sind die hÜheren betriebswirtschaftlichen Kosten gegenßber diesel- oder gasbetriebenen Omnibussen. Aufgrund der hohen Anschaffungskosten fßr die Fahrzeuge sowie der Kosten fßr Oberleitungen und Unterwerke sind Obusse diesen betriebswirtschaftlich unterlegen.cite-ref-235[234]
Mit Bahnen teilen sich Oberleitungsbusse die Abhängigkeit von einer fest definierten StreckenfĂźhrung. Dadurch sind Umleitungen und kurzfristige Linienänderungen nicht mĂśglich. Ohne zusätzliche Fahrleitungsinfrastruktur ebenso ausgeschlossen sind abweichende oder verkĂźrzte LinienfĂźhrungen in Nebenverkehrszeiten, so wie dies beim Omnibus etwa in den Abendstunden, im Nachtverkehr und an Wochenenden in vielen Städten Ăźblich ist. In Solingen etwa werden die sechs regulären Obuslinien nachts durch sechs Nachtexpress-Omnibuslinien ersetzt, die alle eine vom Tagverkehr abweichende Strecke bedienen. Auch die gesonderte Bedienung von Schulen zu Unterrichtsbeginn und -ende beziehungsweise von Industriebetrieben zum Schichtwechsel scheidet aus, sofern diese abseits der regulären Linienwege liegen. Ferner ist auf BusbahnhĂśfen die Bedienung der einzelnen Halteplätze nur mittels aufwändiger Fahrleitungskonstruktionen mĂśglich, dies fĂźhrt in der Regel dazu, dass nicht alle Bussteige elektrifiziert werden kĂśnnen.cite-ref-236[235] In anderen Fällen mĂźssen Oberleitungsbusse mitten auf der Fahrbahn halten, weil die Fahrleitungsgeometrie ein Heranfahren an den Bordstein nicht zulässt.cite-ref-sonderdruck-237-0[236] In diesem Fall mĂźssen die Fahrgäste zum einen einen grĂśĂeren HĂśhenunterschied beim Ein- und Ausstieg Ăźberwinden, zum anderen wird der Fahrgastwechsel unter Umständen durch den Individualverkehr behindert.
Ein weiterer Nachteil der Spurgebundenheit: Oberleitungsbusse kĂśnnen einander im laufenden Betrieb nicht Ăźberholen, wie dies bei Omnibussen Ăźblich ist, damit wird auch der Einsatz von Schnellkursen erschwert oder verhindert.cite-ref-238[237] Alternativ mĂźssen an bestimmten Zwischenstationen Ăberholspuren geschaffen werden. Eine solche existierte beispielsweise von 2003 bis 2014 an der Salzburger Christian-Doppler-Klinik. Sie wurde ursprĂźnglich fĂźr die 2009 aufgegebene Expresslinie X4 eingerichtet, bewährte sich jedoch nicht.cite-ref-239[238] Ebenso kĂśnnen ins Depot einrĂźckende beziehungsweise aus dem Depot ausrĂźckende Leerfahrten oft nicht den schnellsten Weg wählen. Das heiĂt, sie kĂśnnen zum Beispiel keine Ortsumgehungen benutzen, sondern mĂźssen dem regulären Linienweg folgen. Um dies zu vermeiden, werden mancherorts Betriebsstrecken â in der Schweiz auch Dienstfahrleitung genannt â eingerichtet. Diese wiederum sind in der Unterhaltung vergleichsweise teuer, weil sie nur selten befahren werden und keine Fahrgeldeinnahmen erwirtschaften. Auch ein lastrichtungsabhängiger Verkehr â beispielsweise morgens auf dem Regelweg in die Stadt hinein und anschlieĂend als Leerfahrt schnellstmĂśglich wieder zurĂźck zum Anfangspunkt, nachmittags entsprechend umgekehrt â ist mit Oberleitungsbussen ohne aufwändige Infrastruktur nur erschwert mĂśglich. Ein Beispiel hierfĂźr ist die ZĂźrcher Linie 46, deren Verstärkerkurse mit Dieselbussen gefahren werden.cite-ref-240[239] Zudem kĂśnnen Oberleitungsbusse im StĂśrfall nicht an jeder beliebigen Stelle im Netz drehen. Im Gegensatz dazu kann ein Omnibus auf jeder grĂśĂeren Kreuzung wenden. Ferner kĂśnnen Obuslinien bei GroĂveranstaltungen nicht durch den Einsatz von Verstärkerobussen beliebig verdichtet werden, weil die Kapazität der Unterwerke meist nur fĂźr den Regelbetrieb ausgelegt ist. So musste etwa in St. Gallen eigens ein neues Unterwerk errichtet werden, als die dortigen Verkehrsbetriebe flächendeckend Doppelgelenktrolleybusse einfĂźhrten.cite-ref-241[240]
Zudem kann auch aus technischen GrĂźnden nicht jede Omnibuslinie elektrifiziert werden: Sind niveaugleiche Kreuzungen mit elektrifizierten Eisenbahnstrecken oder besonders niedrige UnterfĂźhrungen zu passieren, scheidet ein Obus-Betrieb ohne Hilfsantrieb aus. Ein Beispiel ist die UnterfĂźhrung beim Bahnhof Wuppertal-Vohwinkel, dort scheiterte die Verlängerung der Oberleitung der Solinger Linie 683 an der notwendigen Tieferlegung der Fahrbahn, die rund vier Millionen Euro gekostet hätte.cite-ref-242[241] Gleiches gilt, wenn Teilabschnitte Ăźber Autobahnen oder KraftfahrstraĂen fĂźhren, wo eine vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeit von 60 km/h oder sogar 80 km/h gefordert wird. Um Stangenentdrahtungen vorzubeugen, mĂźssen Oberleitungsbusse zudem Knotenpunkte mit Luftweichen und Fahrleitungskreuzungen sowie enge Kurven oft langsamer passieren als die Ăźbrigen motorisierten Verkehrsteilnehmer. So existiert beispielsweise in Genf eine Wendeschleife mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von zehn Kilometern in der Stunde,cite-ref-243[242] in Sankt Petersburg sind auf den KlappbrĂźcken sogar nur fĂźnf Kilometer in der Stunde erlaubt, weil die Fahrdrähte in BrĂźckenmitte kurz unterbrochen sind. Damit werden Oberleitungsbusse stellenweise zum Hindernis fĂźr den flieĂenden Verkehr.cite-ref-244[243] AuĂerdem verlängern sich die Reisezeiten gegenĂźber dem Omnibusbetrieb. Kommt es dennoch zu einer Stangenentdrahtung, blockieren Obusse mitunter ganze Kreuzungen. Zudem kĂśnnen beschädigte und dadurch herabhängende Oberleitungsdrähte Passanten und andere Verkehrsteilnehmer gefährden.
Besonders unrentabel ist es, teure Obusse fĂźr den SchĂźlerverkehr vorzuhalten. In diesem Fall werden sie nur ein- oder zweimal am Tag eingesetzt. Dies ist vor allem nachteilig, weil Trolleybusse auch nicht als Kombibus verwendet werden kĂśnnen, das heiĂt, sie kĂśnnen auĂerhalb des Liniendienstes keine Klassenfahrten, VereinsausflĂźge oder ähnliches durchfĂźhren und bringen dem Betreiber somit keine Zusatzeinnahmen im Gelegenheitsverkehr. Ein weiterer Kostenfaktor ist die Vorhaltung von Omnibussen als Betriebsreserve, um bei StĂśrungen auf Obus-Linien einen Notbetrieb aufrechterhalten zu kĂśnnen.cite-ref-bockonline2009-245-0[244]
Immer wieder kommt es auĂerdem dazu, dass der jeweilige Energieversorger aufgrund ausstehender Zahlungen seitens der Verkehrsbetriebe eine Stromsperre verhängt und damit â zum Nachteil der Fahrgäste und teilweise ohne VorankĂźndigung â den kompletten Obusbetrieb temporär oder dauerhaft stilllegt. Dies geschah beispielsweise 2002 in ValparaĂso, 2008 in Astana, Bischkek, Chudschand und Kathmandu, 2014 in Pernik, 2015 in Astrachan, Kamensk-Uralski, Kurgan und Nischni Nowgorod sowie 2017 in Rostow am Don.cite-ref-246[245]cite-ref-247[246]cite-ref-248[247]cite-ref-249[248]cite-ref-250[249]cite-ref-251[250]cite-ref-252[251]cite-ref-253[252]cite-ref-254[253]cite-ref-255[254]cite-ref-256[255]
Setzen Verkehrsbetriebe sowohl Oberleitungsbusse als auch Omnibusse parallel zueinander ein, so ist die Personaldisposition entsprechend aufwändiger. Es mßssen getrennte Dienstpläne fßr Fahrer mit und ohne Obusfahrberechtigung aufgestellt werden. Dies kann unter Umständen dazu fßhren, dass ersatzweise Omnibusse zum Einsatz kommen mßssen, weil nur Fahrer ohne Obus-Lizenz zur Verfßgung stehen.cite-ref-257[256]cite-ref-258[257] MÜchten die Verkehrsunternehmen ihre Mitarbeiter dennoch flexibel einsetzen, so muss trotz der damit verbundenen Zusatzkosten das gesamte Fahrpersonal auf Obussen geschult werden. Dies ist beispielsweise beim Städtischen Verkehrsbetrieb Esslingen am Neckar der Fall,cite-ref-sonst-schl-gt-s-funken-30-5[30] obwohl dieser deutlich mehr Omnibusse als Obusse im Bestand hat.
Ebenso ist es mit klassischen Oberleitungsbussen nicht mĂśglich, mehrere selten verkehrende Linien aus rural geprägten Vororten â wo sich die teure Fahrleitungsinfrastruktur nicht lohnt â im Stadtzentrum zu einem häufig bedienten Korridor zu bĂźndeln. Hält man im Kernbereich trotzdem am Oberleitungsbus fest, fĂźhrt dies fĂźr die Fahrgäste aus den Vororten zu einem Umsteigezwang am Stadtrand.cite-ref-259[258] Diese sogenannten gebrochenen Verkehre bei einem Mischbetrieb mit anderen Verkehrsmitteln fĂźhren zum Attraktivitätsverlust des Obusses.cite-ref-260[259] Eine Veranschaulichung dieser Problematik zeigt die Grafik rechts, die fiktive Obus-Relation ist blau dargestellt. Ăhnliches gilt fĂźr einzelne Linien, die an der Peripherie seltener fahren als im Zentrum.
Oberleitungsbusse gelten nur dann als umweltfreundlich, wenn der verwendete Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Wird er hingegen von Kohlekraftwerken, Dampfkraftwerken, Ălkraftwerken, Gasturbinenkraftwerken oder MĂźllverbrennungsanlagen bezogen, so werden die Emissionen lediglich an andere Stelle verlagert. Ist die Stromquelle ein konventionelles Kohlekraftwerk, fällt die CO2-Bilanz von Oberleitungsbussen sogar schlechter aus als fĂźr Dieselbusse.cite-ref-bockonline2009-245-1[244] Auch eine gemeinsame Studie der Verkehrsbetriebe Winterthur und des schweizerischen Bundesamts fĂźr Energie bestätigt dies, danach ist die Ăkobilanz eines Oberleitungsbusses bei âeuropäischem Stromâ nicht eindeutig besser als bei einem Dieselbus, was die um 24 Prozent hĂśheren Betriebskosten nicht rechtfertige.cite-ref-261[260] Wird der Strom mit Kernenergie erzeugt, sinkt in vielen Gesellschaftsteilen die Akzeptanz des Trolleybusses.cite-ref-bockonline2009-245-2[244] Zudem fallen bei der Stromerzeugung in Kernkraftwerken andernorts radioaktive Abfälle an.cite-ref-wir-bleiben-auf-draht-262-0[261] MaĂgeblich fĂźr den Aspekt der Umweltfreundlichkeit ist somit der jeweils gĂźltige Energiemix. Ein negatives Beispiel ist hierbei der Oberleitungsbus Tallinn, noch 2004 wurden in Estland 63 Prozent des Primärenergieverbrauchs aus Ălschiefer gewonnen.cite-ref-263[262] Als zusätzlicher Nachteil gilt die Umweltschädlichkeit der bei der Fahrleitungsenteisung verwendeten Chemikalien.cite-ref-264[263]
Ein weiterer Kritikpunkt am Oberleitungsbus ist der â angeblich mit seinem Betrieb verbundene â sogenannte Elektrosmog. Dieser ist jedoch bei Gleichstrombetrieb vernachlässigbar, da â beispielsweise in der Schweiz â fĂźr Tram und Trolleybus nicht einmal ein Grenzwert definiert ist. Zwar entstehen statische elektrische und magnetische Gleichfelder, fĂźr die die Verordnung zum Schutz vor nicht ionisierender Strahlung (NISV) einen Immissionsgrenzwert von 40 000 Mikrotesla festlegt. Dieser wird jedoch erfahrungsgemäà mit groĂer Reserve eingehalten, fĂźr die im Alltag auftretenden Gleichfelder gibt es seitens der Forschung keinerlei Hinweise auf potenzielle Gesundheitsrisiken.cite-ref-wir-bleiben-auf-draht-262-1[261] Die Elektrosmog-Belastung durch das eigene Handy, das man auf sich trägt, ist somit wesentlich grĂśĂer, als der Einfluss durch die Trolleybusfahrleitung.cite-ref-265[264]
Unabhängig davon sind zudem Dieselbusse im Laufe der Jahrzehnte umweltfreundlicher geworden, so etwa durch strengere Abgasnormen â wie zum Beispiel die Euro-Norm in der Europäischen Union â und eine verbesserte Lärmkapselung des Antriebs. Dadurch hat der Oberleitungsbus einen Teil seines Ăśkologischen Vorteils eingebĂźĂt. Auch fĂźr die Zukunft ist infolge der weiteren Verschärfung der Normen auch beim Dieselbus ein markanter RĂźckgang der motorischen Schadstoffemissionen zu erwarten.cite-ref-trolleybusstrategie-218-5[217] Zudem ist der Beitrag des Verkehrsmittels Oberleitungsbus zum globalen Klimaschutz verschwindend gering. So kommen weltweit auf etwa 600 Millionencite-ref-266[265] Kraftfahrzeuge nur etwa 40 000 Oberleitungsbusse.
Subjektiv wird auĂerdem die Oberleitung manchmal als unästhetisch empfunden, vor allem in historischen Ortskernen. Dies gilt insbesondere fĂźr komplizierte Oberleitungsanlagen im Bereich von Verzweigungen oder Kreuzungen, ebenso fĂźr die oft massiven Oberleitungsmasten, vor allem wenn diese mitten auf dem BĂźrgersteig angeordnet werden mĂźssen.cite-ref-267[266] Hierbei spricht man manchmal auch von einer visuellen Umweltverschmutzung.cite-ref-268[267]
Oberleitungsanlagen im Ăśffentlichen StraĂenraum stellen fĂźr Feuerwehr, Rettungsfahrzeuge und Rettungshubschrauber eine Gefahrenquelle dar und mĂźssen in deren Einsatzkonzepten berĂźcksichtigt werden.cite-ref-269[268] So existieren beispielsweise â speziell fĂźr doppelpolige Obus-Fahrleitungen entwickelte â Aufsätze fĂźr Erdungsstangen, etwa der sogenannte Trolley-Kurzschliesser Typ TKS70.cite-ref-270[269] Ferner erschwert die Obus-Infrastruktur in engen Häuserschluchten die Verwendung von Drehleitern ebenso wie die Aufstellung von Kranen.
Bei StraĂenumbauten mĂźssen die Obus-Fahrleitungen stets an die neue Verkehrslage angepasst werden. Selbst wenn nur Fahrstreifen ummarkiert werden, ist dies oft mit hohen Kosten verbunden. Im Fall einer StraĂenverbreiterung muss das Obus-Unternehmen zusätzlich die Versetzung der Oberleitungsmasten bezahlen.cite-ref-271[270] Wird ein an der Strecke liegendes Gebäude abgerissen, mĂźssen daran angebrachte Oberleitungsrosetten auf Kosten des Verkehrsunternehmens dauerhaft oder temporär durch Masten ersetzt werden. In letzterem Fall kommen dabei provisorische Masten zum Einsatz, die nicht im Boden verankert, sondern mit einem massiven Betonsockel beschwert werden.cite-ref-272[271] Beim Bau neuer Strecken entstehen auĂerdem hohe Prozessrisiken durch einzelne Anlieger, die die Erstellung der notwendigen Infrastruktur nicht akzeptieren. Dies gilt insbesondere bei Landbedarf fĂźr Fahrleitungsmasten.cite-ref-trolleybusstrategie-218-6[217] So reichten etwa die BĂźrger in Villeneuve 250 Petitionen gegen eine drei Kilometer lange Trolleybus-Verlängerung ein und verhinderten diese somit.cite-ref-273[272]
Aufgrund der hĂśheren Lebensdauer von Oberleitungsbussen kĂśnnen Innovationen im Fahrzeugbau nicht so schnell umgesetzt werden wie bei Omnibussen. So verkehren in vielen Städten noch Hochflur-Oberleitungsbusse, während die Omnibusflotte längst auf Niederflurwagen umgestellt wurde. Die lange Fahrzeuglebensdauer kann dabei der Akzeptanz der Fahrgäste abträglich sein.cite-ref-trolleybusstrategie-218-7[217] Zudem liegen die Unterhalts- und Betriebskosten bei einem älteren Fahrzeug hĂśher als bei einem neueren.cite-ref-arbeitsgruppe-trolleybus-23-1[23] Um den veränderten Anforderungen von Fahrgästen und Verkehrsbetrieben gerecht zu werden, mĂźssen Oberleitungsbusse daher häufig fĂźr ihre letzten Einsatzjahre modernisiert werden, auch Retrofit genannt.cite-ref-bockonline-124-4[123] Mit zunehmendem Alter immer problematischer wird dabei die Beschaffung von Ersatzteilen fĂźr die oft schon nach wenigen Jahren veraltete Elektronik. Damit erreichen heutige Obusse nicht mehr die Lebensdauer der technisch einfacheren, aber robusten Fahrzeuge aus dem Zeitalter der klassischen Steuerungen. Damit verringert sich ein weiterer Vorteil gegenĂźber Dieselbussen. Im Gegensatz dazu sind Dieselmotoren im Laufe der Jahrzehnte deutlich zuverlässiger geworden. Gleichzeitig nahmen auch der motorisierte Individualverkehr (MIV) und die damit verbundene Staugefahr stark zu, auch die Durchschnittsgeschwindigkeit beim Obus sank. Dieser ist dadurch auch im Stadtverkehr nicht mehr zwangsläufig schneller als der Omnibus. So betrug beispielsweise in Salzburg die mittlere Geschwindigkeit beim Obus 1950 noch 17,5 km/h, während er 2011 â trotz wesentlich modernerer Fahrzeuge und besserer StraĂen â nur noch knapp 13 km/h erreichte.cite-ref-274[273]
Des Weiteren wirkt sich das hĂśhere Leergewicht eines Oberleitungsbusses auf die maximal zugelassene Stehplatzanzahl aus, weil es voll auf die zulässige Gesamtmasse angerechnet wird. In Deutschland darf ein dreiachsiger Gelenkwagen beispielsweise nicht schwerer als 28 Tonnen sein. So konnten etwa die Stadtwerke Offenbach bei ihren 1963 gelieferten Gelenkwagen â trotz vollständiger Ăbereinstimmung im wagenbaulichen Teil â bei den 600 Kilogramm schwereren Obussen nur 104 Stehplätze ausweisen, bei der Dieselbusvariante waren es hingegen 114.cite-ref-275[274]
Bedingt durch die hohen Spannungen und StrĂśme, die fĂźr den Antrieb des Oberleitungsbusses notwendig sind, kann es zu Bränden in der elektrischen Anlage kommen. Eine gewisse Gefährdung besteht auch durch Ăberspannung infolge von Blitzeinschlägen in die Oberleitung. Nicht selten kommt es daher bei Gewittern zu erheblichen BetriebsstĂśrungen. Hierbei kĂśnnen sowohl stationäre elektronische Bauteile â wie beispielsweise Weichensteuerungen â als auch alle im betroffenen Speisebereich befindlichen Fahrzeuge beschädigt werden.cite-ref-276[275] Mit steigenden Rohstoffpreisen fĂźr Buntmetalle steigt zudem die Gefahr des Oberleitungsdiebstahls während der nächtlichen Betriebsruhe oder baustellenbedingten Bedienungspausen. Dies kann zu länger andauernden Streckenunterbrechungen fĂźhren und verursacht zusätzliche Reparaturkosten.cite-ref-277[276]cite-ref-278[277] Ferner sind Obuslinien anfälliger fĂźr Kriegseinwirkungen als Omnibuslinien. Beispiele fĂźr vollständig kriegszerstĂśrte und nie wieder aufgebaute Anlagen sind Budapest (1944), Kaliningrad und Tschernjachowsk (1945), Zchinwali (1990), Kabul (1992), Grosny (1994) sowie Wuhlehirsk (2014), wobei allerdings Budapest 1949 und Kaliningrad 1975 gänzlich neue Obussysteme erhielten. Des Weiteren kĂśnnen Obusse im Verteidigungsfall nicht militärisch als Truppentransporter eingesetzt werden.cite-ref-saar-nostalgie-75-1[75]
Der Einsatz von Schneeketten ist bei Oberleitungsbussen Ăźblicherweise nicht mĂśglich, da durch diese ein geschlossener Stromkreis zwischen Oberleitung und dem Schnee auf der StraĂe oder anderen stromleitenden Elementen im StraĂenraum entstehen und die Elektrik im Fahrzeug beschädigen kĂśnnte.cite-ref-279[278]cite-ref-280[279] Stattdessen verfĂźgen â insbesondere in der schneereichen Schweiz â viele Oberleitungsbusse Ăźber eine Sandstreueinrichtung vor der Antriebsachse, um die Traktion auf glatter Fahrbahn zu erhĂśhen. Diese Einbauten lassen sich auf schneefreier StraĂe â beispielsweise bei Laubfall â einsetzen, sind aber weniger effektiv als Schneeketten. Viele Verkehrsbetriebe setzen deshalb vermehrt auf zweimotorige Gelenkwagen, die bessere Fahreigenschaften auf Schnee haben.cite-ref-281[280] Einmotorige Trolleybusse mĂźssen hingegen an Tagen mit Schneefall auf kritischen Linien mit steilen Abschnitten zum Teil gezielt auĂer Betrieb genommen werden. Ersatzweise kommen dabei zweimotorige Gelenktrolleys oder Soloomnibusse mit und ohne Schneeketten zum Einsatz.cite-ref-vbbericht06-282-0[281]cite-ref-283[282]cite-ref-284[283]
Nachteile gegenĂźber der StraĂenbahn
Mit Omnibussen gemeinsam hat der Oberleitungsbus die im Vergleich zu einem Schienenfahrzeug geringe BefĂśrderungskapazität, so kann selbst ein Gelenkwagen nur etwa 150 Personen befĂśrdern. Im Gegensatz dazu kann ein 75 Meter langer StraĂenbahn- oder Stadtbahnzug bis zu 500 Passagiere gleichzeitig transportieren. Beim Oberleitungsbus sind Mehrfachtraktionen hingegen nur sehr eingeschränkt mĂśglich, in einigen Ländern, beispielsweise in Deutschland, sind sie unzulässig. Dies erhĂśht im Vergleich zu Bahnen den Personalbedarf.cite-ref-trolleybusstrategie-218-8[217] Ein weiterer gemeinsamer Nachteil von Omnibussen und Oberleitungsbussen gegenĂźber der StraĂenbahn ist der hĂśhere Platzbedarf fĂźr Busfahrstreifen zur Entkopplung vom motorisierten Individualverkehr aufgrund der grĂśĂeren Breite als bei einer spurgefĂźhrten StraĂenbahn auf Eigentrasse. AuĂerdem ist der Fahrleitungsbau beim Trolleybus deutlich aufwändiger, aber auch im laufenden Betrieb stellt die zweipolige Oberleitung permanent eine potenzielle Fehlerquelle dar.cite-ref-285[284]
Auch in bestimmten StĂśrfällen ist der Oberleitungsbus unflexibler als eine Bahn, wo auch EinrichtungszĂźge im Ausnahmefall mittels HilfsfĂźhrerstand rĂźckwärts bis zum nächsten Gleiswechsel oder Gleisdreieck fahren kĂśnnen. Zudem benĂśtigen Oberleitungsbusse an den Endstellen grundsätzlich platzintensive Wendeschleifen, die bei Zweirichtungswagen entfallen kĂśnnen. BezĂźglich des Fahrkomforts ist der Obus gegenĂźber der StraĂenbahn ebenfalls im Nachteil. Zwar ähnelt sein Fahrverhalten in der Horizontalen einem Schienenfahrzeug, jedoch weist er die VertikalerschĂźtterungen eines Dieselbusses auf.cite-ref-trolleybusstrategie-218-9[217]
Ergänzende Antriebskonzepte
Hilfsantrieb
Um die infrastrukturell bedingte Unflexibilität eines Oberleitungsbusses zu kompensieren, besitzen die meisten Obus-Typen heute zusätzlich einen Hilfsmotor, auch Notfahrgruppe, Notfahraggregat, Hilfsaggregat, Hilfsantrieb, Hilfsdieselmotor oder Hilfsdiesel genannt. Dieser ermÜglicht es, mit verminderter Geschwindigkeit sowie mit begrenzter Reichweite ohne den Strom aus der Oberleitung weiterzufahren. Benutzt wird er:
⢠beim Rangieren im Depot, wo ansonsten besonders aufwändige Fahrleitungsanlagen benÜtigt wßrden
⢠bei Fahrten vom und zum Depot, sofern dieses nicht an einer elektrifizierten Strecke liegt bzw. um das Depot auf direktem Weg durch nicht-elektrifizierte StraĂenzĂźge erreichen zu kĂśnnen
⢠bei Umleitungen aufgrund von Baustellen, Verkehrsunfällen, Demonstrationen, Sportveranstaltungen, StraĂenfesten, RohrbrĂźchen oder Hochwasser
⢠falls bei Bauarbeiten, Revisionen oder Feuerwehreinsätzen die Oberleitung aus Sicherheitsgrßnden abgeschaltet werden muss
⢠bei Schäden an der Oberleitung oder an Unterwerken
⢠wenn sich an windigen Tagen FremdkĂśrper wie Ăste, Schirme, LeintĂźcher oder Luftballons in den Fahrdrähten verfangencite-ref-286[285]
⢠im Falle eines unbeabsichtigten Stromausfalls
⢠wenn die Oberleitung bei Sturm aus Sicherheitsgrßnden präventiv abgeschaltet werden muss, um Passanten vor Unfällen mit herabhängenden stromfßhrenden Drähten zu schßtzencite-ref-287[286]
⢠im Falle des Liegenbleibens an einer stromlosen Stelle wie Trenner, Weiche oder Kreuzung
⢠bei StÜrungen der Elektrik am Fahrzeugcite-ref-obus-info-113-1[112]
⢠bei ĂberfĂźhrungsfahrten, etwa in externe Werkstättencite-ref-288[287]
⢠um im Falle einer bevorstehenden Evakuierung Gefahrenbereiche wie Tunnel, Kreuzungen, Brßcken oder Bahnßbergänge verlassen zu kÜnnen
⢠wenn Verstärkerkurse in Hauptverkehrszeiten respektive kurzlaufende Kurse in Nebenverkehrszeiten an selten bedienten Zwischenendhaltestellen ohne UmkehrmÜglichkeit wenden mßssencite-ref-289[288]
⢠falls an provisorischen Endhaltestellen, die nur vorßbergehend bis zu einer bereits projektierten Verlängerung als solche betrieben werden, die Oberleitung stumpf endet
⢠um an Bahnßbergängen elektrifizierte Eisenbahnstrecken queren zu kÜnnen, auch wenn keine Oberleitungskreuzung eingerichtet werden konntecite-ref-saar-nostalgie-75-2[75]
⢠um besonders niedrige Unterfßhrungen zu passieren, wo aus Sicherheitsgrßnden keine Oberleitung angebracht werden kann
⢠um aus KostengrĂźnden aufwändige Fahrleitungskreuzungen mit StraĂenbahnstrecken zu vermeidencite-ref-290[289]
⢠um an grĂśĂeren StraĂenkreuzungen auch solche Abbiegebeziehungen nutzen zu kĂśnnen, die nicht Ăźber eine durchgehende Oberleitung verfĂźgen â zum Beispiel bei abweichenden LinienfĂźhrungen im Nachtverkehrcite-ref-291[290]
⢠bei starker Vereisung der Fahrleitungcite-ref-krone-184-2[183]
⢠um in historischen Altstädten beziehungsweise auf markanten innerstädtischen Plätzen aus optischen Grßnden auf die Oberleitung verzichten zu kÜnnen
⢠wenn im Bereich von Flughäfen aus Sicherheitsgrßnden keine Oberleitungen installiert werden dßrfen, um die startenden und landenden Flugzeuge nicht zu gefährdencite-ref-292[291]
Dauert eine Unterbrechung länger an, wird oft stationäres Personal abgestellt, oder es werden vorĂźbergehend Einfädeltrichter montiert. Dies nimmt den Fahrern das Abdrahten und Wiederanlegen der Stromabnehmer ab und hilft grĂśĂere Verspätungen zu vermeiden. Vor EinfĂźhrung des Hilfsantriebs wurden Oberleitungsbusse im Rahmen der oben geschilderten Fälle häufig mit Pferden, Traktoren,cite-ref-marquordt-50-2[50] Elektrokarren, Unimogs,cite-ref-bitteeinsteigen-37-3[37] Lastkraftwagen, StraĂenbahnen, anderen Oberleitungsbussen, Omnibussen, Tiefladern, per Schleppkabel, mit der Muskelkraft der Fahrgäste,cite-ref-293[292] mit Schwung oder unter Ausnutzung eines Gefälles fortbewegt, so wie dies bei Typen ohne Hilfsmotor bis heute der Fall ist. Selbst auf ebenen Strecken erreichen die Oberleitungsbusse mit dem vergleichsweise leistungsschwachen Hilfsantrieb jedoch nur geringe Geschwindigkeiten, weshalb Einsätze im Fahrgastbetrieb eher selten sind. Zudem kann mitunter die Klimaanlage ohne Stromzufuhr per Oberleitung nicht ihre volle Leistung erbringen,cite-ref-294[293] alternativ mĂźssen Heizung und LĂźftung aufgrund ihres hohen Stromverbrauchs sogar ganz abgeschaltet werden.cite-ref-295[294] Dennoch geht der Trend etwa seit dem Jahr 2000 immer mehr dazu, den Hilfsantrieb abschnittsweise auch im regulären Fahrgastbetrieb einzusetzen. Auf diese Weise sind Linienverlängerungen mĂśglich, ohne dass neue Fahrleitungsanlagen installiert werden mĂźssen. Dies wird vorrangig bei selten bedienten Linienabschnitten bzw. auf Abschnitten, wo keine Oberleitungen installiert werden kĂśnnen oder sollen, praktiziert.
In der tschechischen Sprache bezeichnet man einen Trolleybus mit Hilfsantrieb als parciĂĄlnĂ trolejbus, das heiĂt Teil-Trolleybus.cite-ref-296[295] Rechtlich gelten auch Wagen mit Hilfsantrieb in aller Regel als Trolleybusse. So ist in den meisten Staaten, die fĂźr Trolleybusse generell kein Kraftfahrzeugkennzeichen vorschreiben, auch fĂźr Fahrzeuge mit Zusatzantrieb keines erforderlich. Beim Oberleitungsbus Prag beispielsweise ist die Linie 58 komplett als Trolleybuslinie konzessioniert und beschildert, obwohl nur zwischen zwei der insgesamt acht Haltestellen ein Fahrdraht vorhanden ist, die Wagen also zum Ăźberwiegenden Teil nicht spurgebunden fahren.
Eine besondere Situation ergab sich in der venezolanischen Stadt Barquisimeto. Nachdem der ursprĂźnglich geplante Aufbau eines Obusbetriebs Ăźber einen kurzen Probebetrieb in den Jahren 2012 und 2013 nicht hinauskam, setzt die Stadt einen Teil der dafĂźr beschafften Fahrzeuge seit 2015 im reinen Dieselbetrieb ein. Trotz des â mit einer Leistung von 200 Kilowatt gegenĂźber 240 Kilowatt beim Elektroantrieb â vergleichsweise starken Hilfsantriebs, ist ihre Leistung dadurch bei Dauergeschwindigkeit und Beschleunigung um 40 bis 50 Prozent geringer.cite-ref-297[296]cite-ref-298[297]
Verbrennungsmotor
Die meisten Hilfsantriebe fßr Oberleitungsbusse sind Verbrennungsmotoren, die nach dem dieselelektrischen Prinzip als Stromerzeugungsaggregat fßr den regulären Elektromotor fungieren. Sie werden heute meistens mit Dieselkraftstoff betrieben, frßher kamen auch Benzinmotoren zum Einsatz. Grund dafßr war neben dem niedrigeren Gewicht von Benzinaggregaten auch, dass Dieselmotoren den Treibstoff mittels Selbstzßndung verbrennen, wodurch bei kalten Temperaturen Vorglßhen notwendig ist, was dazu fßhrt, dass das Hilfsaggregat nicht unmittelbar nach dem Einschalten mit voller Leistung genutzt werden kann. Durch die Verkßrzung der Vorglßhzeiten ist dies heute kaum noch problematisch, was dazu fßhrt, dass Dieselaggregate mit ihrem hÜheren Wirkungsgrad und niedrigeren Kraftstoffverbrauch bevorzugt werden.
Selten sind hingegen Hilfsantriebe, die per Getriebe direkt auf eine der Achsen wirken. Ein Beispiel einer solchen LĂśsung sind die 100 Gelenkwagen des Typs O 405 GTZ, bei ihnen wirkt der Hilfsmotor auf die zweite, der Elektromotor hingegen auf die dritte Achse. Vorteil dieses Prinzips: im Winterbetrieb kann das Notfahraggregat ergänzend zum Elektromotor hinzugeschaltet werden, so dass auch bei glatten StraĂen eine ausreichende Traktion besteht.
Im Vergleich zu einem Dieselomnibus verfĂźgen die Hilfsantriebe bei Oberleitungsbussen Ăźblicherweise Ăźber einen relativ kleinen Kraftstofftank. Bei den Volvo-Gelenkwagen des Trolleybus Biel/Bienne hatte dieser beispielsweise eine FĂźllmenge von nur 20 Litern.cite-ref-299[298]
Die ersten Obusse mit Verbrennungsmotor-Hilfsantrieb waren die Wagen des Typs ĂHIIIs, die ab 1952 beim Oberleitungsbus Rheydt â wo die Zufahrt zum Depot nicht elektrifiziert war â eingesetzt wurden. Zum Einsatz kam dort ein benzinbetriebener, 13 Kilowatt starker Volkswagen-Industriemotor, der bei leerem Wagen und ebener Strecke Geschwindigkeiten bis zu 20 km/h erlaubte.cite-ref-300[299] Beim oben erwähnten Typ O 405 GTZ leistet der Hilfsmotor 72 Kilowatt, gegenĂźber 205 Kilowatt beim Serienmotor.cite-ref-301[300] In Esslingen am Neckar ist die Hilfsaggregat-Leistung des dort eingesetzten Typs AG 300 T so bemessen, dass Steigungen von acht Prozent, mit mindestens 30 km/h Ăźber einen Zeitraum von fĂźnfzehn Minuten befahren werden kĂśnnen.cite-ref-302[301] Zudem sind Dieselhilfsmotoren typischerweise sehr laut.
Eine Vorreiterrolle beim Einsatz des Dieselhilfsantriebs im regulären Fahrgastverkehr spielte der Oberleitungsbus Minden, wo ab 1953 die Endstelle beim Dom und ab 1954 auch die Endstelle Porta mit dem Hilfsmotor bedient wurden. Rund um den Dom durften aus ästhetischen GrĂźnden keine Fahrleitungen verlegt werden, in Porta vermied man dadurch eine Fahrleitungskreuzung mit der StraĂenbahn Minden. Beim Oberleitungsbus SaarbrĂźcken mussten die Wagen der Linie nach Wadgassen ab 1960, in Folge der Elektrifizierung der Bahnstrecke VĂślklingenâThionville, den BahnĂźbergang an der Ortsgrenze zu Hostenbach per Hilfsgenerator passieren. FĂźr das An- und Abdrahten war der Schaffner zuständig.cite-ref-saar-nostalgie-75-3[75] Ebenso mussten die Obusse in Rheydt ab 1968 an insgesamt drei BahnĂźbergängen zwei damals neu elektrifizierte Strecken der Deutschen Bundesbahn mit dem Hilfsmotor Ăźberqueren.cite-ref-303[302] In diesem Zusammenhang entwickelten die Stadtwerke Rheydt zusammen mit dem Unternehmen Kiepe bereits 1965 die weltweit erste automatische Anlege- und Abzugsvorrichtung fĂźr Stangenstromabnehmer. Beim ehemaligen Oberleitungsbus Kapfenberg verkehrte von 1986 bis 2000 die Linie nach Winkl planmäĂig unter Zuhilfenahme 55 Kilowatt starker Zusatzantriebe. Sie bediente im Zuge einer Schleifenfahrt insgesamt sieben Haltestellen per Hilfsmotor. In Limoges verkehrten in den 1990er Jahren einige Trolleybusse auf der Linie 5 Ăźber die Wendeschleife François Perrin hinaus mit dem Hilfsantrieb bis Roussillon, ehe 2001 auch die Oberleitung dorthin erweitert wurde.
Seit Mitte der 2000er Jahre erfreut sich diese Betriebsform â insbesondere in Mittelosteuropa â zunehmender Beliebtheit, wobei tendenziell immer stärkere Hilfsmotoren verwendet werden. Bei Gelenkwagen leisten diese Zusatzantriebe dabei mittlerweile bis zu 100 Kilowatt. Diesel-Hilfsmotoren im planmäĂigen Einsatz findet man unter anderem in Hradec KrĂĄlovĂŠ (Linie 1 seit 2001), Pilsen (Linie 13 seit 2005 und Linie 12 seit 2006), Bratislava (Linie 33 seit 2006), Opava (Linie 221 seit 2006), Marienbad (Linien 6 und 7 seit 2007), ZlĂn (Linie 3 seit 2007 und Linie 11 seit 2009), Riga (Linien 9 und 27 seit 2009) und Solingen (Linie 683 seit 2009).
Eine weitere MĂśglichkeit, Oberleitungsbusse ohne Hilfsantrieb und ohne Oberleitung fortzubewegen, sind sogenannte Generatoranhänger, wenngleich solche derzeit nirgendwo auf der Welt planmäĂig verwendet werden.
Batteriespeisung
Batterienotfahrt
Als frĂźher Vorläufer heutiger Obusse mit zusätzlicher Batteriespeisung gilt der 1898 gebaute Elektrische StraĂenbahn-Omnibus von Siemens & Halske. Bei diesem Fahrzeug handelte es sich jedoch nicht um einen Obus, sondern um eine Mischung aus StraĂenbahn und Batteriebus, das heiĂt um ein Zweiwegefahrzeug im Perambulatorbetrieb.
Aus Italien stammte die erstmalige Ausstattung von Obussen mit einer Batterie-Notfahreinrichtung ab den 1930er Jahren, italienisch marcia di emergenza ad accumulatori genannt. Mit dieser auch kurz Batterienotfahrt oder Notfahrbatterie genannten Schaltung konnten die entsprechend ausgerĂźsteten Obusse im Notfall â bei reduzierter Geschwindigkeit â noch etwa 500 bis 750 Meter aus eigener Kraft zurĂźcklegen. Vor allem die groĂen dreiachsigen Obusse der Typen Alfa Romeo 110 AF, Alfa Romeo 140 AF und FIAT 672 waren serienmäĂig mit Akkumulatoren ausgestattet â ganz gleich, ob die elektrische AusrĂźstung von der Compagnia Generale di ElettricitĂ (CGE), der Tecnomasio Italiano Brown Boveri (TIBB), von Magneti Marelli oder von Ansaldo stammte.
Die Batterie-Notfahreinrichtung dieser italienischen Obusse bestand aus einer Gruppe von sechs Blei-Säure-Akkus mit je 12 Volt Nennspannung, die in Reihe geschaltet waren und somit nominell 72 Volt lieferten. Die Akkus besaĂen eine Nennladung â auch ungenau als Kapazität bezeichnet â von 120 Ah. Fortschrittlich war auch die weitere Ausstattung mit einem Ladeumformer (LOV) fĂźr eine konstante Ladespannung von 14,2 Volt und eine PrĂźfeinrichtung fĂźr den Isolationswiderstand.
Solche oder ganz ähnliche Notfahreinrichtungen waren zum Teil auch bei kleineren zweiachsigen Obussen aus italienischer Herstellung auf Wunsch lieferbar und waren daher auch zum Teil bei diesen zu finden. Einige Obus-Betriebe in Italien verzichteten in den 1950er Jahren auf diese Notfahrhilfe, so dass sie in manchen Fällen wieder entfernt wurde. Das Konzept der Batterienotfahrt wurde später auch andernorts aufgegriffen. So statteten beispielsweise die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihre sieben Mitte der 1950er Jahre beschafften Gaubschat-Obusse mit einer solchen Einrichtung aus.cite-ref-ken3-304-0[303] Noch heute werden Oberleitungsbusse mit Batterienotfahreinrichtung hergestellt, etwa durch das russische Unternehmen Trolsa. Deren Batterien ermÜglichen es, 800 Meter ohne den Strom aus der Fahrleitung weiterzufahren.cite-ref-305[304]
Ausnahmsweise auch im regulären Fahrgastbetrieb eingesetzt wurde die Batterienotfahrt in Salzburg. Dort befuhren die Obusse der Linie 7 bereits ab dem 7. Juni 1983 den â Obus-seitig nicht elektrifizierten â BahnĂźbergang im Zuge der Aigner StraĂe im Stadtteil Aigen mittels Batteriespeisung im Planverkehr.cite-ref-306[305] Hierzu stand den Obussen je Fahrtrichtung eine eigene äuĂere Fahrspur links und rechts der regulären Fahrbahn zur VerfĂźgung, damit diese beim Ab- und Andrahten den Ăźbrigen Verkehr nicht behinderten. Dieses Verfahren bewährte sich jedoch aufgrund technischer Probleme und der Gefahr des Liegenbleibens auf den Schienen nicht. Zeitweise war dort sogar eigens ein Schubfahrzeug postiert, das im Notfall havarierte Obusse aus dem Gleisbereich drĂźcken sollte. Aufgrund dieser Probleme endete die Linie 7 bereits ab dem 25. Januar 1986 vor dem BahnĂźbergang. Dort mussten die Fahrgäste auf die damals eingerichtete Autobus-Anschlusslinie 7A umsteigen. Erst der Bau einer UnterfĂźhrung beendete schlieĂlich 1995 diesen gebrochenen Verkehr.
Traktionsbatterien
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Hauptartikel
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Batterie-Oberleitungsbus
Nachdem der Versuch mit drei Oberleitungsbussen mit starker Zusatzbatterie in Esslingen am Neckar (1974 bis 1981) scheiterte, griff man die Idee in den 2000er Jahren neu auf. Ursächlich fĂźr diese Renaissance ist vor allem die kontinuierliche Fortentwicklung der Batterietechnik im Laufe der Jahre. Von Vorteil gegenĂźber Dieselhilfsantrieben ist dabei insbesondere die Emissionsfreiheit. Im spanischen CastellĂłn de la Plana dĂźrfen beispielsweise die älteren Wagen mit einem Dieselhilfsantrieb nach Euro-3-Abgasnorm den fahrdrahtlosen Abschnitt in der Innenstadt nicht befahren, dies bleibt ausschlieĂlich den jĂźngeren Fahrzeugen mit Traktionsbatterie vorbehalten.cite-ref-307[306] Teilweise werden daher sogar vorhandene Dieselhilfsantriebe durch neue Batteriehilfsantriebe ersetzt, so rĂźsteten etwa die Verkehrsbetriebe ZĂźrich ihre älteren Fahrzeuge entsprechend um.cite-ref-308[307]
Batterie-Oberleitungsbusse kĂśnnen ihre Traktionsbatterien während der Fahrt durch die gewĂśhnliche Oberleitung laden. Dieses sogenannte In-Motion-Charging (IMC), auch dynamische Aufladung genannt, benĂśtigt weniger Zeit als das stationäre Laden von Batteriebussen.cite-ref-309[308] Einer der Vorreiter war hierbei die Volksrepublik China, wo diese Technik schon mindestens seit 1985 angewendet wird.cite-ref-310[309] So Ăźberquerten beispielsweise die Oberleitungsbusse in der Hauptstadt Peking schon 2009 den fahrleitungslosen Tianâanmen-Platz im Batteriebetrieb,cite-ref-311[310] auch in Guangzhou und Jinan setzte man schon vergleichsweise frĂźh auf diese Betriebsform.cite-ref-312[311]cite-ref-313[312]
In Europa erreichen die Oberleitungsbusse im schwedischen Landskrona schon seit 2003 ihr abseits der Strecke gelegenes Depot im Batteriemodus, die Reichweite der dort verwendeten Nickel-Metallhydrid-Akkumulatoren beträgt â bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h und ohne Passagiere â vier Kilometer.cite-ref-landskrona-world-s-smallest-system-201-3[200] In Rom verkehrt die 2005 erĂśffnete Expresslinie 90 auf einem TeilstĂźck im Batteriemodus und mit Fahrgästen. Der fahrleitungslose Abschnitt zwischen der Endstation Termini und der Porta Pia ist dabei rund 1½ Kilometer lang.cite-ref-314[313] Grund fĂźr diese LĂśsung war unter anderem eine GroĂbaustelle in diesem Bereich, sie hätte häufige Ănderungen der Fahrleitung zur Folge gehabt.
Mittlerweile sind mit Traktionsbatterien ausgerĂźstete Obusse, in Solingen beispielsweise als Batterie-Oberleitungsbus (BOB) bezeichnet, auch in vielen weiteren Städten weltweit anzutreffen. Es werden kleinere Batterien als bei Batteriebussen verbaut, die Reichweite im Batteriebetrieb liegt meist unter 25 Kilometern. Traktionsbatterien kĂśnnen auch während des Betriebs unter Oberleitung vorteilhaft sein, etwa um Spannungsabfälle auszugleichen, Lastspitzen abzufedern oder eine Ăberlastung der Unterwerke zu verhindern. Befahren Oberleitungsbusse längere Abschnitte im Batteriemodus, mĂźssen sie mitunter während des Aufenthalts an den Endstellen nachgeladen werden. Im polnischen Gdynia sind einige Fahrzeuge hierzu mit speziellen Steckdosen ausgerĂźstet.cite-ref-315[314] Alternativ kann die stationäre Nachladung auch Ăźber die regulären Stangenstromabnehmer selbst erfolgen, hierzu werden spezielle LadebrĂźcken mit Einfädeltrichtern errichtet.
Von Nachteil ist bei leistungsfähigen Traktionsbatterien vor allem deren hĂśheres Gewicht. Abgesehen von der hĂśheren Eigenmasse wirkt sich dies auch auf die zulässige Fahrgastzahl aus. So dĂźrfen beispielsweise die Solaris-Gelenkwagen des Typs Trollino 18 AC in Salzburg â deren Batterie nur 345 Kilogramm wiegt â 145 Personen befĂśrdern, während derselbe Typ in Esslingen am Neckar â bei einem Batteriegewicht von 1300 Kilogramm â nur fĂźr maximal 111 Fahrgäste zugelassen ist. Ein anderes Problem ist die schnelle Batterientladung auf Steigungsstrecken, insbesondere wenn auch noch in der Steigung angefahren werden muss.
Eine weitere Variante der Batteriespeisung bei Oberleitungsbussen sind sogenannte Batterieanhänger, wenngleich solche derzeit nirgendwo auf der Welt verwendet werden.
Schwungradspeicher
Ein neuartiges Konzept ist die Nutzung der Schwungradspeicherung als Hilfsantrieb. Anders als beim erfolglosen Gyrobus â wo das Schwungrad als Hauptantrieb diente â wird heutzutage lediglich die Verwendung als Notfahraggregat forciert. Zu den ersten Trolleybussen mit einem solchen System gehĂśrten die Basler Neoplan-Gelenkwagen, die heute im bulgarischen Ruse im Einsatz stehen. Ferner war 2006 in Eberswalde vorgesehen, einen Obus probeweise mit einem solchen Schwungradhilfsantrieb auszurĂźsten. Gespeist sollte das Schwungrad aus der beim Bremsen freiwerdenden elektromotorischen Energie werden. Aufgrund technischer Probleme mit dem Schwungradantrieb kam es jedoch nicht dazu.
Duo-Bus
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Hauptartikel
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Duo-Bus
Der Duo-Bus besitzt wie ein Oberleitungsbus mit Hilfsantrieb zwei unabhängige Antriebe. Anders als der leistungsschwache Hilfsmotor fungiert der Zweitantrieb bei Duo-Bussen als vollwertiger Alternativmotor mit ähnlich dimensionierter Leistung und meist eigenem Antriebsstrang. Die Fahrzeuge kÜnnen somit die jeweiligen Vorteile beider Antriebsarten nutzen. Sie werden teils auf Strecken mit gemischtem Betrieb eingesetzt, teils als flexibel einsetzbare Reservefahrzeuge. Bisher wurden weltweit etwas mehr als 400 Duo-Busse gebaut. Die aufwändigere Konstruktion und das erhÜhte Gewicht gehen jedoch zu sehr zu Lasten der Wirtschaftlichkeit. Daher schieden die Duo-Busse bei den meisten Betrieben schon nach vergleichsweise kurzer Zeit wieder aus dem Bestand.
Verwandte Systeme â Abgrenzung und Gemeinsamkeiten
Eng mit dem Oberleitungsbus verwandt sind zahlreiche weitere Systeme, bei denen Omnibusse mittels Elektromotoren angetrieben werden. Die grĂśĂte Verwandtschaft besteht dabei zum oben erwähnten Gyrobus, er bezieht seinen Strom ebenfalls Ăźber Stromabnehmer, die Stromabnahme erfolgt jedoch nur stationär bei Aufenthalten an bestimmten Haltestellen. Zwischen den Aufladepunkten erhält er seine Energie von einem Schwungrad zugefĂźhrt. Gyrobusse werden manchmal ebenfalls den Oberleitungsbussen zugerechnet, der Begriff der Fahrleitung ist dabei weiter zu verstehen.cite-ref-316[315] So waren einerseits auch die Schweizer Gyrobusse seinerzeit im Verzeichnis des Rollmaterials der schweizerischen Privatbahnen aufgefĂźhrt,cite-ref-317[316] benĂśtigten andererseits aber Kontrollschilder. 2005 wurde die Idee des Gyrobusses in modifizierter Form beim Konzept AutoTram wieder aufgegriffen.
Alternativ dazu existieren Batteriebusse, die nach dem Prinzip des Elektroautos mit Akkumulatoren beziehungsweise Batterien betrieben werden, hierbei erfolgt die Stromabnahme ebenfalls stationär â meist an den Endstellen. Bei Kondensatorbussen verwendet man dabei sogenannte Supercaps, hierbei kann die StromzufĂźhrung auch unterwegs bei Haltestellenaufenthalten erfolgen. In Shanghai wurde 2009 die Obus-Linie 11 auf Supercap-Betrieb umgestellt, die Umstellung der Linie 26 befindet sich in Vorbereitung.cite-ref-318[317] Manche Batteriebusse besitzen zum nachladen auch Stromabnehmer, hierbei kommen verschiedenste Bauformen zum Einsatz.
Das Konzept STREAM â kurz fĂźr âSistema di TRasporto Elettrico ad Attrazione Magneticaâ â verfolgte das Ziel, statt der aufwändigen zweipoligen Oberleitung, eine spezielle Stromschiene als Unterleitung in die Fahrbahn zu integrieren. Das Projekt kam jedoch Ăźber eine kurze Testphase auf der Buslinie 9 in Triest im Jahr 2000 nicht hinaus.cite-ref-319[318]
Im Versuchsbetrieb werden seit 1979 Hybridantriebe fĂźr Busse getestet. Ăhnlich den Duo-Bussen mit vollwertigem Dieselantrieb werden auch Hybridbusse dieselelektrisch betrieben. Sie sind komplett unabhängig von Oberleitungen, der oder die Elektromotoren werden ausschlieĂlich vom Stromerzeugungsaggregat gespeist. Dieses Prinzip wird serieller Hybrid genannt. Typisch ist bei Hybridbussen vor allem auch die Speicherung der Bremsenergie in Supercaps oder Batterien, dadurch kann der SchadstoffausstoĂ der Fahrzeuge noch weiter gesenkt werden.cite-ref-320[319] Weiter kĂśnnen manche Hybridbusse kĂźrzere Strecken im rein elektrischen Betriebsmodus zurĂźckzulegen. Alternativ zum seriellen Hybrid gibt es auch die Variante des parallelen Hybrids, der zum Beispiel im Solaris Urbino 18 Hybrid Verwendung findet. Dabei wirken Elektromotor und Dieselmotor gleichzeitig auf den Antriebsstrang. Auch hier ist bei hinreichender GrĂśĂe der Traktionsbatterie ein begrenzter, rein elektrischer Betrieb mĂśglich.
Die Unterscheidung zwischen einem Oberleitungsbus mit starkem Hilfsmotor, einem Duo-Bus und einem Hybridbus ist nicht immer eindeutig mÜglich, denn bei allen drei Systemen wird hauptsächlich auf einen Antrieb nach dieselelektrischem Prinzip gesetzt. Was heute von den Herstellern Hybridbus genannt wird, ist in einigen Fällen eine Weiterentwicklung von Oberleitungsbustechnik; darunter beispielsweise die MÜglichkeit, mit der beim Bremsen entstehenden Energie die Stromspeicher aufzuladen statt sie ins Fahrleitungsnetz zu rekuperieren. Die jßngste Entwicklung im Bereich dieser alternativen Antriebstechnologien fßr Omnibusse sind Brennstoffzellenbusse, ihr Brennstoffzellen-Elektroantrieb basiert auf dem Wasserstoffantrieb.
Sonderformen
Ersatzverkehr
Analog zum Schienenersatzverkehr bei Bahnen mĂźssen auch Oberleitungsbusse fallweise ersetzt werden, hierbei spricht man vom Obusersatzverkehr, Trolleybusersatzverkehr, Omnibusersatzverkehr, Autobusersatzverkehr, Dieselbusersatzverkehr oder Dieselersatzverkehr.cite-ref-obus-info-113-2[112]cite-ref-321[320]cite-ref-322[321]cite-ref-323[322] Typische Beispiele fĂźr StĂśrungen, die einen solchen Notverkehr erfordern, sind:
⢠Revisionsarbeiten an der Oberleitung
⢠Umbauten der Oberleitung
⢠Externe Baustellen Dritter
⢠grĂśĂere Verkehrsunfälle
⢠Stromausfälle
⢠HÜhere Gewalt durch Blitzeinschläge, starke Vereisung oder Sturmschäden an der Oberleitung
⢠fahrlässige Beschädigungen der Oberleitung durch unaufmerksame Bagger- oder KranfĂźhrer respektive Lastwagen mit LademaĂĂźberschreitung
⢠eine geschlossene Schneedecke, die den Einsatz von Schneeketten erfordert
⢠Stromeinsparungcite-ref-324[323]
In La Chaux-de-Fonds beispielsweise gab es, in den letzten Betriebsjahren vor der vorßbergehenden Einstellung, jährlich 15 Ereignisse, die einen solchen Ersatzverkehr verursachten.cite-ref-325[324] Steht keine ausreichende Betriebsreserve zur Verfßgung, mßssen gegen entsprechendes Entgelt Omnibusse von anderen Verkehrsunternehmen angemietet werden.cite-ref-326[325]cite-ref-327[326] Dies wiederum ist oft nicht kurzfristig mÜglich und kann zu längeren Bedienungseinschränkungen auf Obus-Linien fßhren.cite-ref-328[327] Wird hingegen nur eine Teilstrecke einer Linie im Ersatzverkehr betrieben, ist dies mit einem Umstiegszwang fßr die Fahrgäste verbunden.
Eine Alternative zum Ersatzverkehr ist die durchgehende Bedienung einer Linie mit dem Hilfsmotor. Dies ist jedoch meist mit entsprechenden Fahrzeitverlängerungen verbunden und wird zudem durch die vergleichsweise geringe Reichweite des Zusatzantriebs begrenzt.
Mischbetrieb mit Omnibussen
Bei zahlreichen Obus-Betrieben ist ein permanenter Mischverkehr mit Omnibussen Ăźblich. Meist wird dies praktiziert, weil nicht genĂźgend Oberleitungsbusse zur VerfĂźgung stehen, um auch in Spitzenzeiten alle Umläufe elektrisch zu bedienen. Zu unterscheiden ist dabei, ob planmäĂig nicht auf Omnibusse verzichtet werden kann oder ob nur bei einem auĂergewĂśhnlich hohen Obus-Schadbestand auf Omnibusse zurĂźckgegriffen werden muss. Ein Beispiel fĂźr erstere Variante ist Bologna, dort standen 2012 fĂźr die bis zu 80 Kurse auf den vier Trolleybuslinien nur 46 Gelenktrolleybusse und einige Solotrolleybusse zur VerfĂźgung, so dass der Einsatz von Autobussen unabdingbar ist.cite-ref-329[328] Weitere Beispiele fĂźr Omnibuseinsätze auf Obus-Linien:
⢠Beim Trolleybus Bern mßssen aufgrund einer fehlenden ZwischenwendemÜglichkeit am Wyleregg die Verstärkerkurse der Linie 20 mit Autobussen bestßckt werden.cite-ref-330[329]
⢠Beim Oberleitungsbus Sanremo wird die Linie 2 nach Ventimiglia etwa zur Hälfte mit Dieselbussen bestĂźckt, weil ein Unterwerk nach der ZerstĂśrung durch eine Ăberschwemmung nicht mehr hergerichtet wurde.cite-ref-331[330]
⢠Beim Trolleybus Neuenburg verkehrten zwischen 2004 und 2010 teilweise niederflurige Autobusse, weil im Trolleybuswagenpark damals nur Hochflurwagen zur VerfĂźgung standen â man den Fahrgästen aber zumindest einzelne, im Fahrplan gekennzeichnete, barrierefreie Fahrten anbieten wollte.cite-ref-332[331]
⢠Beim Trolleybus VeveyâVilleneuve verkehrten bis 2010 zusätzliche Schnellkurse, die nur einige ausgewählte Zwischenhaltestellen bedienten. Weil dabei planmäĂig die regulären Trolleybusse Ăźberholt wurden, mussten diese Fahrten mit Autobussen durchgefĂźhrt werden.cite-ref-333[332] Aus dem gleichen Grund beschafften die Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen 1957 anlässlich der Umstellung der letzten Tramlinie auf Trolleybusbetrieb eigens neue Autobusse, um fortan auch Schnellkurse anbieten zu kĂśnnen.cite-ref-ostschweiz-134-2[133] Ebenso verkehrten in Bern auf den damaligen Trolleybuslinien 13 und 14, die heute als Tram betrieben werden, sowie auf der noch bestehenden Trolleybuslinie 20 frĂźher zusätzliche Eilkurse mit Dieselbussen. Auf der Linie 14 existierten darĂźber hinaus sogenannte Direktkurse, die den regulären Linienweg abkĂźrzten. Ăhnlich in Leipzig, wo zwischen 1972 und 1975 auf der Schnelllinie BS nach Markranstädt Dieselbusse, auf der regulären Linie B aber noch Obusse fuhren. Die Eillinie BS bediente allerdings die Ortslage Miltitz nicht, sondern umfuhr sie auf der LĂźtzner StraĂe (F 87), die in diesem Abschnitt nie mit Fahrleitung Ăźberspannt war.
⢠Die Verkehrsgesellschaft Transports publics de la rĂŠgion lausannoise verlängerte bereits 2009 ihre Trolleybuslinie 8 um 3,3 Kilometer nach Grand-Mont, begann aber erst Anfang 2011 mit der Verlängerung der Fahrleitung. Bis zur Fertigstellung im Dezember 2011 verkehrte daher jeder zweite Kurs â die Verlängerung wurde nur alle 20 Minuten bedient, während auf der Stammstrecke ein Zehn-Minuten-Takt galt â als Autobus.cite-ref-334[333]
⢠Im mittlerweile stillgelegten Betrieb in La Chaux-de-Fonds galten am Wochenende abweichende LinienfĂźhrungen, die mit der bestehenden Fahrleitungsinfrastruktur nicht bewerkstelligt werden konnten. So verkehrten dort zuletzt statt der regulär drei Linien des Trolleybus La Chaux-de-Fonds â die unter der Woche von acht Autobuslinien ergänzt wurden â am Wochenende nur eine Trolleybuslinie und vier spezielle Wochenend-Autobuslinien. Letztere ersetzten mittels grĂśĂerer Schleifenfahrten die beiden Trolleybuslinien und die acht regulären Autobuslinien.
⢠Wenn bestimmte Kurse auf Obus-Linien umlaufbedingt mit Omnibuslinien verknßpft sind, kÜnnen diese ebenfalls nicht elektrisch bedient werden.
⢠Im Falle einer bevorstehenden Stilllegung einer Obus-Strecke oder eines ganzen Obus-Netzes setzen Verkehrsunternehmen oft schon lange vorher Omnibusse ein, deren Anteil sich dann meist sukzessive erhÜht. Dadurch vermeidet man, zum Stichtag auf einen Schlag viele neue Omnibusse auf einmal beschaffen und diese gleichzeitig in Betrieb nehmen zu mßssen. Im Gegenzug mßssen defekte Oberleitungsbusse nicht mehr repariert werden, weil die betreffenden Wagen bereits vorzeitig ausgemustert werden kÜnnen. Im russischen Blagoweschtschensk bestand dabei ab 1. Mai 2015 die besondere Situation, dass auf der Ringlinie 2Р(gegen den Uhrzeigersinn) bereits Autobusse zum Einsatz kamen, während auf der Ringlinie 2Р(im Uhrzeigersinn) noch bis zur endgßltigen Betriebseinstellung im Juli 2016 Trolleybusse fuhren.cite-ref-335[334]cite-ref-336[335]
MĂśchte ein Verkehrsbetrieb auf einer Obus-Linie regelmäĂig oder fallweise Omnibusse einsetzen, so ist dies in den meisten Staaten von der jeweiligen KonzessionsbehĂśrde gesondert zu genehmigen.cite-ref-337[336] In Deutschland ist diese Genehmigung nicht erforderlich, wenn bei Notständen und BetriebsstĂśrungen im Verkehr nur vorĂźbergehend Kraftfahrzeuge eingesetzt werden. Wenn die StĂśrungen allerdings länger als 72 Stunden dauern, mĂźssen Art, Umfang und voraussichtliche Dauer eines solchen Einsatzes unverzĂźglich der GenehmigungsbehĂśrde mitgeteilt werden.cite-ref-338[337] Grundsätzlich besteht somit eine Betriebspflicht, gemäà Konzession auch tatsächlich Oberleitungsbusse einzusetzen, sofern dem keine betrieblichen GrĂźnde entgegenstehen.cite-ref-arbeitsgruppe-trolleybus-23-2[23]
Dennoch ersetzen einige Verkehrsgesellschaften ihre Oberleitungsbusse am Wochenende komplett durch Omnibusse. Dies ist mĂśglich, da letztere dann mangels Bedarfs von anderen Linien abgezogen werden kĂśnnen und auch auf den Obus-Linien selbst weniger Kurse benĂśtigt werden. Aktuelle Beispiele hierfĂźr sind Bologna, Coimbra, Debrecen und ValparaĂso. Auch in Kaiserslautern und Kapfenberg war in den letzten Betriebsjahren Obusersatzverkehr am Wochenende Ăźblich, meist schon ab Samstag Mittag, auĂerdem beim Oberleitungsbus Esslingen am Neckar in den 1970er Jahren und bei vielen franzĂśsischen und italienischen Netzen. Im rumänischen Târgu Jiu wiederum fahren täglich zwischen 13 und 14 Uhr alle Trolleybusse ins Depot â ersatzweise rĂźcken Omnibusse aus, die den Verkehr bis zum Betriebsschluss Ăźbernehmen. Die zuständige Gesellschaft Transloc weist dabei ausdrĂźcklich auf die gemischte Bedienung der beiden betreffenden Linien hin.cite-ref-339[338]
Vorteile eines solchen planmäĂigen Ersatzverkehrs: Wartungsarbeiten an der Fahrleitung mĂźssen nicht nachts durchgefĂźhrt werden, wodurch Personalkosten eingespart werden kĂśnnen.cite-ref-340[339] Ferner mĂźssen die Verkehrsbetriebe keine Turmwagen-Mannschaften im Bereitschaftsdienst vorhalten, im Winter kann auĂerdem die Fahrleitungsenteisung entfallen.
Wird ein solcher Mischverkehr regelmäĂig durchgefĂźhrt, so mĂźssen die Fahrpläne auf die etwas langsameren Dieselbusse abgestimmt werden. Erfolgt dies nicht, ist mit Verspätungen, einem erhĂśhten Kraftstoffverbrauch und einem grĂśĂeren VerschleiĂ bei den eingeschobenen Dieselbussen zu rechnen.
Einsatz von Oberleitungsbussen auf Omnibuslinien
Wesentlich seltener als der Einsatz von Omnibussen auf Oberleitungsbuslinien ist der umgekehrte Fall, das heiĂt der Einsatz von Oberleitungsbussen als Ersatz fĂźr Omnibusse:
⢠In Essen, Landshut, Leipzig und MĂźnchen verkehrten in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren jeweils anlässlich Einstellung des elektrischen Betriebs in den Hauptverkehrszeiten weiterhin Oberleitungsbusse als Verstärker, weil zum Stichtag der Umstellung nicht genĂźgend Dieselbusse zur VerfĂźgung standen.cite-ref-341[340]cite-ref-342[341] Allerdings geschah dies in drei der vier Städte unter einem eigenständigen E-Liniensignal, das heiĂt AE statt A in Leipzig, E40 statt 40 in Essen und E58 statt 58 in MĂźnchen. In Leipzig war der Grund, dass die Endstrecke OstplatzâLipsiusstraĂe nicht mehr elektrisch befahrbar war. Auf der Linie AE wurden zu diesem Zeitpunkt fallweise auch Dieselbusse eingesetzt.
⢠Beim Oberleitungsbus San Francisco richtete die Ürtliche Verkehrsgesellschaft San Francisco Municipal Railway aufgrund einer Dieselbus-Knappheit bereits Anfang der 1980er Jahre vorßbergehend die Obus-Shuttlelinie 82 ein. Seit dem 23. April 2016 wird die Omnibuslinie 2 in den Hauptverkehrszeiten durch Trolleybusse verstärkt. Infrastrukturell bedingt mßssen diese allerdings schon vorzeitig an der Kreuzung der California Street mit der Presidio Avenue umkehren.cite-ref-343[342]
⢠In Cambridge befand sich das Depot an der Massachusetts Avenue abseits der drei ehemaligen Obuslinien 71, 72 und 73. Es war zwar durch eine Betriebsstrecke mit dem Stammnetz verknßpft, jedoch ßber die Autobuslinie 77 an das Üffentliche Verkehrsnetz angebunden. Daher rßckten die Obusse ebenfalls unter dem Liniensignal 77 aus und ein,cite-ref-344[343] wobei sie aufgrund der Kurzfßhrung teilweise abweichend als Linie 77A beschildert wurden.
⢠Im schwedischen Landskrona fährt seit 2013 ein spezieller Obus mit starkem Batteriehilfsantrieb planmäĂig auf den Autobuslinien 4 und 5. Hierbei besteht ein Umlaufverbund mit der einzigen Obuslinie 3, das heiĂt nach jeweils einer Fahrt auf einer der beiden genannten Linien fährt der Wagen wieder einen Kurs auf der reinen Obuslinie 3, um dabei seine Batterien mit dem Strom aus der Fahrleitung wieder aufzuladen.cite-ref-345[344]
⢠Im polnischen Lublin verkehrten zwischen 2014 und 2016 aufgrund eines Ăberhangs beim elektrischen Wagenpark sowie Problemen mit einem privaten Autobusunternehmen teilweise Oberleitungsbusse auf den Autobuslinien 1, 2, 9, 15, 19, 20, 30, 40, 42 und 56, wobei die fahrleitungslosen Abschnitte dieser Linien jeweils mit dem Hilfsantrieb ĂźberbrĂźckt werden mussten.cite-ref-346[345]cite-ref-347[346]
Ăberlandstrecken
Seinem Charakter nach ist der Oberleitungsbus ein klassisches städtisches Verkehrsmittel. Er bedient Relationen innerhalb der Stadtgrenzen, verkehrt bis in die jeweiligen Vororte oder verbindet benachbarte Städte innerhalb von Agglomerationen beziehungsweise Metropolregionen. Abweichend davon existieren â analog zu ĂberlandstraĂenbahnen bzw. zum Regionalbusverkehr â auch gemeindeĂźbergreifende Obus-Ăberlandstrecken.
Die bekannteste und derzeit längste Oberleitungsbusstrecke der Welt befindet sich in der Ukraine, sie wird von Krymskyj trolejbus betrieben. Die 86,5 Kilometer lange Route verläuft auf der Halbinsel Krim und verbindet seit 1959 bzw. 1961 die Regionshauptstadt Simferopol im Norden mit der KĂźstenstadt Jalta im SĂźden, unter anderem verläuft sie Ăźber den 752 Meter hohen Angarskyi-Pass. Wichtigste Zwischenstation ist Aluschta, auf diese Weise werden drei städtische Obus-Netze miteinander verbunden. Besondere Merkmale der dort eingesetzten Fahrzeuge sind â ähnlich wie bei Ăberlandomnibussen â der hohe Sitzplatzanteil mit 2+2-Sitzteiler, das verstärkte Bremssystem, die Nebelscheinwerfer und die Gardinen. Zudem bestand bis zum 1. August 2009 eine Platzreservierungspflicht. Weitere auĂergewĂśhnlich lange Ăberlandstrecken sind:
| Land | Strecke | Streckenlänge in km | Inbetrieb nahme |
|---|---|---|---|
| Ukraine | SimferopolâJalta | 86,5 | 1959 |
| Usbekistan | UrganchâXiva | 36,3 | 1998 |
| Italien | Neapelâ Aversa | 20 | 1964 |
| Italien | Sanremoâ Ventimiglia | 16 | 1951 |
| Russland | Machatschkala â Kaspijsk | 16 | 2017 |
| Moldawien | Tiraspol â Bender | 14 | 1993 |
| Schweiz | VeveyâVilleneuve | 12,75 | 1957 |
| Italien | RiminiâRiccione | 12,20 | 1939 |
| Tschechien | ZlĂn â Otrokovice | 11 | 1953 |
Obus-Ăberlandlinien spielen heute nur noch eine untergeordnete Rolle, der GroĂteil der frĂźher vorhandenen Strecken wurde im Laufe der Jahre aufgegeben. Problematisch ist neben der weiter oben erwähnten begrenzten HĂśchstgeschwindigkeit â die die Obusse auf AuĂerortsstraĂen mitunter zum Verkehrshindernis werden lässt â die fehlende Wirtschaftlichkeit. Ursächlich hierfĂźr: typischerweise werden Ăberlandstrecken seltener befahren als Stadtlinien â der Unterhaltungsaufwand fĂźr Oberleitungen und Unterwerke steht damit in einem ungĂźnstigeren Verhältnis zum Nutzen als bei urbanen Linien. AuĂerdem kĂśnnen keine Wandrosetten verwendet werden, stattdessen muss auf die teurere Fahrleitungsaufhängung mittels Masten zurĂźckgegriffen werden. Dies wiederum birgt eine hĂśhere Unfallgefahr fĂźr Kraftfahrer, ähnlich der Problematik auf Alleen. Infolge ihrer grĂśĂeren HĂśchstgeschwindigkeit ermĂśglichen Omnibusse auf Ăberlandlinien zudem kĂźrzere Reisezeiten, aufgrund der groĂen Haltestellenabstände und der wenigen Ampelaufenthalte kann der Obus seinen Vorteil der schnellen Beschleunigung hier nur bedingt ausspielen.
Drei- und vierspurige Strecken
Abgesehen von den frĂźher Ăźblichen einspurigen Strecken sind Obus-Strecken meist zweispurig, das heiĂt, es steht jeder Fahrtrichtung eine Oberleitung zur VerfĂźgung. Eine Ausnahme stellen bzw. stellten die drei- bzw. vierspurigen Abschnitte in Lyon, Peking, Philadelphia, Simferopol und Teheran dar.
Im Lyoner GroĂraum steht den Linien C1 und C2 im Vorort Caluire-et-Cuire auf einem Teilabschnitt in der StraĂenmitte ein zusätzlicher reiner Busfahrstreifen zwischen den regulären Fahrstreifen zur VerfĂźgung â gelegen ist dieser Streifen in der StraĂe MontĂŠe des Soldats, zwischen der BrĂźcke Ăźber die Rhone und dem Place MarĂŠchal Foch. Der Busfahrstreifen ist aus PlatzgrĂźnden einspurig ausgefĂźhrt und wird in Lastrichtung genutzt, das heiĂt bis 13:00 in Richtung Lyon und ab 13:00 Uhr aus Richtung Lyon. Weil die Spur baulich von der regulären Fahrbahn getrennt ist, besitzt sie ein eigenes Fahrleitungspaar.cite-ref-348[347]
In Peking teilt sich die 2017 eingerichtete beschleunigte Linie BRT2 Streckenabschnitte mit den regulären Linien 112 und 115. Letztere benutzen jedoch nicht die neue Fahrleitung der Linie BRT2, sondern verlaufen auf Parallelfahrspuren und schwimmen damit im allgemeinen Verkehr mit.cite-ref-349[348]
In Philadelphia verkehren auf der Linie 66 in der Hauptverkehrszeit Expresskurse, denen auf der Frankford Avenue zwischen den Haltestellen Comly Street und Cottman Avenue, das heiĂt auf den ersten knapp drei Kilometern der Linie, stadteinwärts eine eigene Oberleitung zur VerfĂźgung steht.cite-ref-350[349] Die Southeastern Pennsylvania Transportation Authority nutzt die innere Fahrleitung zudem fĂźr Ein- und AusrĂźckfahrten ohne Fahrgäste, die so die Linienwagen Ăźberholen kĂśnnen.cite-ref-351[350]
Im Stadtgebiet von Simferopol haben die Ăberlandlinien des Krymskyj trolejbus abschnittsweise ein zusätzliches mittiges Fahrleitungspaar. Dadurch kĂśnnen sie die Kurse der Stadtlinien problemlos Ăźberholen. Nach dem gleichen Schema existierten in Teheran zeitweise die Expresslinien 2 und 3. Sie verkehrten parallel zu den Linien 1, 4 und 5, bedienten aber nicht alle Zwischenhaltestellen und besaĂen deshalb ebenfalls eine eigene Oberleitung.cite-ref-352[351]
Einspurige Strecken
Bei modernen Oberleitungsbus-Systemen steht jeder Fahrtrichtung eine Oberleitung zur VerfĂźgung. In den Anfangsjahren dieses Verkehrsmittels war hingegen aus wirtschaftlichen GrĂźnden oft nur eine Oberleitung fĂźr beide Fahrtrichtungen Ăźblich. Begegneten sich zwei Kurse, musste einer von ihnen die Stromabnehmerstangen abziehen. In anderen Fällen wurden Fahrleitungs-Ausweichen eingebaut. Auf manchen wenig frequentierten AuĂenästen â in der Regel Ăberlandabschnitte â waren einspurige Strecken in Europa noch in jĂźngerer Zeit anzutreffen, beispielsweise im tschechischen Hradec KrĂĄlovĂŠ bis Mitte der 1990er Jahre.cite-ref-lehmann-tschechien-2004-353-0[352] Die letzte einspurige Oberleitungsbus-Strecke Deutschlands war Teil des Zwickauer Netzes und fĂźhrte von Lichtentanne nach Stenn. Sie wurde 1977 gemeinsam mit dem restlichen Zwickauer Obusverkehr aufgelassen. Die letzte einspurige Strecke in der Schweiz fĂźhrte bis 1984 von Saint-Martin nach Villiers. In Ăsterreich traf dies auf die Ăźberwiegend einspurige Strecke der Grazer Oberleitungsbus-Linien 3 und 4 zu, diese wurde 1964 aufgelassen, in China auf die 1,5 Kilometer lange Werkstrolleybuslinie im chinesischen Xin`mi, die abgesehen von den beiden Endschleifen durchgehend einspurig war.cite-ref-354[353]
Unabhängig davon wurden zwei japanische und ein neuseeländischer Tunnelabschnitt einspurig befahren, weil in den RÜhren kein Platz fßr die Aufhängung eines zweiten Oberleitungspaares zur Verfßgung stand.
Fortbewegung mittels StraĂenbahnoberleitung
In bestimmten Fällen kĂśnnen Oberleitungsbusse auch mit Hilfe einer gewĂśhnlichen StraĂenbahnoberleitung fortbewegt werden, vorausgesetzt, es handelt sich um einen Streckenabschnitt mit in der StraĂenfahrbahn verlegten Rillenschienen. In BrĂźssel und in Groningen wurde hierfĂźr frĂźher der linke Stromabnehmer an den StraĂenbahnfahrdraht angelegt (Pluspol), die Ableitung erfolgte Ăźber eine spezielle Kontaktvorrichtung, die in der Rille der linken StraĂenbahnschiene hinterhergezogen wurde (Minuspol).cite-ref-355[354] In anderen Städten setzte man hingegen auf die sogenannten BĂźgelwagen, die den gleichen Zweck erfĂźllten.
Vereinzelt gibt es auch Fahrleitungskonstruktionen, bei denen sich Oberleitungsbus und StraĂenbahn einen Fahrdraht teilen (den Plusleiter), während der zweite Fahrdraht (der Minusleiter) nur durch den Oberleitungsbus benutzt wird, so beispielsweise in San Francisco im Zuge der StraĂenbahnlinie F Market & Wharves. Voraussetzung dafĂźr ist, dass entweder der Minusleiter etwas hĂśher liegt als der Plusleiter, damit er nicht vom SchleifbĂźgel der StraĂenbahn berĂźhrt wird, oder die StraĂenbahn nur mit Stangenstromabnehmern fährt. In Cincinnati fuhren auch die frĂźheren StraĂenbahnen unter einer zweipoligen Oberleitung, so dass diese von den dortigen Oberleitungsbussen problemlos mitbenutzt werden konnte.
Alternativ dazu wurde in Erfurt seinerzeit zwischen die beiden Richtungsfahrdrähte der StraĂenbahnlinie 4 ein geerdeter Zusatzfahrdraht fĂźr den Obus gespannt. Durch diese 2,5 Kilometer lange Sonderkonstruktion konnten die Erfurter Oberleitungsbusse ihren Betriebshof an der heutigen Magdeburger Allee erreichen.cite-ref-ken6-356-0[355] Eine gleichartige Anlage, also ebenfalls mit zusätzlichem Minusdraht, existierte in Berlin-Spandau. Dort konnten aus- und einrĂźckende Oberleitungsbusse in der KlosterstraĂe und in der Pichelsdorfer StraĂe die Fahrleitungen der StraĂenbahn mitbenutzen.cite-ref-bvs-spa-190-1[189] Bis zur Installation des Minusdrahts dienten auf der Spandauer Betriebsstrecke von und zur Obus-Linie, Ăźber die Eisenräder eines kleinen Anhängers, die StraĂenbahngleise als Minuspol.cite-ref-sm3-20-100-1[100] In Kiel wurde der Minusdraht seitlich zur eingleisigen StraĂenbahnstrecke durch die KaistraĂe und die BahnhofstraĂe montiert. So konnte dieser Abschnitt gemeinsam mit der StraĂenbahnlinie 7 benutzt werden.cite-ref-ken7-357-0[356]
Die Mitbenutzung erfordert eine Anpassung des gemeinsam genutzten Fahrdrahtes. Er muss einerseits eine fßr die Bßgelstromabnehmer ausreichende Zickzackfßhrung aufweisen, zum anderen dßrfen die Ablenkungen an den Stßtzpunkten nicht zu groà fßr die Stangenstromabnehmer werden. Letztere benÜtigen Luftweichen, diese mßssen, sofern sie nicht aus dem Arbeitsbereich der Bßgelstromabnehmer herausverlegt werden kÜnnen, mit seitlichen Gleitstßcken fßr die Schleifleisten passierbar gemacht werden. Die gemeinsame Benutzung der Fahrleitung mit Bßgel- und Stangenstromabnehmern ist grundsätzlich seit den 1920er Jahren gelÜst, sie macht den Fahrleitungsbau jedoch aufwändig.
Anhängerbetrieb
Analog zu Omnibusanhängern existierten auch Anhänger hinter Oberleitungsbussen, auch Personenanhänger oder Anhängewagen genannt. Sie erlaubten einen wirtschaftlicheren Betrieb, weil die Gesamtkapazität eines solchen Gespanns hĂśher ist als bei einem Gelenkwagen. AuĂerdem wurde auf diese Weise auch im Zusammenspiel mit älteren Hochflur-Obussen ein barrierefreier Einstieg gewährleistet. Ferner konnten die Anhänger bedarfsgerecht eingesetzt werden, das heiĂt nur in den Hauptverkehrszeiten. Allerdings war dieser Vorteil mit einem erhĂśhten Rangieraufwand verbunden und erforderte geeignete Abstellplätze neben der Strecke, weshalb die Anhänger oft Ăźber die ganze Betriebszeit mitgefĂźhrt wurden. Rechtlich betrachtet waren die Anhänger Teil des Gesamtsystems Trolleybus, so benĂśtigten sie beispielsweise in der Schweiz ebenfalls keine Kontrollschilder.
Die weltweit letzten Anhänger hinter Trolleybussen waren bis Mai 2021 beim Trolleybus Lausanne anzutreffen. AuĂerdem verwendet wurden Anhänger bis 2017 beim Trolleybus Luzern, bis 1991 beim Trolleybus St. Gallen und bis Mitte der 1990er Jahre beim Trolleybus VeveyâVilleneuve. Viele weitere Städte hatten einzelne Anhänger, das letzte amtliche Trolleybusverzeichnis der Schweiz von 1966 verzeichnete zwĂślf Anhänger bei den Städtischen Verkehrsbetrieben Biel, zwei bei der Compagnie des Transports en commun La Chaux-de-Fonds, 13 bei der Compagnie genevoise des tramways ĂŠlectriques, 28 bei den Transports publics de la RĂŠgion Lausannoise, zwei bei den Tramways de Neuchâtel, zwei bei den Rheintalischen Verkehrsbetrieben, 27 bei den Verkehrsbetrieben der Stadt St. Gallen, fĂźnf Personen- und zwei Postanhänger bei den Verkehrsbetrieben SteffisburgâThunâInterlaken, sechs bei VeveyâMontreuxâChillonâVilleneuve und einen bei den Verkehrsbetrieben der Stadt Winterthur.cite-ref-bav-trolleybusverzeichnis-1966-25-1[25] Die Postanhänger auf der Ăberlandlinie ThunâBeatenbucht befanden sich dabei im Eigentum der Schweizerischen Post und waren von 1952 bis 1982 in Betrieb.cite-ref-358[357]
Ăber die Schweiz hinaus waren solche Anhänger â sowohl bei Oberleitungsbussen als auch bei Omnibussen â bis in die 1960er Jahre auch in vielen anderen Staaten verbreitet. Obus-Anhänger fand man unter anderem in Westdeutschland, der DDR, Italien, Schweden, Ungarn, der Tschechoslowakei und in Ăsterreich â dort zuletzt 1974 in Salzburg â und in der Volksrepublik China. In der Sowjetunion verkehrten einst Anhänger, die aus alten MTB-82-Obussen umgebaut wurden, so in Leningrad, Minsk, Moskau, Riga, Schytomyr und Tiflis. Hierbei handelte es sich um Eigenumbauten der jeweiligen Verkehrsbetriebe. Einzelne Obus-Anhänger aus St. Gallen gelangten noch 1992 gebraucht nach Warschau, wo sie bis zur Einstellung des Betriebs 1995 im Einsatz waren. Neun weitere kamen in den Jahren 2003 und 2004 von Lausanne ins rumänische Sibiu, wo aber 2009 ebenfalls der Obusbetrieb eingestellt wurde.
Manche Verkehrsunternehmen verwendeten die gleichen Fahrzeuge flexibel mal hinter Oberleitungsbussen und mal hinter Omnibussen, so etwa die Berliner Verkehrsbetriebe, die Krefelder Verkehrs-AG, die Stadtwerke OsnabrĂźck, die Städtischen Verkehrsbetriebe Bern, die Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen, die Verkehrsbetriebe STI oder die Wiener Stadtwerke â Verkehrsbetriebe. In der Schweiz hatten hierzu zahlreiche Trolleybusanhänger ein Kontrollschild, um sie auch hinter Autobussen einsetzen zu kĂśnnen. Später gab man den Anhängerbetrieb fast Ăźberall zugunsten von Gelenkfahrzeugen auf. Teilweise ist die PersonenbefĂśrderung mit Anhängern auch gesetzlich verboten worden, so beispielsweise in Westdeutschland gemäà der StraĂenverkehrs-Zulassungs-Ordnung seit dem 1. Juli 1960. In der DDR war dies ab 1978 der Fall, lediglich in Eberswalde verkehrten aufgrund einer Ausnahmegenehmigung noch bis 1985 Obus-Anhänger.
Die Anhänger wurden analog zur StraĂenbahn manchmal auch als Beiwagen bezeichnet, im Gegensatz dazu nannte man die eigentlichen Oberleitungsbusse frĂźher oft Triebwagen oder Motorwagen. Zusammen bildete ein solches Gespann einen sogenannten Obus-Zug, auch Obus-Anhängerzug bzw. Obus-Hängerzug genannt. In der Schweiz sprach man von einer Anhängerkomposition. Bei den Rheintalischen Verkehrsbetrieben verkehrten bis 1977 sogar DreiwagenzĂźge, bestehend aus einem Trolleybus, einem Beiwagen und einem einachsigen Gepäckanhänger.cite-ref-359[358] Eine Sonderform stellte der LOWA ES6 dar, bei diesem in der DDR entwickelten Prototyp war der Anhänger als Sattelauflieger ausgefĂźhrt. In Deutschland, Ăsterreich und der Sowjetunion kennzeichnete man den Motorwagen eines Obus-Zugs Ăźblicherweise mit einem Anhängerdreieck. In Italien und Ăsterreich wurden die Nachläufer von Gelenkwagen frĂźher rechtlich ebenfalls als Anhänger eingestuft.
In gewisser Weise problematisch war beim Obus-Anhängerbetrieb die sogenannte Schleppkurve. Ursächlich hierfĂźr ist die Position der Stromabnehmer bei einem solchen Gespann. Sie war â anders als etwa beim Gelenkwagen â vergleichsweise weit vorn angeordnet. Um eine Stangenentdrahtung zu vermeiden, konnte der Fahrer eines Obus-Zugs beim Abbiegevorgang nicht so weit ausholen, wie dies aus fahrdynamischen GrĂźnden sinnvoll gewesen wäre. Deshalb war ein Einsatz derartiger Kompositionen bei engen Kurvenradien schwierig bzw. erforderte eine entsprechende Anpassung der Fahrleitungsanlage. Kompensiert wurde das Problem auĂerdem durch gelenkte Hinterachsen sowie Abschrägungen im Heckbereich, ähnlich den sogenannten Hechtwagen im Schienenverkehr.
Doppeltraktionen
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Hauptartikel
:
Oberleitungsbusdoppeltraktion
In der Sowjetunion beziehungsweise in ihren Nachfolgestaaten verkehrten von 1966 bis 2013 Oberleitungsbusdoppeltraktionen bestehend aus jeweils zwei angetriebenen Solo-Obussen der Typen MTB-82, Ĺ koda 9Tr oder ZiU-9. Diese permanent miteinander gekuppelten Obus-ZĂźge waren bis zu 25 Meter lang, zusammen existierten etwa 750 Einheiten.cite-ref-360[359] Aus fahrdynamischen GrĂźnden waren dabei nur die Stromabnehmer eines Wagens angelegt. Das Fahrzeug ohne Kontakt mit der Oberleitung bezog seinen Fahrstrom aus einem Verbindungskabel zwischen den beiden Wagen, die Sollwertgeber beider Obusse waren parallel geschaltet. Die Lenkung des gefĂźhrten Fahrzeugs erfolgte im Gegensatz dazu rein mechanisch mittels der Kupplungsstange, vergleichbar einer Deichsel. Die fĂźr den Einsatz in Doppeltraktionen modifizierten Obusse konnten nicht einzeln eingesetzt werden, ähnlich den Zwillingstriebwagen bzw. gefĂźhrten Triebwagen bei der StraĂenbahn.
Der Vorteil der Doppeltraktionen lag in der um circa ein Drittel hĂśheren BefĂśrderungskapazität gegenĂźber einem Gelenkfahrzeug sowie dem geringeren Personalbedarf gegenĂźber zwei einzeln fahrenden Wagen. Nachteile der Gespanne waren die geringere Wendigkeit, der grĂśĂere Energieverbrauch und der erhĂśhte Wartungsaufwand. AuĂerdem mussten sie aus SicherheitsgrĂźnden mit gedrosselter Geschwindigkeit verkehren.
Mischformen zwischen Gelenkwagen, Anhängerzßgen und Doppeltraktionen
Eine Sonderform stellte der Gelenkwagen dar, der zwischen 1954 und 1968 auf der Ăberlandstrecke AnconaâFalconara im Einsatz war. Bei diesem filotreno des Typs Alfa Romeo 140 AF Macchi-Baratelli war der Nachläufer zweiachsig, de facto handelte es sich um einen Anhänger, der mittels FaltenbalgĂźbergang mit dem Vorderwagen verbunden war â die Stromabnehmer befanden sich auf dem Nachläufer.cite-ref-361[360] Nach dem gleichen Konstruktionsschema stellte der rumänische Hersteller Uzina Autobuzul BucureČti 1988 einen zweimotorigen Prototyp mit der Bezeichnung TANDEM 318 ET her.cite-ref-362[361]
Bereits 1964 gab es auĂerdem in Warschau eine aus zwei Ĺ koda 8Tr bestehende Doppeltraktion, bei der zusätzlich die beiden Wagenkästen durch einen Faltenbalg verbunden wurden. Dazu wurden das Heck des fĂźhrenden und die Front des gefĂźhrten Wagens abgetrennt. Der hintere Wagen trug die Kontaktstangen auf dem Dach.cite-ref-363[362]
SpurgefĂźhrte Oberleitungsbusse
â
Hauptartikel
:
Spurbus
und
Tramway sur pneumatiques
SpurgefĂźhrte Oberleitungsbusse sind mit einer automatischen SpurfĂźhrung ausgerĂźstet und kĂśnnen daher auf einer vom allgemeinen StraĂenverkehr abgetrennten Sondertrasse fahren, beispielsweise in engen U-Bahn-Tunnelstrecken. Ferner ermĂśglichen sie den reibungslosen Einsatz längerer Einheiten, darunter mehrgliedrige Gelenkwagen bzw. Mehrfachtraktionen. AuĂerdem kĂśnnen spurgefĂźhrte Wagen enge Kurvenradien besser bewältigen. Des Weiteren benĂśtigen sie â zumindest bei durchgehender SpurfĂźhrung â statt der Ăźblichen zweipoligen nur eine einfache einpolige Oberleitung.
Vorreiter war hier das Unternehmen Daimler-Benz, es unterhielt bereits Anfang der 1980er Jahre auf dem Mercedes-Benz-Werksgelände in Rastatt unter Ausschluss der Ăffentlichkeit eine elektrifizierte Spurbus-Versuchsanlage. Dort verkehrten auf derselben Strecke sowohl reguläre Einrichtungs-Oberleitungsbusse mit zwei Stromabnehmerstangen als auch ein Zweirichtungs-Versuchsfahrzeug mit StraĂenbahn-typischen Einholmstromabnehmern. Bei letzterem Wagen floss RĂźckstrom Ăźber die seitliche SpurfĂźhrung ab. Die zweipolige Hochketten-Oberleitung war hĂśhenversetzt ausgefĂźhrt, der Einholmstromabnehmer des Zweirichtungsfahrzeugs berĂźhrte somit den Minusdraht der Einrichtungsfahrzeuge nicht. Der 24 Meter lange Wagen mit frei schwebendem Mittelteil wurde als Typ O 305 GG bezeichnet, er basierte auf dem einfachen Gelenkbus O 305 G.cite-ref-364[363]
Auf die Rastatter Versuche aufbauend verkehrten ab Mai 1983 auf einer 1,0 Kilometer langen Pilotstrecke in Essen-Stadtwald zunächst zwei spurgefĂźhrte Duo-Busse im planmäĂigen Fahrgastbetrieb. Ab 1986 erweiterte man diesen Betrieb zu einem GroĂversuch, hierzu beschaffte man 18 weitere Duo-Busse. Das Essener Konzept bewährte sich nicht, der elektrische Betrieb wurde im September 1995 aufgegeben. SpurgefĂźhrte Omnibusse hingegen werden in Essen bis heute eingesetzt.
Ein weiteres Projekt dieser Art verfolgte ab 1997 die brasilianische Stadt SĂŁo Paulo. Unter den Produktbezeichnungen VeĂculo Leve sobre Pneus (VLP) bzw. fura-fila sollten dort spurgefĂźhrte Doppelgelenk-Obusse ähnlich einer Hochbahn auf aufgeständerten Trassen verkehren. Das Konzept kam allerdings Ăźber den Bau eines Prototyps und einer am 30. September 2000 erĂśffneten 2,8 Kilometer langen Pilotstrecke nicht hinaus. Schon Anfang 2001 stellte die Stadt das Vorhaben ein, auf der betreffenden Strecke verkehren heute Omnibusse.cite-ref-365[364]
Einige Jahre später wurde die Idee spurgefĂźhrter und mehrteiliger Oberleitungsbusse in Frankreich wieder aufgegriffen und modifiziert, jetzt mit mittiger statt seitlicher SpurfĂźhrung. MaĂgeblich hierfĂźr war das Unternehmen Bombardier Transportation mit dem System Transport sur Voie RĂŠservĂŠe (TVR), das seit 2001 partiell in Nancy anzutreffen ist. Dort fahren die Oberleitungsbusse in der Innenstadt sowie im Bereich der beiden Wendeschleifen als StraĂenbahn auf Gummirädern, auĂerhalb der genannten Abschnitte hingegen als klassischer frei gelenkter Oberleitungsbus. Aus MarketinggrĂźnden wird jedoch das gesamte System vom Betreiber als StraĂenbahn bezeichnet. Ein weiteres TVR-System existierte in Caen, dieses kam jedoch mit einer einpoligen Oberleitung aus und hatte daher nur noch wenig Gemeinsamkeiten mit dem Oberleitungsbus.
Ebenfalls spurgefĂźhrt verkehrt der 2008 erĂśffnete Oberleitungsbus CastellĂłn de la Plana in Spanien; dort kommt ein optisches System in Form von auf die Fahrbahn aufgemalten Leitlinien zur Anwendung. Diese werden von einer Kamera Ăźber der Frontscheibe der Wagen gescannt, das Prinzip wird unter der Bezeichnung CiVis vermarktet. Im Gegensatz dazu ist der Aufbau eines gleichartigen Systems beim Oberleitungsbus Bologna gescheitert, obwohl hierfĂźr bereits entsprechende Fahrzeuge beschafft wurden.
Eine Weiterentwicklung des TVR-Prinzips stellt das ausschlieĂlich spurgefĂźhrte System Translohr von Lohr Industrie dar. Dieses wird jedoch in der Regel als StraĂenbahn auf Gummirädern respektive StraĂenbahn auf Gummireifen klassifiziert, in der Schweiz spricht man von einem Pneu-Tram.
Doppelgelenkwagen ohne SpurfĂźhrung
Analog zu Doppelgelenkomnibussen entstanden vereinzelt auch dreiteilige Oberleitungsbusse ohne SpurfĂźhrung, in der Schweiz auch Megatrolley(bus), DGT fĂźr Doppelgelenktrolley(bus) oder Longo genannt. GrĂśĂter Vorteil dieses Konzepts ist die hĂśhere Kapazität bei gleichbleibendem Personalbedarf, Investitionen in die SpurfĂźhrung entfallen. Problematisch sind bei Doppelgelenkwagen ohne SpurfĂźhrung hingegen die Wendigkeit und die Länge der Fahrzeuge. FĂźr den planmäĂigen Einsatz mussten beispielsweise in ZĂźrich einzelne Haltestellen umgebaut werden.
Den weltweit ersten Doppelgelenktrolleybus testete in den 1980er Jahren die Verkehrsgesellschaft der rumänischen Hauptstadt Bukarest. Hierbei handelte es sich um den 1988 in den eigenen Werkstätten entstandenen Prototyp mit der Typenbezeichnung MEGA, der aus einem 1980 gebauten gewĂśhnlichen zweiteiligen Gelenkwagen entstand. Er trug die Betriebsnummer 7091 und ging 1999 auĂer Betrieb.cite-ref-366[365]cite-ref-367[366]
Während sich das Prinzip in Rumänien nicht durchsetzen konnte, setzten später andere Länder auf solche Fahrzeuge:
| Stadt | Anzahl | Typ | Hersteller | Baujahr | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| SĂŁo Paulo | 0 1 | Fura-fila | Marcopolo | 2000 | Prototyp, abschnittsweise spurgefĂźhrt |
| Nancy | 25 | TVR | Bombardier | 2000 | abschnittsweise spurgefĂźhrt, 2023 ausgemustert |
| Genf | 0 1 | BGT-N | Hess | 2004 | Prototyp, auf Basis eines Spenderwagens des Baujahrs 1993 zum Doppelgelenkwagen erweitert, 2016 ausgemustert |
| St. Gallen | 0 1 | BGGT 5-25 | Hess | 2005 | Prototyp, auf Basis eines Spenderwagens des Baujahrs 1991 zum Doppelgelenkwagen erweitert, seit 2016 abgestellt |
| Genf | 11 | lighTram | Hess | 2005/2006 | |
| Luzern | 29 | lighTram | Hess | 2006/2017 | |
| ZĂźrich | 31 | lighTram | Hess | 2007â2014 | |
| St. Gallen | 0 7 | lighTram | Hess | 2009 | |
| Malatya | 18 | TrambĂźs | Bozankaya | 2014â2017 | ein Wagen 2015 ausgebrannt |
| Linz | 20 | Exqui.City 24 trolley | Van Hool | 2017â2019 | |
| Bern | 14 | lighTram | Hess | 2018/2019 | |
| Winterthur | 11 | lighTram | Hess | 2022 | |
| Bratislava | 16 | Trollino 24 | Solaris/Ĺ koda Electric | 2023 | |
| Nancy | 25 | lighTram | Hess | 2024 | |
Entsprechende Pläne des Unternehmens Ĺ koda â die Arbeitstitel dieser Projektstudien lauteten 19Tr, 20Tr und 23Tr â wurden hingegen nicht verwirklicht.
Tunnelstrecken
In manchen Städten verkehren Oberleitungsbusse im Tunnel, ähnlich einer U-Bahn beziehungsweise UnterpflasterstraĂenbahn. Von Vorteil ist hierbei der abgasfreie Betrieb im Vergleich zu Dieselbussen, insbesondere, wenn Tunnelhaltestellen passiert werden, an denen Fahrgäste warten. Ebenso vorteilhaft ist das problemlose Bezwingen von Tunnelrampen.
Bei der Essener Verkehrs-AG (EVAG) verkehrten die Duo-Busse auf den beiden CityExpress-Linien CE 45 und CE 47 vom 9. November 1991 bis zum 24. September 1995 spurgefĂźhrt durch die unterirdische Ost-West-Spange und bedienten dort auch die vier Zwischenstationen. Der GleiskĂśrper war entsprechend mit Holzbohlen ausgestattet. Das System erwies sich als anfällig fĂźr BetriebsstĂśrungen, immer wieder Ăźbertrugen sich die durch die Belastung der Bohlen hervorgerufenen Schwingungen auf die Stromabnehmer. Dies wiederum fĂźhrte zum AbreiĂen der Fahrdraht-Aufhängungen, damit war der Tunnel auch fĂźr die dort verkehrenden Bahnen unpassierbar.cite-ref-368[367]
Der Oberleitungsbus Cambridge und der Oberleitungsbus Boston in den Vereinigten Staaten besaĂen ebenfalls je einen Streckenabschnitt im Tunnel mit einer bzw. drei Tunnel-Stationen. Während der etwa zwei Kilometer lange Tunnel in Boston 2004 eigens fĂźr Oberleitungsbusse erĂśffnet wurde, war der sogenannte Harvard Bus Tunnel ein ehemaliger StraĂenbahntunnel, der zuletzt gemeinsam von Oberleitungsbussen und Omnibussen befahren wurde.
In Seattle wurde der 2,1 Kilometer lange Downtown Seattle Transit Tunnel von September 1990 bis September 2005 mit Duo-Bussen im elektrischen Betrieb befahren. Danach wurde der Tunnel einschlieĂlich der Elektrifizierung fĂźr die Stadtbahn Seattle umgebaut. Ab 2007 erfolgte ein Mischbetrieb von Niederflur-Stadtbahnen und Duo-Bussen, die im Tunnel die Bahnsteige gemeinsam bedienten. Seit März 2019 fahren ausschlieĂlich Stadtbahnen in dem Tunnel.cite-ref-369[368] Im Gegensatz zum Essener Spurbus-Tunnel setzte man in Seattle auf Rillenschienen, die eine geschlossene Fahrbahndecke fĂźr die Duo-Busse ermĂśglichten.
Ein weiterer Trolleybustunnel mit fĂźnf Tunnelstationen bestand von 1976 bis 1988 im mexikanischen Guadalajara. Hierbei handelte es sich um eine NotlĂśsung â der etwa fĂźnf Kilometer lange Tunnel war ursprĂźnglich fĂźr eine U-Bahn vorgesehen, diese konnte aus KostengrĂźnden nicht realisiert werden. Seit 1988 wird die Anlage von einer Stadtbahn genutzt.cite-ref-tramz-guadalajara-156-1[155]
Ferner waren auch die letzten beiden japanischen Betriebe MurodĹâDaikanbĹ und OgizawaâKurobedamu komplett beziehungsweise fast komplett unterirdisch trassiert. In beiden Fällen handelt bzw. handelte es sich dabei um bergmännisch aufgefahrene Tunnel im Gebirge. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auĂerdem noch der 388 Meter lange Hataitai-Tunnel in Wellington. Er wurde 1907 als StraĂenbahntunnel erĂśffnet und ab 1963 nur noch von Trolleybussen und Omnibussen benutzt, seit 2017 allerdings nur noch von letzteren.cite-ref-370[369] Die beiden Tunnelbetriebe in Japan gehĂśrten ferner zu den weltweit letzten einspurig betriebenen Obus-Strecken. Der Tunnel in Neuseeland wiederum wies aus ProfilgrĂźnden als Besonderheit eine aus drei Fahrdrähten fĂźr beide Fahrtrichtungen bestehende Oberleitungskonstruktion auf, dabei teilten sich beide Richtungen den mittleren Draht.
Bussteige und Sondertrassen
Analog zu den sogenannten Bus-Rapid-Transit-Systemen, abgekĂźrzt BRT, setzen auch einige Obus-Betriebe auf erhĂśhte Bussteige. Diese ermĂśglichen â vergleichbar den Hochbahnsteigen im Schienenverkehr â selbst bei älteren Hochflurwagen einen schnellen und barrierefreien Fahrgastwechsel. Der Ein- und Ausstieg erfolgt somit, ähnlich wie bei modernen Bahnen, stufenlos. Solche Systeme existieren bzw. existierten:
⢠in Ecuador beim Oberleitungsbus Quito
⢠in Venezuela beim Oberleitungsbus MÊrida, im Juni 2016 auf Dieselbusbetrieb umgestellt
⢠in der Tßrkei beim Oberleitungsbus Malatya
⢠in der Volksrepublik China bei den Linien BRT1, BRT2 und BRT3 in Peking sowie bei der Linie 71 in Shanghai
Alle diese Betriebe verwenden ausschlieĂlich erhĂśhte Bussteige. Ein weiteres solches System entstand im ebenfalls venezolanischen Barquisimeto, dieses kam jedoch Ăźber einen kurzen Probebetrieb in den Jahren 2012 und 2013 nicht hinaus und wurde letztlich als reines Dieselbussystem realisiert. Teilweise handelt es sich bei den Haltestellen um mittige Bussteige in Insellage, vergleichbar den Mittelbahnsteigen im Schienenverkehr. Deshalb verkehren die Trolleybusse bei manchen BRT-ähnlichen Systemen â komplett oder zumindest abschnittsweise â im Linksverkehr, das heiĂt entgegen der Ăźblichen Fahrordnung in den betreffenden Ländern. Dies erfolgt auf eigenen Sonderspuren und somit unabhängig vom Ăźbrigen StraĂenverkehr. Ferner verfĂźgen die Haltestellen dieser Systeme in der Regel Ăźber spezielle Zugangssperren zur Fahrkartenkontrolle. Zusätzlich sind â analog zu vielen U-Bahn-Systemen â SchiebetĂźren zwischen Bussteig und Fahrzeug vorhanden, die sich erst bei Ankunft eines Fahrzeugs Ăśffnen.
Darßber hinaus bedienten frßher auch die Oberleitungsbusse der EVAG in Essen, der MBTA in Cambridge und der SPT in São Paulo vereinzelt erhÜhte Bussteige in Insellage. Hierzu besaà ein Teil der Wagen in den drei Städten zusätzliche linksseitige Einstiege ohne Trittstufen.
Eine Sonderstellung nehmen die Linien des mexikanischen âTrolebĂşs Elevadoâ ein. Seit 2020 wird der Obus-Betrieb in Mexiko-Stadt durch unabhängig auf einem eigenen Viadukt gefĂźhrte Strecken ergänzt. Die Viadukte aus Betonfertigteilen sind durchschnittlich 7â10 Meter hoch und nehmen zwei rund 3,5 Meter breite Busspuren auf. Die 2022 erĂśffnete Linie 10 ist 7,6 Kilometer lang und vollständig kreuzungsfrei trassiert. Die elf Stationen befinden sich in Mittellage. Um die auf dem Ăźbrigen Netz weit verbreiteten Yutong-Batterie-Obusse einsetzen zu kĂśnnen, wird im Linksverkehr gefahren.cite-ref-371[370]
Radnabenmotoren
Bereits in der FrĂźhzeit des Oberleitungsbusses waren Radnabenmotoren bei den Systemen MercĂŠdès-Ălectrique-Stoll (ab 1907) und Lloyd-KĂśhler (ab 1910) Standard. Die letzten derartigen Wagen verkehrten 1938 in Wien.
In jĂźngerer Zeit griff der Hersteller Neoplan dieses Konzept in Basel (ab 1992) und in Lausanne (ab 1999) wieder auf. Ebenso Mercedes-Benz mit dem 1996 vorgestellten Prototyp O 405 GNTD sowie die Firma Irisbus mit dem vergleichsweise weit verbreiteten Typ Cristalis.
Der Grund dafĂźr, dass diese Technik heute wieder eingesetzt wird, ist, dass Radnabenmotoren durch ihre sehr kompakte Bauweise Fahrzeuge mit hohem Niederfluranteil und wenigen oder gar keinen Podesten ermĂśglichen. Dabei kĂśnnen bei einem Gelenkwagen bis zu vier Radnabenmotoren gleichzeitig zum Einsatz kommen, welche die zweite und die dritte Achse antreiben. Dadurch lassen sich die Fahrzeuge relativ stark motorisieren. Dies war beispielsweise bei den Basler Trolleybussen der Fall.cite-ref-372[371]
Diese Antriebstechnik ist allerdings mit Problemen verbunden und konnte sich daher bislang nicht flächendeckend durchsetzen. Zu den wesentlichen Nachteilen gehĂśren die hohe Energiedichte, die zu KĂźhlungsproblemen fĂźhrt, sowie die hohen Drehzahlen, die eine hĂśhere Geräuschentwicklung zur Folge haben. Ferner sind Radnabenmotoren teurer und wartungsintensiver als gewĂśhnliche Elektromotoren, auĂerdem verbrauchen sie mehr Energie.
Umbauten aus Dieselbussen
Trotz ihrer konstruktiven Ăhnlichkeiten werden Dieselbusse nur vergleichsweise selten zu Oberleitungsbussen umgebaut. Hauptgrund hierfĂźr ist die fehlende Wirtschaftlichkeit solcher Vorhaben. Die geringe Restlebensdauer einer Dieselbus-Karosserie rechtfertigt nur in den seltensten Fällen die aufwändigen Umbauten, darunter die Verstärkung der Karosserie und der Dachkonstruktion, den Umbau des Motorträgers, die Verkabelung sowie die Isolation der Fahrgastzelle â insbesondere der Einstiege â auĂerdem die Anpassung der Antriebsachse, der Bremsanlage, der Servolenkung, der Heizung, der LĂźftungsanlage, der Bordnetzversorgung und der Fahrzeugelektronik.
Dennoch bauen die Verkehrsbetriebe in der polnischen Stadt Gdynia und in der ungarischen Stadt Szeged seit 2004 in Eigenregie Dieselbusse zu Oberleitungsbussen um. BegĂźnstigt wird dies durch die vergleichsweise geringen Lohnkosten in den beiden Ländern sowie das gute Know-how der betreffenden Werkstätten. In beiden Fällen handelt es sich um Fahrzeuge des Herstellers EvoBus, der selbst keine Oberleitungsbusse mehr anbietet, darunter bisher 28 O 405 N und zwei Citaro O 530 in Polen sowie sechs Citaro O 530 in Ungarn. Ferner baute man in Szeged schon 2004 einen Volvo-Solobus zu einem Obus um. Die Betriebe erhoffen sich davon Einsparungen bei der Ersatzteilbevorratung â diese kann gemeinsam mit den gleichartigen Dieselbussen der Spenderbaureihen erfolgen â sowie geringere Anschaffungskosten gegenĂźber serienmäĂig hergestellten Oberleitungsbussen. Zudem kann auf diese Weise zeitgemäĂe Niederflurtechnik mit altbrauchbaren E-AusrĂźstungen kombiniert werden.
In Polen hat der Umbau von Dieselbussen in Obusse eine gewisse Tradition. Bereits Anfang der 1990er Jahre entstanden auf diese Weise 13 Gelenk-Obusse, die auf dem Dieselbus des Typs Ikarus 280 basierten. Sie bekamen die Baureihenbezeichnung 280E und verkehrten in Gdynia (neun), Lublin (vier) und SĹupsk (einer).
Aus ähnlichen GrĂźnden bauten die Stadtwerke Kaiserslautern schon im Jahr 1978 einen 1970 beschafften Dieselbus des Typs Mercedes-Benz O 305 in einen Oberleitungsbus um. Man entschied sich danach gegen einen serienmäĂigen Umbau weiterer Wagen, ebenso die Stadtwerke Pforzheim, die 1965 einen BĂźssing Präfekt in einen Obus umbauten, sowie die Hamburger Hochbahn, bei der schon 1952 auf Basis eines BĂźssing 5000 T ein Eigenbau-Obus entstand. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang auch die Bukarester Verkehrsbetriebe: diese bauten zwischen 1995 und 2000 gleich 22 Genfer Saurer-Omnibusse der Baujahre 1968 bis 1970 zu Oberleitungsbussen um.cite-ref-373[372] FĂźr Cluj-Napoca wandelte das Unternehmen Astra aus Arad 2011 15 gebraucht aus Paris Ăźbernommene Gelenkbusse des Typs Agora L in Oberleitungsbusse um.cite-ref-374[373]
Umbauten in Dieselbusse
Auch Umbauten von Oberleitungsbussen in Dieselbusse kommen aufgrund des hohen Aufwands und der damit verbundenen Kosten nur in Ausnahmefällen vor. Im Idealfall kann dabei eine langlebige Obus-Karosserie mit preisgĂźnstigen und serienmäĂig hergestellten Dieselbuskomponenten kombiniert werden. Von Nachteil ist hingegen der hĂśhere Kraftstoffverbrauch, bedingt durch die schwerere Karosserie.
So bauten die Stadtwerke Osnabrßck in den Jahren 1967 und 1968 gleich 24 Oberleitungsbusse der Baujahre 1959 bis 1961 in Dieselbusse um. Hierzu waren folgende Arbeiten notwendig: Ausbau der elektrischen Ausrßstung, Einbau von Dieselmotor, Getriebe, Kardanwellen, Tank, Kraftstoffleitungen und Auspuffanlage sowie Umbauten im Fahrgastraum.cite-ref-375[374] Ursächlich hierfßr: angesichts der 1968 erfolgten Stilllegung des Betriebs wollte man nicht auf die noch vergleichsweise neuen Fahrzeuge verzichten. Aus dem gleichen Grund adaptierten auch die Stadtwerke Trier zwischen 1967 und 1972 ihre sechs jßngsten Gelenk-Obusse des Typs HS 160 OSL-G entsprechend,cite-ref-376[375] ebenso die Niederrheinischen Verkehrsbetriebe 1968 elf Bßssing/Emmelmann/SSW-Gelenkwagen des Baujahrs 1964 und die Stadtwerke Hildesheim 1969 sechs Bßssing-Solowagen des Baujahrs 1963.
Stadtrundfahrten
Vergleichsweise selten sind touristische Stadtrundfahrten mit Oberleitungsbussen. Ursächlich hierfĂźr ist vor allem die Tatsache, dass in der Regel nicht alle SehenswĂźrdigkeiten an elektrifizierten Strecken liegen beziehungsweise bestimmte AbbiegemĂśglichkeiten oder sonstige VerknĂźpfungen im Netz fehlen. Dennoch wird etwa im polnischen Lublin eine Touristiklinie âTâ mit einem historischen ZiU-9-Obus betrieben.cite-ref-377[376] Ebenso verkehrt seit dem 1. August 2021 in der moldauischen Hauptstadt ChiČinÄu an Wochenenden im Sommer eine Sightseeing-Linie âTâ, zum Einsatz kommt ein speziell folierter Belkommunmasch-Niederflurwagen mit Hilfsantrieb.cite-ref-378[377] DarĂźber hinaus setzte die argentinische Stadt Mendoza bis Anfang 2009 einen Obus des Typs Trolleybus Solingen fĂźr Stadtrundfahrten ein. Hierzu besaĂ dieser eine veränderte Inneneinrichtung und eine Sonderlackierung.cite-ref-379[378]
Weltweiter Ăberblick
Am 31. Dezember 2021 waren weltweit nur noch weniger als 24.000 Oberleitungsbusse in Betrieb, davon knapp 5000 in der Europäischen Union, der Schweiz und Norwegen.cite-ref-lehmann2021-98-1[98] AuĂer in Ozeanien, wo der letzte am 31. Oktober 2017 in Wellington verkehrte, fahren sie auf allen Kontinenten. Ende 2019 existierten dabei weltweit 2200 Obus-Linien, davon 526 in der Europäischen Union, der Schweiz und Norwegen.cite-ref-lehmann2020-380-0[379]
Global betrachtet befindet sich das Verkehrsmittel seit der politischen Wende der Jahre 1989/1990 aus unterschiedlichen GrĂźnden auf dem RĂźckzug. So wurden allein in den 2000er Jahren um die 60 Betriebe eingestellt, aber nur zehn neue erĂśffnet â von denen zwei bereits wieder stillgelegt sind. Trotz weiterer vereinzelter NeuerĂśffnungen setzte sich dieser Trend in den 2010er und 2020er Jahren fort.
Die meisten Einstellungen waren in den kleineren Nachfolgestaaten der Sowjetunion zu verbuchen, darunter Armenien, Aserbaidschan â wo zwischen 2003 und 2006 sogar alle fĂźnf Netze aufgelassen werden mussten â, Kasachstan und Usbekistan, ebenso in Georgien, dort wurden zwischen 2003 und 2010 zehn der einst zwĂślf georgischen Obus-Betriebe eingestellt. Die einzelne Linie in Zchinwali wurde bereits Ende 1990 im BĂźrgerkrieg um SĂźdossetien zerstĂśrt, so dass nur noch der Oberleitungsbus Sochumi erhalten blieb. Er befindet sich in der international nicht anerkannten Republik Abchasien und konnte nur mit russischer Hilfe Ăźberleben.
Ursächlich fĂźr diese Entwicklung waren hauptsächlich fehlende finanzielle Mittel â oft konnten nicht einmal die Stromrechnungen beglichen werden â, ebenso die verschlissene Technik aus Sowjetzeiten sowie die Konkurrenz durch die parallel verkehrenden Marschrutkas. Auffällig viele Netzaufgaben waren auĂerdem in der Volksrepublik China und in Rumänien zu beobachten.
Ein italienisches Phänomen ist die mehrere Jahre andauernde vorĂźbergehende Einstellung von Betrieben, um Fahrleitung und Fahrzeuge zu erneuern. Dies betraf Bologna (unterbrochen von 1982 bis 1991), La Spezia (1985 bis 1988), Chieti (1992 bis 2009), Modena (1996 bis 2000) und Genua (2003 bis 2007). In Cremona ist hingegen eine WiedererĂśffnung des Betriebs Ende der 2000er Jahre gescheitert, die ab 2002 nicht mehr verwendete Oberleitung blieb lange Jahre ungenutzt. Ebenso in Bari, wo lange Jahre geplant war, den 1988 eingestellten Betrieb wieder aufzunehmen. Hierzu wurden 1999 und 2009 sogar jeweils neue Wagen beschafft, die jedoch nie zum Einsatz kamen.cite-ref-381[380] 2024 wurde schlieĂlich mit der Demontage der Oberleitung begonnen. AuĂerdem begann bereits 2009 in Avellino der Aufbau eines weiteren neuen Obus-Systems, das letztlich aber erst 2023 in Betrieb ging. Der Oberleitungsbus Pescara wiederum, an dem ab 2010 gebaut wurde, wurde schlieĂlich erst 2025 erĂśffnet.
GrĂśĂte Betriebe
Die Stadt mit den weltweit meisten Trolleybussen ist die belarussische Hauptstadt Minsk mit knapp 900 Trolleybussen und 63 Linien (Stand Mai 2017). Einst trug die russische Hauptstadt Moskau diesen Titel, dort reduzierte das Verkehrsunternehmen Mosgortrans den Betrieb jedoch bis August 2020 schrittweise auf eine einzige verbliebene Linie, die am 31. März 2022 schlieĂlich auch eingestellt wurde.cite-ref-382[381] GrĂśĂter Betrieb in Asien ist die chinesische Hauptstadt Peking mit mehr als 500 Fahrzeugen und 26 Linien (Stand 2017), der grĂśĂte Betrieb auf dem amerikanischen Kontinent liegt in der mexikanischen Hauptstadt Mexiko-Stadt mit 379 Fahrzeugen (HĂśchststand 1986 mit 1045) und acht Linien (Stand 2017).
Besonderheiten
⢠In manchen Städten bestehen Teilnetze, die nicht mit dem jeweiligen Hauptnetz verbunden sind. So hat die Linie 33 in Bratislava seit ihrer ErĂśffnung keinerlei Verbindung zu den Ăźbrigen Linien. Ebenso besteht das Bukarester Obus-Netz aus zwei autonomen Bereichen. Beim nordkoreanischen Oberleitungsbus ChâĹngjin haben sogar alle drei vorhandenen Linien keine Fahrleitungsverbindung untereinander.cite-ref-ch-ngjin-158-1[157]
⢠In Esslingen am Neckar konnten 1990 beim Oberleitungsbau auf der Vogelsangbrßcke die Masten aus statischen Grßnden nicht wie geplant im Fundament der Brßcke gesetzt werden. Sie wurden deshalb in wesentlich stärkerer Ausfßhrung an beiden Ufern des Neckars aufgestellt. Der Mastabstand von 98 Metern gilt als Weltrekord bei der Fahrleitungsabspannung fßr Oberleitungsbusse.cite-ref-383[382]
⢠Die Oberleitungsbusstrecke MurodĹâDaikanbĹ in Japan war die letzte weltweit, die im Linksverkehr betrieben wurde â wenngleich sie nicht im Ăśffentlichen StraĂenraum verlief. In allen anderen Ländern mit noch existierenden Oberleitungsbusnetzen wird hingegen rechts gefahren.
⢠Als ZubehĂśr fĂźr Modelleisenbahnen fertigte die Firma Eheim ab 1950 voll funktionsfähige Oberleitungsbusse in der NenngrĂśĂe H0, das heiĂt im MaĂstab 1:87. 1963 wurde die Modellbausparte von Eheim durch die Firma Brawa Ăźbernommen, die dann 1967 auch ein Programm in NenngrĂśĂe N herausbrachte. Die Produktion von Modell-Oberleitungsbussen wurde schlieĂlich im Jahr 2000 eingestellt.
⢠Das Trolleybusunternehmen in der nordkoreanischen Hauptstadt PjÜngjang unterhält, wie auch die Nordkoreanische Eisenbahn und die U-Bahn PjÜngjang, einen eigenen Radiosender.cite-ref-384[383]
⢠In der Sowjetunion existierten zu Zeiten der Perestroika zu Verkaufswagen beziehungsweise Verkaufsfahrzeugen von privaten Handelskooperativen umfunktionierte Trolleybusse, so etwa 1989 in Charkiw und Poltawa. Sie hatten bestimmte Halteplätze, an denen â rechts neben der Oberleitung fĂźr die Linienwagen â eine separate Standspur fĂźr die Stromversorgung der mobilen Läden montiert wurde. Mangels Luftweichen mussten die Stromabnehmerstangen dabei manuell umgelegt werden.
⢠Im Nordwesten Tschechiens unterhielt das Unternehmen Ĺ koda von 1963 bis 2004 eine eigene Werksteststrecke fĂźr Obusse. Sie war 6,1 Kilometer lang, bis zu zwĂślf Prozent steil und fĂźhrte von DolnĂ Ĺ˝ÄĂĄr nach JĂĄchymov.
⢠In São Paulo operieren zwei verschiedene Obus-Gesellschaften parallel zueinander: Die São Paulo Transportes (SPT) betreibt 14 Linien im Stadtbereich, und die Empresa Metropolitana des Transportes Urbanos (EMTU) weitere sechs Linien in die Vororte. Die beiden Netze treffen zwar am Umsteigeknoten Terminal São Mateus aufeinander, sind jedoch physisch nicht miteinander verbunden.
⢠Während der COVID-19-Pandemie kamen in der moldauischen Hauptstadt ChiČinÄu Trolleybusse als mobiles Impfzentrum zum Einsatz
⢠In Anspielung an den ehemaligen Oberleitungsbus Kapfenberg (1944â2002) in der nordĂśstlichen Nachbarstadt von Bruck an der Mur wird der Rufbus (2017â2022) in den westlichen Stadtteil Oberaich O-Bus genannt.cite-ref-386[385]
⢠In Chicago dienten frßher mit einem Schneepflug ausgestattete Oberleitungsbusse dem Winterdienst.cite-ref-387[386]
Siehe auch
⢠Autoscooter, Oberleitungsboot und Oberleitungsfähre â ebenfalls nicht-spurgefĂźhrte Fahrzeuge mit Stromabnehmern und Oberleitung
Literatur
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⢠Frank Dittmann: Eine Nischentechnik in der Systemauseinandersetzung. Obusse in beiden deutschen Staaten. In: Technikgeschichte, Bd. 64 (1997), H. 2, S. 103â124.
⢠Felix FĂśrster: 20 Jahre BlĂźtezeit. Obusse in Deutschland ab 1930. In: StraĂenbahn Magazin 01/2019, GeraMond, S. 58â62.
⢠Felix FĂśrster: Zukunft dank Duo-LĂśsungen. Obusse in Deutschland heute und in Zukunft. In: StraĂenbahn Magazin 03/2019, GeraMond, S. 28â31.
⢠Felix FĂśrster: Wie die âgleislose Bahnâ das Rollen lernte. Obusse in Deutschland 1882 bis 1928. In: StraĂenbahn Magazin 12/2018, GeraMond, S. 66â70.
⢠Erich Hoepke: Omnibusse im Verkehrssystem von Ballungsgebieten. Planung, Betrieb und Leitsystem â Technik der Omnibusse, Obusse, Duo-Busse und Spurbusse. Expert, Renningen-Malmsheim 1995, ISBN 3-8169-1164-1.
⢠Ludger Kenning, Mattis Schindler: Obusse in Deutschland. Band 1: Berlin â Brandenburg â Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein â Hamburg â Bremen â Niedersachsen, Sachsen-Anhalt â ThĂźringen â Sachsen, FrĂźhere deutsche Ostgebiete. Kenning, Nordhorn 2009, ISBN 978-3-933613-34-9.
⢠Ludger Kenning, Mattis Schindler (Hrsg.): Obusse in Deutschland. Band 2: Nordrhein-Westfalen, Hessen. Kenning, Nordhorn 2011, ISBN 978-3-933613-31-8.
⢠Werner Stock: Obus-Anlagen in Deutschland. Hermann Busch Verlag, Bielefeld 1987, ISBN 3-926882-00-X.
Weblinks
Commons
: Oberleitungsbus 1
â Album mit Bildern und Videos
Commons
: Oberleitungsbus 2
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Oberleitungsbus
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⢠O-Bus Trolley. In: Fotos von aktiven europäischen O-Busslinien. public-transport.net, abgerufen am 27. Mai 2023.
⢠Karl Presser: Trolleybusse (Obusse). In: Historie und Entwicklung von O-Bussen insbesondere im Saarland. saar-nostalgie.de, 2023, abgerufen am 27. Mai 2023.
⢠trolley:motion. Verein fßr internationale Erhaltung, Auf- und Ausbau von elektrischen Stadtbus-Systemen, 2023, abgerufen am 27. Mai 2023.
Einzelnachweise
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